Lebenswelt

Hercules: Tradition und Innovation

26.01.2024
Autorin: Yvonne Mang

Das Herz von Hercules schlägt in Emstek – im Ecopark. Hier befindet sich das Vertriebsbüro und die Produkt­entwicklung. Das junge 23-köpfige Team treibt die Fahrradmarke voran und baut das Sortiment stetig aus.

Wenn es um Fahrräder geht, die sowohl Qualität als auch Tradition verkörpern, ist der Name „Hercules“ unverkennbar. Die Marke steht seit Beginn für robuste, zuverlässige und stilvolle Fahrräder, die Generationen von Radfahrern begleitet haben. Von Anfang an war die Vision der Firmengründer klar: Fahrräder zu produzieren, die höchsten Qualitätsansprüchen gerecht werden und den Menschen eine zuverlässige Fortbewegungsmöglichkeit bieten. Sie stehen für Langlebigkeit und Stabilität.

Die Marke Hercules verbindet bis heute die Tradition der Firmengründer mit der Moderne durch klassische Ästhetik und kontinuier­liche Integration modernster Technologien und Materialien, um Fahrkomfort, Leistung und Sicherheit zu verbessern. Dieser Ansatz hat dazu beigetragen, dass Hercules-Bikes sowohl bei Nostalgikern als auch bei technikbegeisterten Radfahrern beliebt sind. Die Liebe zum Detail und die Hingabe zur Handwerkskunst blieben immer erhalten, was die Marke Hercules zu einer anerkannten Größe in der Fahrradindustrie gemacht hat. Dass sie stets zu den Pionieren der Fahrradbranche gehört, zeigt eindrucksvoll das bereits vor 30 Jahren auf den Markt gebrachte Modell „Electra“, welches als weltweit erstes in Serie gefertigtes E-Bike gilt.

Die Marke Hercules

Hercules wurde 1886 von Carl Marschütz in Nürnberg gegründet und kann so auf eine über 100-jährige bewegte Geschichte zurückblicken. Die Räder, die Carl Marschütz damals baute, galten als sehr stabil und langlebig. So kam es zur Namensgebung von Hercules, dem Kraftmenschen, der Name des griechischen Halbgottes Hercules; er steht für Langlebigkeit und Stärke. Sämtliche Inhaber der Marke Hercules haben sich stets dieser Tradition verpflichtet gesehen, weshalb Hercules bis heute für qualitativ hochwertige Produkte im Sport- und Freizeitbereich steht.

Die Firmengeschichte von Hercules

Von 1995 – 2014 gehörte die Marke Hercules zu der niederländischen Accell-Gruppe, die durch die Marken Sparta, Batavus und Koga bekannt ist. Im Januar 2014 wurde die Marke Hercules von der ZEG-­Gruppe übernommen – mit diesem Abschnitt beginnt die jüngere Geschichte. Die ZEG ist Europas größte Einkaufsgenossenschaft für Zweiräder, ein Verbund von etwa 1000 unabhängigen Fahrradfachhändlern mit Sitz in Köln. 

Zur ZEG-Gruppe mit ihren Kernmarken Bulls und Pegasus gehören neben Hercules weitere namhafte Unternehmen der Zweiradbranche wie unter anderem Flyer, i:SY und Kettler.

Nach der Übernahme von Hercules durch die ZEG eröffnete im März desselben Jahres in Cloppenburg in der Bürgermeister-Winkler-­Straße das Hercules Vertriebsbüro mit drei Mitarbeitern unter der Leitung von Bernard Meyer, einem erfahrenen Manager aus der Zweiradindustrie. Nach und nach wurden einzelne Abteilungen von Köln nach Cloppen­burg geholt, sodass die Räumlichkeiten zu klein wurden. Eine Vergrößerung war unausweichlich und es begann die Suche nach einem neuen Standort.

2017 wurde das Grundstück im Ecopark erwor­ben. Der erste Spatenstich auf dem 6000 Quadratmeter großen Grundstück in der Ecopark-Allee erfolgte im April 2018. Ein Jahr darauf im Juni 2019 zog das Hercules-Team in das neue hochmoderne und zukunfts­fähige Gebäude. Die Eröffnung des neuen Standortes wurde Anfang August 2019 mit einer großen Hausmesse für alle 600 Händler aus Deutschland und dem benachbarten Ausland und allen Beteiligten gefeiert. Heute sind fast alle Abteilungen des Unternehmens in Emstek angesiedelt: Vertrieb, Kundendienst, Marketing, Controlling, Produkt­management, Debitoren­buchhaltung und Werkstatt.

 

Leiten den Standort Emstek gemeinsam: Michael Honkomp und Thomas Henke (von links).

Das Hercules-Firmengebäude im Ecopark

Schon während der Planung des neuen Standorts wurde – in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und umweltfreundliche Mobilität immer wichtiger werden – darauf Wert gelegt, diese Prinzipien so weit wie möglich umzusetzen. So wurden im neuen Gebäude im Ecopark eine Wärmepumpe, eine Photovoltaikanlage, eine Wildblumenwiese entlang der Teststrecke und Ladestationen für E-Autos und E-Bikes eingeplant und errichtet. Im Erdgeschoss des Gebäudes präsentieren sich jeweils die aktuellen Modelle der Saison in einem 1100 Quadratmeter großen, modern eingerich­teten Show­room. Hier können sich die Fahrradfachhändler informieren und ordern, denn bei Hercules kauft nicht der Endkunde, sondern der stationäre Fahrradfachhändler. Im Obergeschoss auf der Empore und im Schulungsbereich werden Technik- und Verkaufsschulungen für Händler angeboten und durchgeführt.

