Lebenswelt

Kulturbahnhof Cloppenburg: seit zehn Jahren Kultur für alle

15.07.2026
Autor*in: Sigrid Lünnemann, 2imWort

Geschichte ist das, was geschehen ist und was unsere Zeit, unser Leben geprägt hat. Vieles wird in den Jahren danach vergessen oder scheint es nicht wert zu sein davon zu erzählen, doch was sich erhält, über viele Jahre hinweg, bleibt unvergessen. Auf diese Weise entstehen Geschichten, stets aufs Neue erzählt und mit der Lust darauf, mehr zu erfahren. Um sie hoffentlich dann im Spiegel der Zukunft zu sehen – so, wie aus dem Bahnhof 2. Klasse in Cloppenburg der Kulturbahnhof Cloppenburg wurde und heute mit seinem Theater, der Kulturkneipe und der KunstHalle eine Institution ist. Mit einer kulturellen Strahlkraft weit über die Stadtgrenzen hinaus. Ein Grund mehr, diese Geschichte zu erzählen: 

2025 feierte der Kulturbahnhof sein 10-jähriges Bestehen. Mit einem großen Fest, über mehrere Tage verteilt, an denen die örtlichen Vereine und Organisationen die Vielfalt des Cloppenburger Kulturlebens präsentierten. Wie in den vergangenen zehn Jahren, denn schon direkt nach der Eröffnung wurde der Kulturbahnhof zu einem beliebten Treffpunkt von Kulturschaffenden aller Arten und Künste und zur kulturellen Heimat zahlreicher Vereine. „Kultur für Alle“ ist das Motto und das bedeutet Kabarett, Theater, Lesungen, Musik, Comedy und vieles mehr. In der angrenzenden KunstHalle präsentiert der bereits 1976 gegründete Kunstkreis Cloppenburg e. V. zeitgenössische Kunst und bietet auch Kunstschaffenden aus der Region die Möglichkeit, einer breiten Öffentlichkeit ihre Werke zu präsentieren. Cloppenburger Vereine und Organisationen nutzen die Räumlichkeiten auf vielfältige Weise für Theaterinszenierungen, Konzerte, Diskussionsrunden, Mitgliederversammlungen und vieles mehr. Außerdem können die Räumlichkeiten auch für private Ver­anstaltungen gemietet werden. 

Das 1875 errichtete Bahnhofsgebäude hatte im Lauf der Zeit seinen Glanz verloren. Mechthild Antons und Dr. Klaus Weber waren die treibenden Köpfe bei der Realisierung des Cloppenburger Kulturbahnhofs.

Auf diese Weise ist wieder Leben und Kultur in das ehemals marode Gebäude eingezogen. Diese Entwicklung ist dem großen privaten Engagement vieler Kulturbegeisterter zu verdanken, die das Projekt von Anfang an sowohl ideell als auch finanziell großzügig unterstützt haben. Besonders hervorzuheben ist die Hartnäckigkeit, die Überzeugungskraft und der unermüdliche Einsatz von Dr. Klaus Weber und Mechthild Antons, denen der Kulturbahnhof von Anfang an eine Herzensangelegenheit war und die es verstanden, andere von dieser Idee zu begeistern.

Am Anfang stand eine Idee 

Der erste Anstoß zu dem gesamten Projekt kam 2009 von Antonius Bösterling. Er war mit Dr. Weber im Vorstand des Cloppenburger Kulturforums aktiv und drängte mit Blick auf die schwindende Zahl an historischen Baudenkmälern in der Kreisstadt auf den Erhalt des 1875 von der Großherzoglichen Oldenburgischen Eisenbahn (GOE) erbauten „Bahnhofs 2. Klasse“ und die Idee eines Kulturbahnhofs entstand. Dr. Klaus Weber, der damalige Vorsitzende des Kulturforums, war von Anfang an begeistert von diesem Vorschlag und setzte sich mit großem persönlichem Engagement und Überzeugungskraft für die Realisierung des Kulturbahnhofs ein. Für sein jahrzehntelanges ehrenamtliches Engagement in verschiedenen Cloppenburger Vereinen und nicht zuletzt für seinen großen persönlichen Einsatz für die Realisierung des Kulturbahnhofs wurde Dr. Weber dieses Jahr mit dem Verdienstkreuz am Bande des Landes Niedersachsen ausgezeichnet.

