Wirtschaftsregion

Das OM - Für die Zukunft gut aufgestellt

09.03.2026
Autor*in: Roland Kühn

Die Wirtschaftslage im Oldenburger Münsterland ist seit Jahrzehnten von hoher Stabilität und anhaltendem Wachstum gekennzeichnet. Ein guter Branchenmix und wirtschaftsfreundliche öffentliche Verwaltungen tragen dazu bei, dass die Unternehmen im OM immer noch investieren – in ihr Geschäft und in kreative Köpfe. Welche Rolle können die Landkreise spielen, damit die Region auch 2030 noch wirtschaftlich stark bleibt? Das Gespräch mit dem Präsidium des Verbundes Oldenburger Münsterland, dem Vechtaer Landrat Tobias Gerdesmeyer und Cloppenburgs Landrat Johann Wimberg, führte OM-Medien-Wirtschaftsreporter Roland Kühn.

Meine Herren, Wirtschaftswachstum kommt nicht von ungefähr. Es braucht das Zusammenspiel vieler Akteure, damit sich Unternehmen erfolgreich entwickeln können. Welche Rolle spielen dabei die beiden Landkreise? Wie begleiten Sie hiesige Firmen, Ansiedlungswillige oder Existenzgründer? Wie helfen Sie?

Wimberg: Beide Landkreise sind für Unternehmen vor allem beratend tätig, beispielsweise über ihre jeweiligen Wirtschaftsförderungen. Ergänzend sind wir etwa mit dem gemeinsam finanzierten Steinbeis-Transferzentrum OM den Weg in den Technologietransfer gegangen, um den Unternehmen in unserer Region, die nicht groß genug sind, um eigene Forschungsabteilungen zu unterhalten, Hilfestellung zu leisten. Wir versuchen auf vielfältige Weise, die Unternehmen an die Hand zu nehmen.

Den Bereich der KMU – also die kleinen und mittelständischen Unternehmen – fördern wir auch finanziell. Das ist in Vechta genauso wie in Cloppenburg. In Sachen Förderung gibt es viele Parallelen. Beim Geld sind unsere Wirtschaftsförderungen auch Wegweiser. Es ist heute wichtig, Firmen aufzuzeigen, wo es gegebenenfalls für ein Vorhaben weitere Fördermittel gibt – vom Land, vom Bund, von der EU.

Auch den „Startpunkt:OM“ muss man hier an­sprechen, unsere gemeinsame Initiative zur Förderung von Existenzgründungen, mit der wir auch kleine Anfänge auf einen guten Weg bringen wollen. Und im „Zentrum Zukunft“ im Ecopark und in Vechta bieten wir Räume und Büroausstattung für Gründer.

Ein wichtiger Baustein in der Wirtschaftsförderung ist unsere gemeinsame Organisation, der Verbund Oldenburger Münsterland. In den beiden Landkreisen selbst sowie überregional wird unser Lebens- und Wirtschaftsstandort durch die Marketingorganisation erfolgreich beworben.


Gerdesmeyer: Es gibt einiges, was wir direkt im Bereich der Wirtschaftsförderung leisten können. Mir scheint aber ebenso wichtig, vielleicht noch wichtiger, dass wir Landkreise ja in erster Linie auch Rahmenbedingungen schulden. Beide Landkreise sorgen insbesondere für eine gute Infrastruktur, besonders für eine gute Bildungsinfrastruktur.

Wenn man sich die größten Posten in den Landkreishaushalten anschaut und sieht, was zum Beispiel Cloppenburg in den Berufsschulen im Bereich der Lebensmitteltechnik macht, was auch wir in Vechta in unsere drei Berufsschulen in den letzten Jahren investiert haben, dann ist das schon beeindruckend. Um gute schulisch-berufliche Ausbildungsbedingungen zu schaffen, kommen wir, wenn ich jetzt einmal nur auf Vechta schaue, in den vergangenen fünf Jahren auf einen höheren zweistelligen Millionenbetrag. Wir haben annähernd 80 Millionen Euro in Bildung investiert. Das ist natürlich sehr handfest, geht mir aber beim Thema Wirtschaftsförderung immer ein bisschen zu sehr unter.