Die 800 Quadratmeter große und 200 Meter lange Teststrecke auf dem Außengelände mit Rundparcours, Steigungshügel und verschiedenen Untergründen kann sowohl von den Händlern als auch vom Entwicklungsteam für erste Fahrerfahrungen mit neuen Modellen genutzt werden.

Das Hercules-Team

2021, mit der Einstellung des 20. Mitarbeiters in Emstek, verabschiedete Bernard Meyer sich nach 45 Jahren aus der Fahrradbranche in den Ruhestand. Seitdem leiten Michael Honkomp (Export, Produktmanagement und Kundendienst) und Thomas Henke (Vertrieb, Marketing und kaufmännische Leitung) den Standort gemeinsam. Aktuell besteht das Hercules-Team aus insgesamt 43 Mitarbeitern. Am Standort Emstek arbeiten 23 Mitarbeiter und 14 Mitarbeiter sind im Außendienst in Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Österreich tätig. Weitere Mitarbeiter sind in der Zentrale in Köln und im Auslieferungslager in Neuhof a. d. Zenn, das bis 2002 auch Produktionsstätte der Hercules-Bikes war, angestellt. Ein großer Teil der Mitarbeiter kann auf langjährige Erfahrung in der Fahrradbranche zurückblicken.

Seit 2021 ist Hercules auch Ausbildungsbetrieb. Aktuell werden die Ausbildungsberufe Zweiradmechaniker/in bzw. Zweiradmecha­troniker/in und Kaufmann/Kauffrau Büromanagement angeboten. Sowohl die Entwicklung als auch das Produktmanagement ist ausschließlich in Emstek ansässig. Ein Großteil der Fahrräder wird im saarländischen St. Ingbert produziert.

80 Prozent der verkauften Räder sind mittlerweile E-Bikes. Die Verkaufsgebiete der Hercules-Räder erstrecken sich heute auf fast ganz Europa: Deutschland, Österreich, Niederlande, Belgien, Frankreich, Irland, Spanien, Ungarn, Polen, Schweden, Nor­wegen, Finnland, Dänemark und Italien. Der Exportanteil liegt zurzeit bei 15 Prozent. Im Geschäftsjahr 2022 konnte Hercules 50.000 E-Bikes und Fahrräder verkaufen und erzielte damit einen Umsatz von 70 Millionen Euro, dies entspricht einer Umsatzverdopplung seit 2014.

Das Produktportfolio

Auch wenn in der Zweiradbranche vermeintlich andere Marken als Platzhirsch gelten, versteht sich das Hercules-Team sehr gut darauf, ein breit aufgestelltes Sortiment zu entwickeln, bei dem sich die ganze Rad fahrende Familie bedienen kann. Für Kinder gibt es schicke, sportliche Schulräder, für sportliche Eltern starke E-Mountainbikes und -SUVs und in Sachen Alltagsmobilität schnittige City- und Tourenräder mit und ohne Motor. Die Produktpalette startet bei Einstiegs­modellen mit attraktivem Preis-Leistungsverhältnis und reicht bis in die gehobene Mittelklasse. Besondern stolz ist Hercules darauf, im Bereich E-Falträder zu den Marktführern zu gehören.

Im Juli 2023 gelang Hercules der jüngste Coup: Das Prima E5. Das in den 80er-Jahren erfolgreiche Hercules Mofa wurde als E-Bike in Retro-Optik mit modernem Innenleben neu entwickelt und auf der Eurobike in Frankfurt am Main einem breitem Publikum vorgestellt.

Die Marke Wanderer

Neben Hercules hat im Ecopark eine weitere Traditionsmarke ihre Heimat gefunden: Auch die klassischen Wanderer-Zweiräder werden seit 2014 vom Hercules-Team betreut und vertrieben. Eine Synergie, die nicht besser passen könnte und von der beide Marken profitieren. Wanderer wurde 1885 als Velo­ciped-Depot in Chemnitz gegründet und steht für höchste Fahrkultur und Wertbestän­digkeit ebenso wie für elegantes Design und anwendungsorientierte Technik. „Wähle Wanderer des Wertes wegen“, so eine Wanderer-­Werbeaussage von 1920. Durch die Fusion von Tradition und Technik bieten die E-Bikes von Wanderer die perfekte Kombination aus Beständigkeit und sinnvoller Innovation. Stilvolle Mobilität, sportlich und komfortabel zugleich – dafür stehen die edlen Pedelecs von Wanderer.

Mit Hercules in die Zukunft

Heute, in einer Zeit, in der Nachhaltigkeit, Gesundheit und umweltfreundliche Mobilität immer wichtiger werden, behauptet Hercules stolz seine Position als eine der angesehensten Fahrradmarken. Die Geschichte von Hercules ist nicht nur eine Geschichte von Fahrrädern, sondern auch eine Geschichte von Freiheit, Abenteuer und Fortschritt. Mit einem erheblichen Erbe im Rücken und einem Blick in die Zukunft bleibt Hercules weiterhin eine Legende auf zwei Rädern. Hercules sieht sich für die Zukunft gut aufgestellt, das Vorantreiben der E-Mobilität, die weiter steigenden Energiepreise, immer stärker werdendes Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein – alles spricht für das E-Bike.

Und sollte die Entwicklung der E-Bikes weiter voranschreiten und mit dieser auch die Marke Hercules: Der Standort im Ecopark hat genug Platz. Die Statik wurde bei der Planung so gewählt, dass das Gebäude um eine Etage erweitert werden kann. Aber das ist (noch) Zukunftsmusik.

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