Das Kulturforum Cloppenburg e. V. wurde bereits 2003 als Dachverband für alle kulturellen Institutionen, Vereine und Initiativen gegründet und hat das Ziel, die Cloppenburger Kultur in all ihren Facetten zu fördern und zu unterstützen. Für die Finanzierung von Projekten erhält das Kulturforum einen jährlichen Zuschuss von der Stadt. Damit liegt die Verteilung der städtischen Mittel für Kulturförderung eigenverantwortlich in den Händen des Kulturforums.

Die Realisierung eines solchen Projektes ist selbstverständlich nur durch eine breite Unterstützung und durch das Engagement vieler Cloppenburgerinnen und Cloppenburger möglich gewesen. Dazu gehören auch die damaligen Vorstandskolleginnen und -kollegen des Kulturforums: die stellvertretende Vorsitzende Tanja Fischer, die Beisitzer Dr. Martin Feltes, Ludwig Kleinalstede und Inge Wempe sowie von Seiten der Stadt als Beisitzer Ratsherr Josef Drüding und die Geschäftsführerin Christiane Hagemann.

Zu den Unterstützern der ersten Stunde zählt auch Doris Ostendorf. Als Leiterin des 1999 gegründeten Arbeitskreises „kli c – kleinkunst in Cloppenburg“ engagierte sie sich zudem zusammen mit ihren Mitstreitenden leidenschaftlich für die Theaterszene in Cloppenburg. Während der gesamten Planungs- und Umbauphase für das Projekt Kulturbahnhof stand der Arbeitskreis als Rat- und Ideengeber mit den Verantwortlichen in engem Austausch.

„Bahnhof 2.Klasse“ soll erstklassiger Kulturbahnhof werden

In Zusammenarbeit mit dem Architekten Georg Wieghaus entstand Anfang 2012 der erste Entwurf mit einem „soziokulturellen Ansatz des Nutzungskonzeptes: Kultur für Alle!“. Von Anfang an sollte eine multifunktionale Veranstaltungsstätte entstehen mit einer kleinen Bühne und Platz für 100 bis 160 Zuschauer.

In den Planungen wurden die Investitionskosten zunächst auf ­circa 2,1 Millionen Euro beziffert. Das Kulturforum selbst konnte aus Eigenmitteln, die sich aus Spenden, Sponsoring und einer großzügigen Erbschaft in Höhe von 210.000 Euro zusammensetzten, 350.000 Euro Eigenmittel aufbringen. Zusätzlich sollten neben einem erheblichen Zuschuss der Stadt Cloppenburg auch Landes- und Europamittel sowie Zuwendungen aus Stiftungen von Banken und Sparkassen eingeworben werden, für die es anfänglich jedoch keine Zusagen gab.

Idee des Kulturbahnhofs trifft auf Widerstände

Die Durchsetzung der Idee, den alten Bahnhof zu einem kulturellen Zentrum umzubauen war zunächst in der Kommunalpolitik und auch in Teilen der Öffentlichkeit stark umstritten. Eine geheime Abstimmung im damaligen Stadtrat machte jedoch den Weg frei. Die Befürworter setzten sich schließlich mit 19 zu 17 Stimmen durch. 

„Das war das Schlüsselerlebnis für den Kulturbahnhof, denn in dieser geheimen Abstimmung wurde unser Antrag und die Summe von 1,1 Millionen Euro bewilligt“, erinnert sich Dr. Weber und ist sicher, dass bei einem anderen Ausgang der Kulturbahnhof heute nicht existieren würde. 

Aufgrund der hohen Anforderungen an die Statik und den Brandschutz sowie der Beauftragung von Gutachten zur Lärmemission und nicht zuletzt aufgrund der konjunkturell bedingten Kostensteigerungen für die einzelnen Gewerke, reichte die ursprünglich veranschlagte Summe allerdings nicht mehr aus und die Stadt Cloppenburg bewilligte weitere finanzielle Unterstützung. Auch Landesmittel wurden erfolgreich beantragt. 

Dennoch musste ein erheblicher Anteil der Investitionskosten von den Initiatoren durch öffentliche und private Geldgeber aufgebracht werden. Das bedeutete für alle Beteiligten unermüd­liches Klinkenputzen!

Spenden sammeln für das Bauvorhaben

Darüber hinaus war vor allem der Förderverein Kulturbahnhof Cloppenburg e. V. unter der Leitung von Mechthild Antons unermüdlich im Einsatz und akquirierte unter dem Motto „Gemeinsam etwas bewegen!“ durch zahlreiche Aktionen und ungewöhnliche Ideen die dringend benötigten Spenden und Sponsorengelder.