Weiter muss man sich auch die Gewerbeflächenentwicklung anschauen, die immer schwieriger wird. Zwar ist das an sich Aufgabe der Städte und Gemeinden, aber wir Landkreise begleiten diese Entwicklungen rechtlich, etwa wenn es um Flächennutzungsplanänderungen und eine schnelle Genehmigungspraxis geht. Bildung, Straßen, Breitband, auch Strom: Das sind weitere harte Themen, aber ich glaube, den Unternehmen ist viel mehr daran gelegen, eine gute Beratung in unseren Kreishäusern zu bekommen, damit sie ihre Vorhaben auch umsetzen können.

Was das Thema „Innovation“ anbelangt, sind die größeren Unternehmen vor Ort professionell aufgestellt. Die haben so viele kompetente Kooperationspartner, dass wir Landkreise in manchen Fällen ehrlicherweise allenfalls begleiten und wertschätzen können. Am Ende aber zählen die harten Faktoren, die ich eben angesprochen habe, mehr, als direkt Geld von uns zu erhalten.

Wimberg: Bei kleineren Unternehmen ist das natürlich anders. Da sind wir die Adresse, die den Auftrag hat, für gute Rahmenbedingungen zu sorgen, die es leichter machen, hier bei uns in der Region zu investieren und nicht woanders. Das ist auch unser Anspruch, dass die Infrastruktur bei uns besser funktioniert als anderswo. So wird jede Straße zum Wirtschaftsfaktor. Ich verweise da nicht nur auf unsere Kreisstraßen, sondern besonders auf das Thema E233. Das ist nicht einfach nur ein Weg, auf dem man von A nach B kommt, sondern die wirtschaftliche Verbindungsspange zwischen zwei Autobahnen. Wie wichtig Straßen sind, zeigt die A1, die eine wirtschaftliche Lebensader ist und die Entwicklung generiert hat. Eine ausgebaute E233, wie wir sie wollen, wäre dasselbe für den Raum zwischen der A1 und der A31 im Emsland.

Gerdesmeyer: Wir reden also insgesamt über Standortbedingungen. Vor allem mit Sicht auf die Global Player bei uns vor Ort müssen wir sehen, dass wir eigentlich weltweit mit anderen Ländern konkurrieren.
Wir sollten auch betonen, dass wir im Land und vor Ort stabile politische Rahmenbedingungen haben. Damit gibt es politische Sicherheit in einer Demokratie, in der Entscheidungen nachvollziehbar verlässlich sind. Das ist, glaube ich, keineswegs selbstverständlich. Sicher dauern die Prozesse manchmal zu lange. Aber wir haben hier rechtsstaatliche Verfahren und transparente, nachvollziehbare Entscheidungen.
Für das OM würde ich in Anspruch nehmen, dass wir wirtschaftsfreundlich sind, dass wir mit den Möglichkeiten, die wir haben, versuchen, schnelle Entscheidungen herbeizuführen. Und das ist wohl auch der Grund, weshalb ja immer noch – Gott sei Dank – Firmen hier investieren. Auch unsere Cluster, wie etwa der Bereich „Agrar und Ernährung“ oder „Kunststoff“ sind echte Faktoren, damit weitere neue Firmen hier bei uns investieren und sich hier niederlassen wollen. Wenn wir hier ein Silicon Valley haben, das Schwerpunkt für den gesamten Bereich Lebensmittelherstellung und -verarbeitung ist, dann kommen auch andere dazu, weil sie Synergien sehen.

Dann gilt es, diese Cluster zu erhalten ...
Wimberg: Auf jeden Fall! Die überall geforderte Transformation verändert viel – auch das Verbraucherverhalten. Als Region sind wir prädestiniert, Veränderungen mit Engagement zu begegnen. Das ist ja auch in der Vergangenheit immer bewiesen worden. Aus kargen Voraussetzungen hat man Gutes gemacht, dafür stehen die vorhandenen Cluster beispielhaft. Der Gesetzgeber in Deutschland muss aber für Transformation gute Rahmenbedingungen schaffen. Manchmal habe ich aber den Eindruck, dass die Bundespolitik unter ‚Transformation‘ eher ‚Abwicklung‘ versteht. Das ist nicht unser Ansatz. Wir wollen hier nicht abwickeln, sondern verändern, indem wir erhalten und ausbauen. Das bleibt unser Ziel. Und nicht, dass Märkte – etwa in der Lebensmittelproduktion – von hier nach Süd- oder Osteuropa verschwinden, weil Produzenten hier keinen attraktiven Standort mehr sehen.

