Innovation mit Verantwortung
Für Jörg Hurlin steht hinter dieser Entwicklung ein klarer Anspruch: „Eine Innovation hat nur Bestand, wenn sie im Alltag der Betriebe funktioniert.“ Während bei invasiven Verfahren das Ei geöffnet wird, um chemische Analysen mit entsprechendem Verbrauchsmaterial durchzuführen, arbeitet CHEGGY Zoom rein optisch. Kein Öffnen, keine Chemikalien, keine Kontamination – das Ei bleibt geschlossen und der Embryo unversehrt. Der Nutzen reicht über den ethischen Aspekt hinaus: Energie- und Ressourceneinsparung, höhere Biosicherheit und eine verbesserte Kükenqualität.
Der Energieverbrauch ist niedrig: rund sieben Kilowattstunden pro Tag – bis zu 70-mal weniger als bei vergleichbaren Verfahren. Zugleich verbessert sich die Effizienz der Brütereien, da etwa 60 Prozent der Bruteier frühzeitig entnommen werden können. Das spart Platz und reduziert den ökologischen Fußabdruck. „Unsere Technologie ermöglicht, dass weniger Brutschränke betrieben werden müssen. Das ist ein echter Fortschritt, auch für den Klimaschutz“, sagt der Geschäftsführer.
Jahrelange Forschung und Kooperationen
Der Weg bis zur Marktreife war lang. Seit 2015 entwickelt AAT als Tochter der EW GROUP spezialisierte Technologien für die Geflügelzucht – mit dem Ziel, Tierwohl, Automatisierung und Effizienz zu verbinden. CHEGGY Zoom ist das Ergebnis jahrelanger Forschung und enger Kooperation mit Brütereien, Wissenschaft und Behörden. Hurlin: „Wir sehen uns als Bindeglied zwischen Forschung und Praxis. Nur wenn beide Seiten voneinander lernen, entstehen Lösungen, die wirklich etwas verändern.“
2024 ging das System bei der Lohmann Deutschland GmbH in den Regelbetrieb – mit beeindruckenden Ergebnissen: höchste Präzision, minimale Fehlerquote und stabile Produktionsprozesse. Zudem hilft die Technologie, unbefruchtete Eier oder solche mit nicht weiter entwickelten Embryonen frühzeitig zu erkennen, wodurch sich das Mikroklima in den Brutschränken verbessert. Das steigert die Kükenqualität und verringert den Ressourcenverbrauch. „Wir reden hier über eine Entwicklung, die mehrere Probleme gleichzeitig löst – ethisch, technisch und wirtschaftlich“, fasst Jörg Hurlin zusammen.