Maschinen- und Anlagenbau

Das Wasserstoff-Speichersystem

27.07.2026
Autor*in: Petra Hellmann

Die Unternehmensgruppe SCHRAND aus Essen (Oldenburg) steht für technisches Know-how und höchste Präzision – vor allem, wenn es um Schweißarbeiten im industriellen Anlagen- oder Pipelinebau geht. Geprägt von Pioniergeist, verbindet das Unternehmen traditionelle Werte mit modernster Technik und Innovationskraft, um nachhaltige Lösungen mit Weitblick zu schaffen. Bestes Beispiel ist die Gründung der schrand.energy, die ein Energiespeichersystem auf Wasserstoffbasis entwickelt hat, das den Firmenstandort autark und ganzjährig mit erneuerbarer Energie versorgt. Damit hat die Unternehmensgruppe den Einstieg in ein neues Geschäftsfeld Wasserstofftechnologien vollzogen. 

Am eigenen CO₂-neutralen und energieautarken Firmenstandort im Gewerbegebiet Osteressen demonstriert schrand.energy, dass eine nachhaltige und dezentrale Energieversorgung zur ganzjährigen Nutzung erneuerbaren Energien heute bereits möglich ist.

Das Familienunternehmen realisiert deutschland- und europaweit anspruchs­volle Projekte im Pipelinebau sowie im Industrie- und Anlagenbau. Wie so oft in Südoldenburg fing auch hier alles in einer kleinen Scheune an. 1982 gründete Franz Schrand den Betrieb, der sich vor allem im Bau und Verlegen von Pipelines europaweit einen Namen machte und vor mehr als zehn Jahren von seinem Sohn Timo übernommen wurde. „Neue Wege gehen, offen für Innovation und Herausforderungen der Zukunft sein, ist seit jeher unsere Philosophie“, betont der diplomierte Wirtschaftsingenieur und stellt das neueste Projekt der erfolgreichen Unternehmensgruppe vor: „Mit unserer 2022 gegründeten Gesellschaft schrand.energy mobilisieren wir Energie aus Sonne und Wind, um Unternehmen unabhängig von fossilen Brennstoffen zu machen.“

Meilenstein für die Energieautarkie

Mehr als zwei Drittel des weltweiten Energiebedarfs werden aus fossilen Quellen wie Braun- oder Steinkohle, Erdgas oder Erdöl gedeckt. Mit erheblichen Folgen – ihre Verbrennung ist durch die damit verbundene Freisetzung von Kohlenstoffdioxid in höchstem Maße umweltbelastend und verantwortlich für Treibhausgasemissionen sowie die damit einhergehende globale Erwärmung. „Der von Menschen gemachte Klimawandel erfordert ein Umdenken. Wir tun das!“, betont Timo Schrand.

Doch wie sollen fossile Brennstoffe in Zukunft ersetzt werden? Den mit Abstand wichtigsten Beitrag bei der Vermeidung von Treibhausgasen leisten mit einem Anteil von mehr als 78 Prozent erneuerbare Energien aus Solar- und Windkraft. Diese sind allerdings wetterabhängig und damit nicht immer verfügbar. Ist der Himmel grau in grau und weht auch kein Lüftchen, wird kein Strom produziert.

An sonnigen und windreichen Tagen allerdings wird oft mehr Strom erzeugt als das Netz aufnehmen kann. Die überschüssige Energie geht dann verloren oder muss abgeregelt werden. Bislang zumindest ist das so.

Doch mit der H2 Energy Plant revolutioniert schrand.energy die Nutzbarkeit CO₂-neutra-ler Energie ohne schädliche Emissionen: „Unser Wasserstoff-Speichersystem macht erneuerbare Energie unabhängig von Wetter, Netz und fossilen Energieträgern planbar und jederzeit nutzbar,“ stellt Geschäftsführer Timo Schrand fest und erklärt: „Überschüssiger Strom wird in unserer Anlage in grünen Wasserstoff umgewandelt und gespeichert, um bei Bedarf flexibel eingesetzt werden zu können.“

Eine intelligente Anlagensteuerung sorgt zudem für die maximale Nutzung des grünen Stroms, stabile Energiekosten und mit digital erfassten CO₂-Bilanzen für eine transparente und nachhaltige Bericht­erstattung.