Gerdesmeyer: Unsere Firmen im OM kennen ihre Zukunftsthemen genau. Mit dem Cluster „Agrar und Ernährung“ stehen wir für Lebensmittelherstellung, pflanzlich wie tierisch. Es ist egal, wie die Menschen sich ernähren wollen – wir im OM haben das Know-how dazu! Wir haben die Kreativität, die Sicherheit der Produkte und beherrschen das Thema Tierwohl und Nachhaltigkeit – auf höchstem Niveau. Für das Thema ‚Tierwohl‘ sind wir bundesweit die Ideenschmiede; vielleicht sogar weltweit. Als Landkreise fördern wir das Cluster am Ende auch durch unsere gute Bildungsinfrastruktur. Nicht nur mit Schulen, sondern auch mit Privater Hochschule und universitären Forschungseinrichtungen.

Stichwort Fachkräftemangel: Beide Landkreise gelten als kinderreich, der berufliche Nachwuchs war jahreland gesichert. Aber: Ist da immer noch das große Arbeitskräfte-Potenzial im OM, um Zukunft gestalten zu können?

Wimberg: Das Grundproblem gibt es auch bei uns – wenn auch in einer etwas anderen, kleineren Dimension als anderswo. Die einst hohe Geburtenrate sinkt, und allein aus der Region können unsere Unternehmen ihren Bedarf an Arbeitskräften nicht mehr decken.

Wir brauchen also auch gezielten Zuzug von außen in unseren Arbeitsmarkt. Man muss daher die Standortvorteile der Region deutlich machen, um Menschen zu gewinnen, die hier ihre Zukunft sehen und sagen, hier bin ich, hier bleibe ich. Oder, von außen betrachtet: Da will ich hin, da ist was los, da gibt es ein attraktives Wirtschaftsumfeld und da finde ich die passenden Rahmenbedingungen für mein Leben. Das ist uns in den letzten Jahren gelungen, glaube ich.

Wenn wir hören, wie viele Schulen in Deutschland marode sind und der Putz zuweilen von den Wänden fällt, können wir sagen, dass das bei uns in der Regel nicht der Fall ist. Wir haben in alle Schulen, ob in Kreis- oder Gemeindeträgerschaft, in den zurückliegenden Jahren enorm investiert.

Gerdesmeyer: Ja, wir haben viel dafür getan, dass die Verhältnisse stimmen, dass die Region attraktiv ist. Dass wir eine dynamische Region sind, die Wirtschaft noch funktioniert, das registrieren auch Fachkräfte von außen. Wichtig aber ist auch, dass die Menschen hier eine hohe Identifikation mit ihrer Region pflegen. Viele junge Leute kommen gerne zurück, gerade wenn die Familienplanung ansteht. Das ist wirklich eine Besonderheit. Das Potenzial müssen wir nutzen – was wir ja auch tun, zum Beispiel, wenn wir zu unserem jährlichen „Wiedersehen macht Freude“-Treffen auf dem Stoppelmarkt einladen.

Da sind wir in diesem Zusammenhang auch wieder bei der Infrastruktur, bei umfassender Kinderbetreuung, aber auch bei klugen Pflegemodellen. Wir müssen die Menschen befähigen, dass sie auch in familiären Sondersituationen weiter arbeiten gehen können. Das schaffen wir, und stehen damit auch ein bisschen besser da als andere Regionen.

Mit Blick auf Fachkräftegewinnung hat auch die alljährliche „Jobmesse Oldenburger Münsterland“ einen wichtigen Platz. Dort sind die beiden Landkreise ja seit den Anfängen über ihre Verbundorganisation Partner. Wir engagieren uns also über Berufsmessen, mit Berufsorientierungsmaßnahmen in den Schulen oder mit der ‚Praktikumswoche im OM‘ und, und, und. Es gibt hier viele tolle Berufe – auch im regional so immens wichtigen Handwerk.