„Es war ein riesiges Projekt, in das wir als Ehrenamtliche unglaublich viel Arbeit gesteckt haben. Aber es hat mir immer viel Spaß gemacht. Wichtig war mir auch, dass mich mein Mann Hans Antons als Schatzmeister von Anfang unterstützt hat“, betont Mechthild Antons, die den Förderverein von seiner Gründung im Jahr 2013 bis 2016 leitete. In diesem Jahr übernahm sie von Dr. Weber den Vorsitz des Kulturforums und Dr. Weber wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. 

Ein besonderes Projekt des Fördervereins war dabei der Verkauf von Stuhlpatenschaften, bei der jeder Interessierte die Patenschaft für „seinen“ Stuhl übernehmen konnte. Die Idee fand großen Anklang. So waren die 163 Stuhl-Patenschaften in Höhe von je 150 Euro schnell vergeben.

Die Idee des Kulturbahnhofs sollte von Anfang an von einer breiten Öffentlichkeit getragen werden, um einen Ort zu schaffen, bei dem „Kultur für Alle“ im Vordergrund stand. So wurde im Museumsdorf ein großes „Fest der Kulturen“ veranstaltet, bei dem sich die Kulturschaffenden aus Cloppenburg und der Region aktiv beteiligten. Das sorgte für viel Aufmerksamkeit, zahlreiche ­Spenden und vor allem für eine wachsende Begeisterung bei vielen Bürgerinnen und Bürgern für das Projekt „Kulturbahnhof“.

Projekt KunstHalle stand auf der Kippe

Während der Umbau des Bahnhofsgebäudes zum Kulturbahnhof mit modernem Theatersaal und einer gemütlichen Kneipe langsam Gestalt annahm, geriet das Projekt „KunstHalle“ aufgrund der steigenden Baukosten 2013 ins Stocken.

Die Planungen sahen vor, dass aus dem alten Güterschuppen, der direkt an das Bahnhofsgebäude angrenzt, eine Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst entstehen sollte. Durch einen glück­lichen Zufall konnte jedoch auch dieses Projekt durch das kurzfristige Einwerben von EU-Fördermitteln zeitnah realisiert werden. 

Voraussetzung für die Förderung war je­doch, dass die Antrag­steller die gleiche Summe aus Eigenmitteln bereitstellen mussten – was eine weitere große Herausforderung war! Dem Förderverein und dem Kunstkreis Cloppenburg e. V. unter dem Vorsitz von Dr. Martin Feltes gelang es jedoch mit viel Engagement und durch die großzügige Unterstützung von Privatpersonen, Unternehmen und Vereinen die benötigte Summe aufzubringen. Damit war der Umbau des alten Güterschuppens zu jener modernen KunstHalle gesichert.

Im Frühjahr 2025 fand im Vorstand des 1976 gegründeten Kunstkreises ein Generationenwechsel statt. Dr. Martin Feltes gab nach 29 erfolgreichen Jahren den ersten Vorsitz an seinen Vorstandskollegen PD Dr. Alexander Linke ab, der fortan auch Ansprechpartner für alle Belange der KunstHalle ist.

Ein Treffpunkt für Menschen und Kultur 

Zum gesamten Projekt Kulturbahnhof gehörte von Anfang an auch die Einrichtung eines gemütlichen Treffpunkts für alle Cloppenburger und Reisenden, denn auf dem Bahnhof findet nicht nur Kultur, sondern auch reger Bahnverkehr statt. Für dieses Projekt wurde der langjährige Wirt der Cloppenburger Kulturkneipen „Briefkasten“ und „Bebop“ Peter Blase mit ins Boot geholt. Ein Glücksgriff, denn als erfahrener Organisator von hochkarätigen Jazz- und Blueskonzerten machte er die Kulturkneipe auch zu einem beliebten Veranstaltungsort. 

Am 20. Juni 2015 war es dann so weit. Der Kulturbahnhof wurde nach einer Investition von rund 2,6 Millionen Euro, die aus öffentlicher Hand sowie von Spendern und Sponsoren stammten, feierlich eröffnet. Mit Musik, Tanz und in ausgelassener Stimmung führte der farbenfrohe „Zug zum Zug“ die Cloppenburgerinnen und Cloppenburger von der Innenstadt bis zum Kulturbahnhof. Damit startete die Eröffnungswoche mit einem bunten und lebendigen Kultur- und Veranstaltungsprogramm. Schon damals zeigte sich, dass das Interesse der Cloppenburger am Kulturbahnhof riesig war.

Das ist so geblieben und bezieht sich nicht alleine auf die Cloppenburger Klientel, denn längst schon ist der Kulturbahnhof als Symbol für die kulturelle Vielfalt des Oldenburger Münster­landes anerkannt – und an dieser Geschichte wird sich nichts ändern.