Prototyp mit Potenzial

Dass das funktioniert, demonstriert Timo Schrand am eigenen CO₂-neutralen und energieautarken Firmenstandort im Gewerbegebiet Osteressen. Hier wurde der Prototyp der Energy Plant über knapp drei Jahre entwickelt. Gefördert mit Landesmitteln und wissenschaftlich begleitet von der Hochschule Osnabrück wurde die Anlage modular und skalierbar konzipiert, um sie auf andere Gebäude übertragen zu können. „Die Hochschule Osnabrück hat zudem von unserem Prototypen einen digitalen Zwilling erstellt. Dadurch können Kundenanforderungen vorab simuliert werden, um die Anlagen individuell anpassen zu können“, stellt Timo Schrand fest und ergänzt: „Im Juni letzten Jahres sind wir mit unserer Pilotanlage erfolgreich in den Realbetrieb gestartet.“

Projektleiter Paul Hoffmann unterstreicht: „Mit dem Projekt haben wir gezeigt, was heute technisch bereits möglich ist – eine nachhaltige und dezentrale Energieversorgung zur ganzjährigen Nutzung der erneu­erbaren Energien, wobei der Ausbau hin zur vollständigen Autarkie die Endstufe ist“.

Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse ­sollen nun weitere Anlagen entstehen – maßgeschneidert für Kunden aus Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft. Der erzeugte Wasserstoff kann dabei direkt in der Produktion eingesetzt werden – etwa zur Energieversorgung, Prozesswärmeerzeugung, als Rohstoff in industriellen Anwendungen oder als emissionsfreier Treibstoff für Fahrzeuge und Maschinen. 

Kompakte All-In-One Lösung

Die innovative Anlage besteht aus zwei Komponenten – einem Wasserstofftank als Energiespeicher und einem Container, der flexibel einsetzbar, mobil und transport­fähig sowie variierbar in Größe und ­Zusammensetzung ist.

Herzstück der Anlage ist der imposante Tank. Mit einer Länge von über 20 Metern und einem Gewicht von 70 Tonnen verfügt er über eine Kapazität für 660 kg Wasserstoff. In dem aus drei Räumen bestehenden Container wird erneuerbare Energie zur wetterunabhängigen Nutzung umgewandelt. Dabei wird zunächst Wasser mittels PEM-Elektrolyse in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Der Strom für die Elektrolyse stammt direkt aus einer Solar- oder Windkraftanlage.

Da für die Herstellung von Wasserstoff hochreines Wasser erforderlich ist, wird das Stadtwasser direkt von der Energy Plant aufbereitet. Dazu wird eine ­Umkehrosmose eingesetzt, die das Wasser in einem separaten Raum filtert. Nach der Elektrolyse wird der Wasserstoff getrocknet, um ihn speichern und bei Bedarf in der Brennstoffzelle in Reaktion mit Luftsauerstoff wieder zu grünem Strom umwandeln zu können.

Bei diesem Prozess wird zugleich Abwärme erzeugt, die etwa zur Beheizung von Gebäuden eingesetzt werden kann. Mithilfe eines Stromspeichers können zudem Lastspitzen ausgeglichen werden, indem Energie zwischengespeichert wird. Außerdem sind ein Wechselrichter sowie Steuerungs- und Messsysteme eingebaut. Ergänzt wird das System durch die Anlagensteuerung, die eine effiziente Nutzung der Energie ermöglicht.

Geschäftsführer Timo Schrand, der als Unternehmer aus dem Pipelinebau den Schritt in ein neues Geschäftsfeld gewagt hat, stellt abschließend fest: „Wir gehen jetzt von der Idee zum Produkt, vom Prototyp zum Markt, vom Start-Up zum Anbieter systematischer Lösungen. Wir wollen Wasserstoff nicht nur denkbar, sondern ihn anwendbar, bezahlbar und integrierbar machen. Klimaschutz, Energieunabhängigkeit und Innovation brauchen konkrete Lösungen. Dafür steht Schrand!“