Wimberg: Daran kann ich anknüpfen. Berufswahl läuft nicht nur über Abitur und akademische Laufbahn. Wir haben hier viele Karrieren von Menschen, die aus dem Handwerk heraus Geselle, Meister oder selbstständige Unternehmer wurden und hervorragende Beispiele dafür geben, wie man auch ohne Studium beruflich Erfolg haben kann. Abitur und Hochschule sind nicht der Königsweg. Das zeigt auch die hohe Quote der Studienabbrecher. Wir wollen auch nicht-akademische Berufswege fördern. Deshalb gibt es von uns zum Beispiel das Handwerksstipendium.
Zum Punkt „eigene Wirtschaftsförderung der Landkreise“: Wir sprachen darüber, dass diese auch selbst in Gewerbe- und Industriegebieten engagiert sind – zum Beispiel im  Ecopark, im Niedersachsenpark oder am C-Port beim Küstenkanal bei Friesoythe.

Wimberg: Das sind unsere drei interkommunalen Standorte für Großansiedlungen, denn nicht jede Gemeinde im ländlichen Raum kann riesige Flächen für solche Vorhaben anbieten. Die interkommunalen Gewerbeparks schließen eine Lücke. Im Ecopark, in dem wir aktuell etwa 60 Unternehmen und 2.100 Arbeitsplätze zählen, haben wir noch eine Fläche von rund 300 Hektar, auf denen man wirtschaftliche Entwicklung abbilden kann – ein Potenzial, das sukzessive erschlossen wird.

Der C-Port am Küstenkanal an der Schnittstelle der Bundesstraße 72 und 401 hat eine andere Ausrichtung: Hier geht es neben den üblichen Angeboten an großen Gewerbe- und Industrieflächen vor allem um den eigenen Hafen am Kanal und damit um Massengut-Transport. Aktuell sind hier 32 Unternehmen mit 320 Mitarbeitern ansässig.
Beide Landkreise treten sich dabei mit ihren interkommunalen Gewerbegebieten und deren Ausrichtung nicht gegenseitig auf die Füße. Das zeigt sich auch daran, dass alle drei Gewerbeparks auf Vermarktungsmessen gemeinsam auftreten und sich nicht gegenseitig das Leben schwer machen.

Natürlich gibt es auch einen Wettbewerb der Standorte im OM, aber am Ende müssen wir, wenn es darauf ankommt, Betriebe vor Ort zu halten, zusammenarbeiten und Flächen in interkommunalen Gewerbeparks anbieten, bevor wir diese Firmen und ihre Investitionen an andere Regionen verlieren.

Gerdesmeyer: Der Niedersachsenpark ist mit 412 überplanten Hektar der größte Industrie- und Gewerbepark in Niedersachsen. Die 78 ­Ansiedlungen bieten 3.300 Arbeitsplätze. Und der Park ist insofern eine Besonderheit, als hier die Landkreise Vechta und Osnabrück, die Gemeinden Rieste und Neuenkirchen-Vörden, die Samtgemeinde Bersenbrück sowie die Stadt Damme gebietsübergreifend effi­zient zusammenarbeiten. Das ist schon toll.

Mit der Einrichtung des Parks wollten wir große Ansiedlungen aus kleinen Orten heraushalten, um die Verkehrsbelastung auf die A1 zu verlagern. Wir wollten mit der Bereitstellung von Erweiterungsflächen für Unternehmen – ich nenne hier mal beispielsweise die Land­maschinenfabrik Grimme in Damme – auch eine Wertschöpfung vor Ort schaffen, um Arbeitsplätze in der Nähe der Wohnorte der Mitarbeitenden zu erhalten.

Ein Riesengewinn war es natürlich, dass wir kürzlich die Autobahnabfahrt Rieste einweihen konnten. Das ist schon großartig, dass wir jetzt eine weitere Auffahrt für den Niedersachsenpark haben.
Die laufende Debatte um die Osterweiterung des Parks will ich dabei nicht verschweigen. Das wird ja gerade fachlich geprüft. Doch auch angesichts dieser Einwände stehe ich zu unserem Grundbekenntnis, neue Gewerbeflächen an der neuen Auffahrt zu generieren.

