Innovationspreis 2025

Wenn Technik auf Tierwohl trifft

02.12.2025
Autorin: Vanessa Afken

Die Agri Advanced Technologies GmbH aus Visbek hat mit CHEGGY Zoom eine Innovation entwickelt, die Tierwohl, Effizienz und Hightech verbindet. Das System erkennt das Geschlecht von Küken bereits im Brutei – automatisch, kontaktlos und präzise. Dafür erhält das Unternehmen den Innovationspreis des Verbunds Oldenburger Münsterland.

„Am Anfang stand eine Idee, die größer war als jede technische Herausforderung“, erinnert sich Geschäftsführer Jörg Hurlin. Im Auftrag von Erich Wesjohann, Eigentümer der EW Group, und gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus Ingenieur:innen, Biolog:innen und Softwareentwickler:innen entwickelte er ein System, das Maßstäbe setzt. „Uns war wichtig, eine Lösung zu schaffen, die Ethik und Effizienz verbindet. Etwas, das in der Praxis funktioniert und dem Tierschutz wirklich dient.“

Seit 2022 ist das Töten männlicher Küken in Deutschland verboten – ein Meilenstein für den Tierschutz, aber auch eine Herausforderung für Brütereien. CHEGGY Zoom ermöglicht es, das Geschlecht von braunen Legehennen schon während der Brutphase zu erkennen. Dabei nutzt die Anlage hyperspektrale Bildgebung: Licht durchdringt die Eierschale, ein Algorithmus analysiert die Gefiederfarbe des Embryos. Das Verfahren arbeitet kontaktlos, vollständig automatisiert und erreicht eine Genauigkeit von über 98 Prozent. Eine Einheit schafft bis zu 25.000 Eier pro Stunde – ein weltweit einzigartiger Wert.

Jörg Hurlin von der Firma AAT ist unser Innovationspreisträger des Jahres 2025

Innovation mit Verantwortung

Für Jörg Hurlin steht hinter dieser Entwicklung ein klarer Anspruch: „Eine Innovation hat nur Bestand, wenn sie im Alltag der Betriebe funktioniert.“ Während bei invasiven Verfahren das Ei geöffnet wird, um chemische Analysen mit entsprechendem Verbrauchsmaterial durchzuführen, arbeitet CHEGGY Zoom rein optisch. Kein Öffnen, keine Chemikalien, keine Kontamination – das Ei bleibt geschlossen und der Embryo unversehrt. Der Nutzen reicht über den ethischen Aspekt hinaus: Energie- und Ressourceneinsparung, höhere Biosicherheit und eine verbesserte Kükenqualität.

Der Energieverbrauch ist niedrig: rund sieben Kilowattstunden pro Tag – bis zu 70-mal weniger als bei vergleichbaren Verfahren. Zugleich verbessert sich die Effizienz der Brütereien, da etwa 60 Prozent der Bruteier frühzeitig entnommen werden können. Das spart Platz und reduziert den ökologischen Fußabdruck. „Unsere Technologie ermöglicht, dass weniger Brutschränke betrieben werden müssen. Das ist ein echter Fortschritt, auch für den Klimaschutz“, sagt der Geschäftsführer.

Jahrelange Forschung und Kooperationen

Der Weg bis zur Marktreife war lang. Seit 2015 entwickelt AAT als Tochter der EW GROUP spezialisierte Technologien für die Geflügelzucht – mit dem Ziel, Tierwohl, Automatisierung und Effizienz zu verbinden. CHEGGY Zoom ist das Ergebnis jahrelanger Forschung und enger Kooperation mit Brütereien, Wissenschaft und Behörden. Hurlin: „Wir sehen uns als Bindeglied zwischen Forschung und Praxis. Nur wenn beide Seiten voneinander lernen, entstehen Lösungen, die wirklich etwas verändern.“

2024 ging das System bei der Lohmann Deutschland GmbH in den Regelbetrieb – mit beeindruckenden Ergebnissen: höchste Präzision, minimale Fehlerquote und stabile Produktionsprozesse. Zudem hilft die Technologie, unbefruchtete Eier oder solche mit nicht weiter entwickelten Embryonen frühzeitig zu erkennen, wodurch sich das Mikroklima in den Brutschränken verbessert. Das steigert die Kükenqualität und verringert den Ressourcenverbrauch. „Wir reden hier über eine Entwicklung, die mehrere Probleme gleichzeitig löst – ethisch, technisch und wirtschaftlich“, fasst Jörg Hurlin zusammen.

Foto: v. l. n. r.: Olaf Lies, Tobias Gerdesmeyer, Anne Wesjohann, Erich Wesjohann, Jan Wesjohann, Dirk Wesjohann, Jörg Hurlin, Ludger Abeln, Johanna Werneke, Jürgen Müllender, Johannes Grafe, Johann Wimberg, Gerd Meyer

Ideen von weltweiter Relevanz

Auch international stößt die Innovation aus dem Oldenburger Münsterland auf wachsendes Interesse. Anfragen kommen neben Europa auch aus USA, Asien und Südamerika. „Hier in der Region entstehen Ideen, die weltweit relevant sind. Forschung, Handwerk und Unternehmergeist greifen bei uns perfekt ineinander, das ist unsere Stärke.“

Mit dem Innovationspreis des Verbunds Oldenburger Münsterland wird diese Leistung nun ausgezeichnet. Der Preis würdigt nicht nur technische Exzellenz, sondern auch Mut und Weitsicht. Jörg Hurlin nimmt die Ehrung stellvertretend für das gesamte Team entgegen: „Innovation ist das Ergebnis vieler kluger Köpfe, die gemeinsam denken, tüfteln und Verantwortung übernehmen.“ - Jörg Hurlin

Die Entwicklung von CHEGGY Zoom zeigt, dass Fortschritt und Verantwortung Hand in Hand gehen können. Für Hurlin ist das erst der Anfang: „Die Zukunft liegt in automatisierten, tiergerechten Prozessen, die ökologisch und ökonomisch sinnvoll sind. Wir entwickeln weiter, denn Nachhaltigkeit und Effizienz sind kein Ziel, sondern ein Weg.“

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