Arbeitsmarkt

Teilhabe ermöglichen, Potenziale nutzen

18.06.2026
Autor*in: Jan Lübbers

Ein Blick auf die Arbeitswelt von Menschen mit Behinderung beim Caritas-Verein Altenoythe e. V. zeigt: Inklusion ist bei uns kein Konzept. Sie ist gelebter Alltag. Keine Worthülse, sondern tägliche Praxis. Keine Nebensache, sondern unser Kerngeschäft.

Sie zeigen wie betriebliche Inklusion gelingt: Jürgen Mauer, Jobcoach Carsten Raters und Markus Grützner, Manager Specials bei Kalkhoff (von links). 

Als Bereichsleiter beim Caritas-Verein Alten­oythe e. V. darf ich jeden Tag erleben, wie etwa 900 Menschen mit Behinderung ihren ganz eigenen Platz in der Arbeitswelt und somit in der Gesellschaft finden. Mal in der Werkstatt. Mal in einem Betrieb vor Ort. Mal in einer überbetrieblichen Ausbildung. Und oft auf Wegen, die es vorher noch gar nicht gab – weil wir sie gemeinsam gebaut haben.

Zwei Wege – beide richtig.

Da ist zum Beispiel Jürgen Maurer. Viele Jahre war er bei uns in unterschiedlichen Einrichtungen beschäftigt – zuverlässig, engagiert, beliebt. Irgendwann fragte er sich: „Was kommt noch?“ Gemeinsam mit unseren Jobcoaches, startete er ein Praktikum, dann einen Außenarbeitsplatz. Heute ist er fest angestellt bei der Firma Kalkhoff – sozialversicherungspflichtig, gefördert über das Budget für Arbeit. Und glücklich.
Oder Andreas Moormann: Er schnupperte in den allgemeinen Arbeitsmarkt hinein – und entschied sich dann ganz bewusst: „Ich bleibe in der WfbM.“ Denn für ihn ist die Werkstatt mehr als ein Arbeitsplatz.
Sie bietet Struktur, ein vertrautes Umfeld, soziale Kontakte – und die Möglichkeit, einer sinnvollen, wertschöpfenden Tätigkeit nachzugehen. Hier fühlt er sich sicher, gebraucht und zugehörig. Und genau deshalb kommt er jeden Tag gern zur Arbeit.

Werkstatt? Mehr als viele denken.

Unsere Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) sind keine Nischenbetriebe – sie sind Kompetenzzentren. Mitten im Oldenburger Münsterland entwickeln wir täglich maßgeschneiderte Lösungen für Unternehmen aus Industrie, Handel und Handwerk. Ob Kunststoffindustrie, Elektrotechnik oder Metallverarbeitung: Wir sind verlässlich, flexibel und leistungsstark.

Ein Arbeitsplatz, der passt: Darüber freut sich nicht nur Andreas Moormann (rechts), sondern auch Bereichsleiter Jan Lübbers.

Unsere Beschäftigten übernehmen Aufgaben in der Kabelkonfektionierung, Elektromontage und Metallbearbeitung ebenso wie in der Verpackung, Logistik und Textilbearbeitung. Auch Holzverarbeitung, Gastronomie, Wäscherei, Gartenpflege und viele weitere Bereiche gehören dazu.

Die Vielfalt ist groß – und unsere Bereitschaft, Neues auszuprobieren, noch größer. Was wir machen? Fast alles. Was wir nicht machen? Uns verweigern. 

Von der Werkstatt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt

Viele unserer Beschäftigten wechseln mit der Zeit raus aus der Werkstatt. Nicht, weil sie müssen. Sondern weil sie möchten. Wir begleiten sie dabei mit unserem Fachdienst für betriebliche Teilhabe „Jobwärts“. Von der ersten Idee über Praktika und Außenarbeitsplätze bis hin zur Festanstellung mit dem Budget für Arbeit. Derzeit betreuen wir über 140 Personen außerhalb der Werkstätten – bei kleinen Handwerksbetrieben, in der Pflege, in der Industrie, in sozialen Einrichtungen. Und das Feedback ist eindeutig: Diese Menschen leisten etwas. Sie sind Kollegen. Sie sind Teil des Teams. Und sie bleiben.

Unsere Jobcoaches begleiten die Beschäftigten und Praktikanten beim Einstieg, in der Einarbeitung und darüber hinaus – als feste Ansprechpartner auch für den Betrieb. Sie stehen im regelmäßigen Austausch, unterstützen bei Förderanträgen und helfen, Arbeitsplätze passgenau einzurichten. 

Haltung verändert alles

Vor einigen Jahren herrschte vielerorts Unsicherheit: „Kann das klappen?“. Heute erleben wir einen Haltungswandel. Menschen mit Behinderung werden nicht mehr als Ausnahme gesehen, sondern als Bereicherung. Nicht als Hilfsempfänger, sondern als Arbeitskräfte mit Kompetenzen. Diese neue Normalität ist eine enorme Chance – für alle Seiten.

Bildung als Basis

Bevor es raus in die Betriebe geht, braucht es Qualifikation. Unsere Berufsbildungsbereiche vermitteln alles, was es dafür braucht: fachliches Wissen, alltagspraktische Fähigkeiten, Selbstvertrauen. Wir setzen auf praxisnahe Inhalte, individuelle Lernwege und echte Perspektiven. Unsere Devise: Wir bilden nicht nur aus. Wir bilden Menschen.

Von Fürsorge zur Assistenz

Früher hieß es: „Menschen mit Behinderung müssen geschützt werden.“ Heute heißt es: „Sie haben Rechte. Und zwar dieselben wie alle anderen.“ Das Wunsch- und Wahlrecht steht im Zentrum. Die UN-Behindertenrechtskonvention ist unsere Richtschnur. Unser Anspruch: Personenzentrierte Förderung, echte Wahlmöglichkeiten, Empowerment statt Bevormundung.

Inklusion sichtbar machen

Mit unserem neuen Ladenlokal „UniCAT“ werden wir im kommenden Jahr mitten in der Innenstadt von Cloppenburg einen Ort schaffen, an dem man Inklusion erleben kann. Unsere Eigenprodukte, die es dort – neben vielen anderem – zu kaufen und zu entdecken gibt, zeigen, was Menschen mit Behinderung leisten können – mit Stil, Qualität und Herzblut. Produkte mit Geschichte – und Gesichtern dahinter.

Warum das Oldenburger Münsterland davon profitiert

Weil Inklusion Vielfalt bringt. Weil die Region Arbeitskräfte gewinnt, die loyal, motiviert und verlässlich sind. Weil Betriebe auf uns bauen können – mit professioneller Begleitung, klarer Kommunikation und handfestem Know-how. Weil soziale Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sind.

Mein Fazit

Teilhabe ist kein Ziel. Sie ist ein Weg. Ein Prozess. Eine Haltung. Und sie gelingt, wenn wir Menschen mit Behinderung nicht in Schubladen stecken – sondern in Teams integrieren. Ich bin stolz auf unsere Teams. Auf unsere Teilnehmenden. Auf unsere Be­schäftigten. Auf unsere Partnerbetriebe. Auf die vielen kleinen Schritte, die wir jeden Tag gehen. 

Und auf das große Ganze, das daraus entsteht: Eine Region, in der Inklusion gelingt – weil wir alle sie wollen.

Kontakt 

Jan Lübbers  
Bereichsleiter Berufliche Qualifizierung
und Teilhabe am Arbeitsleben  
Caritas-Verein Altenoythe e. V. 
Tel. 04491 / 92 51 98 
jan.luebbers@caritas-altenoythe.de 
www.caritas-altenoythe.de