Derzeit prüfen wir gemeinsam mit dem Landkreis Osnabrück, der Samtgemeinde Artland und der Stadt Dinklage die Ausweisung eines weiteren interkommunalen Gewerbebereichs. Das tun wir auch, um einen möglichen zukünftigen Flächenbedarf – vor allem den der ansässigen Betriebe – stillen zu können.

Es ist konkrete Wirtschaftsförderung, wenn wir es schaffen, Flächenbedarfe der ansässigen Unternehmen, wie sie in gemeindlichen oder städtischen Strukturen nicht abbildbar sind, zu befriedigen. Ein Wegzug wäre für die Beschäftigten wie für die Region schlecht. Und auch ein Betrieb will ja nicht einfach mal 50 Kilometer weit weg ziehen.

Wimberg: Wir sagen nicht nein, wenn sich ein neues Unternehmen ansiedeln möchte. Aber ein Schwerpunkt unserer Gewerbeflächenausweisung bleibt, zuerst den eigenen Unternehmen Entwicklung zu ermöglichen. Im Ecopark gehören zu den Gesellschaftern außer dem Landkreis die Gemeinden Emstek und Cappeln sowie die Stadt Cloppenburg. Hätten wir den Ecopark nicht gehabt, hätten wir keinen Fahrradhersteller Kalkhoff mehr vor Ort.

Die Prämisse Entwicklung örtlicher Betriebe gilt auch für den C-Port, in dem wir mit der Stadt Friesoythe und der Gemeinde Saterland zusammenarbeiten. Die Gewerbeparks sind ja nicht Adressen für alle. Kleinere Betriebe, etwa Dienstleistungen, gehören nach wie vor in die Städte und Gemeinden.
Wo stehen die beiden Landkreise im Jahr 2030 und darüber hinaus?

Gerdesmeyer: Also ich glaube, man darf sich nicht zurücklehnen. Wirtschaftlicher Erfolg ist, anders als vielleicht manche glauben, keineswegs selbstverständlich. Man muss den Mut haben, in Infrastruktur, in Gewerbegebiete zu investieren – auch wenn das natürlich mit Eingriffen in Natur und Landschaft verbunden sein kann. Wenn wir den Wohlstand hier in der Region erhalten wollen, müssen wir dafür auch was tun!
Wichtig ist mir, Wachstum und Nachhaltigkeit miteinander zu vereinbaren. Wachstum ja, aber nicht um jeden Preis. Aufgrund unseres Know-hows, vor allem in der Agrar- und Ernährungswirtschaft aber auch in anderen Bereichen, bringen wir in der Region alles mit, was heute von Unternehmen und Verbrauchern verlangt wird: Dass Prozesse ressourcenschonend sind, dass Produkte qualitativ hochwertig sind und nachhaltig produziert werden, das wird künftig, so glaube ich, zweifellos ein Alleinstellungsmerkmal werden. Ein Zurück zu Schneller, Billiger, Einfacher und Fossiler, das werden andere Länder auf der Welt immer besser können als wir.

Wir müssen auf Basis unseres Know-hows hier im Oldenburger Münsterland besonders gute Produkte machen. Wir sind in allen unseren traditionell starken Wirtschaftsbereichen, sowohl in Agrar- und Ernährung wie in Kunststoff, topp unterwegs, wenn es um Nachhaltigkeit geht, um Kreislaufwirtschaft, um Wiederverwertung oder alternative Materialien. Ich glaube, wenn wir hier vor Ort weiterhin so kreativ bleiben, werden unsere Produkte auch weiterhin weltweit Nachfrage finden. Selbst für den zukunftsträchtigen Wirtschaftsbereich ‚Erneuerbare Energien‘ bieten sich hier hervorragende Möglichkeiten.

Blicken positiv in die Zukunft: Tobias Gerdesmeyer (links) und Johann Wimberg im Foyer des Kreishauses. 

Wimberg: Die Region muss nicht nur Schritt halten, sondern versuchen, immer einen Schritt weiter zu sein. Die ‚3D-Ziele‘ Digitalisierung, Dekarbonisierung und Demografie sind echte Herausforderungen. Unsere Unternehmen– und die Landkreise werden dabei helfen – müssen das positiv umsetzen, also nicht zurückzugehen, sondern sich im Gegenteil an die Spitze der Bewegung zu stellen.

Beim Thema Energieproduktion sind wir schon seit vielen Jahren vorne, weil wir hier in der Region mehr Energie erzeugen, als wir verbrauchen. Im Bereich ‚Regenerative Energien‘ machen wir natürlich nicht nur unsere Hausaufgaben, sondern ich sehe auch in den Gemeinden ein großes Engagement, noch mehr zu tun, als wir müssen.

Die Region spielt im Vergleich mit anderen immer vorne mit – zum Beispiel auch in Sachen Breitbandausbau. Wenn uns sowas auch zukünftig gelingt, dann sind wir auch 2030 und darüber hinaus eine wirtschaftlich prosperierende Region. Das OM hatte schon immer die Kraft, aus eigenem Antrieb heraus Neues zu beginnen. Das darf man aber nicht durch zu viel Überregulierung verhindern.

Gerdesmeyer: Nochmal zum Thema ‚Energie‘: Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Firmen noch mehr als bisher davon profitieren, dass wir selbst viel erneuerbare Energie erzeugen oder bald auch durchleiten. Wir müssen daraus Wertschöpfung vor Ort generieren, die grünen Elektronen in den Produktionsprozessen selbst nutzen. Das ist nachhaltig, das ist kostengünstig. Wir haben energieintensive Unternehmen, vor allem im Bereich der Kunststoffverarbeitung. Wenn wir nutzen können, was im Oldenburger Münsterland hergestellt wird, dann wird das allein schon zum echten Standortvorteil.

Wimberg: Wir im Nordwesten sind der Energiestandort für Deutschland. Wenn wir Energie mit allen Nachteilen produzieren oder durchleiten und sie mithilfe wahnsinnig aufwändiger Leitungen in den Süden bringen und diese Nachteile dann vor Ort auch noch mit einem höheren Netzentgelt bezahlen, dann ist das überhaupt nicht einzusehen. Wir wollen Wertschöpfung vor Ort!

Energie ist definitiv ein Zukunftsthema. In der Nähe der Umspannwerke für die großen Stromtrassen, die durch die beiden Landkreise führen, könnte man energieintensive Betriebe ansiedeln. Werden die Landkreise das durch ihre Genehmigungspraxis befördern?

Gerdesmeyer: Baurechtlich sind wir da na­türlich involviert. Im Grunde aber stehen und fallen die Möglichkeiten vor Ort mit den Netzkapazitäten und der Menge des vorhandenen Stroms. Derzeit haben wir aufgrund von Leitungsengpässen einfach nicht genug verfügbaren Strom, um die gesamte Transformation und damit die Abkehr von fossilen Energie­trägern bewältigen zu können – schon gar nicht mit erneuerbarem Strom. In der Regulatorik werden zwar Speicher berücksichtigt, und die Netzbetreiber sagen auch, dass viele Speicheranträge vorliegen. Aber ich sage das mal in meinen Worten: Die Speicher würden nach derzeitiger Regulatorik mit der täglichen hohen Nachfrage der großen Verbraucher in unserer Region und anderswo konkurrieren. Wenn also in Sonntagsreden immer wieder gefordert wird: Industrie, stell dich endlich auf nachhaltig erzeugten Strom um, dann geht das aktuell gar nicht – zumindest, wenn es tatsächlich alle machen würden.

Wimberg: Im Moment spürt man bei Energiethemen einen regelrechten Hype. Bei jeder Gemeinde klingeln täglich Leute an, die sagen, ich baue gerne einen Speicher, weil das lu­krativ sein könnte. Alle wollen Speicher bauen. Nur das Netz und die Strommengen geben das zur Stunde einfach nicht her; das macht die Sache kompliziert. Wir sprechen oft darüber mit unserem Energieversorger EWE, aber all diese Energiethemen bis hin zur Wasser­stofferzeugung sind derzeit ein echt schwieriges Feld. Doch wir Landkreise bleiben dran.
Vielen Dank für das Gespräch!