Queersensible Pastoral

Wie Glaube Vielfalt lebt

05.10.2026
Autorin: Alke zur Mühlen

Kirchliches Leben befindet sich in einem historischen Wandel, der auch die Rollen und Zuständigkeiten betrifft. Die Fachstelle für Pastorale Bildung und Begleitung in Stapelfeld gibt Bildungsimpulse, die Kirche von morgen mitzugestalten. Ein Schwerpunkt: kirchliches Wirken für die Bedürfnisse queerer Menschen zu sensibilisieren.

„Queere Christ:innen sind schon immer Bestandteil unserer katholischen Kirche. Sie waren nur lange nicht sichtbar. Das wollen wir ändern und sichere Räume schaffen“, erklärt Alina Lübbers. Sie ist Referentin der Fachstelle für Pastorale Bildung und Begleitung in Stapelfeld. Queersensible Pastoral ist dort ein Schwerpunkt der studierten Theologin. Außerdem beschäftigt sie sich mit digitalen Wegen im Glauben, Projektarbeit und Angeboten für junge Erwachsene.

Alina Lübbers zusammen mit Gunda Holtmann und Jan Hoyer beim Vernetzungstreffen für Interessierte an Queersensibler Pastoral des Bistums Münster teilgenommen haben. Die beiden Kolleg:innen kommen auch aus dem Offizialatsbezirk.

Fachstelle für Haupt- und Ehrenamtliche

Die fundamentalen Veränderungen der katholischen Kirche sind auch im Oldenburger Münsterland zu spüren. Strukturen wandeln sich, aus Pfarreien und Dekanaten sind inzwischen die sogenannten Pastoralen Räume geworden. In Zukunft wird die Seelsorge und Liturgie vermehrt auch in den Händen von Ehrenamtlichen liegen. Um sie – und auch die hauptamtlich Engagierten der Pfarrgemeinden – zu qualifizieren, haben das Bischöflich Münstersche Offizialat (BMO) und die Stiftung Kardinal von Galen die Fachstelle für Pastorale Bildung und Begleitung ins Leben gerufen.

Angesiedelt bei der Katholischen Akademie bietet das Team seit 2024 ein Fortbildungs- und Qualifizierungsprogramm. Die Themenschwerpunkte reichen von zeitgemäßen Formen von Liturgie und Katechese über Charismen- und Engagementförderung bis zur Begleitung verschiedener Lebensformen und Lebensphasen. Dazu gehört auch der Aspekt „Christlich und queer“.

Räume öffnen, Sichtbarkeit geben

„Gerade junge Menschen, die sich oft noch in der Orientierung befinden, brauchen das Gefühl, gesehen zu werden“, erklärt Alina Lübbers. „Auch wenn die Gesellschaft sich zunehmend öffnet, fehlen Safe Spaces, in denen sie sich öffnen und Gemeinschaftserfahrungen machen können.“ Die Pastoralreferentin setzt deshalb auf eigene Angebote und Bildungsarbeit. Zum Beispiel mit der Reihe „Queere (Glaubens-)Geschichten“. Queere Christ:innen berichten im Gottesdienst von ihren persönlichen Erfahrungen – von Verletzungen und Heilung ebenso wie von Hoffnung oder Berufung. Anschließend gibt es Gelegenheit zum Gespräch.

„Diese Termine finden im ganz normalen Gemeindegottesdienst hier in Stapelfeld statt“, berichtet Lübbers. „Es gibt dazu nur positive Rückmeldungen. Menschen sind neugierig, bleiben zum Gespräch, stellen Rückfragen. Es ist sehr schön zu sehen, wie wenig Berührungsängste es hier in der Region gibt.“

Wer im Rahmen der Liturgie aus dem Leben berichten könnte, wird unter anderem gemeinsam mit der Community beim „Queeren Stammtisch“ überlegt. Dieses Format verbindet einen Gottesdienst mit einem anschließenden gemütlichen Beisammensein.

Ein neues Projekt der Pastoralreferentin ist ein Online-Stammtisch für Eltern queerer Kinder. „Sie haben oft ähnliche Gedanken, Fragen oder Sorgen. Mit meinem digitalen Angebot möchte ich möglichst vielen Eltern in unserem großen Offizialatsgebiet ermöglichen, sich zu vernetzen und gegenseitig zu unterstützen.“

Sensibilität in die Gemeinden tragen

Neben den eigenen Veranstaltungen möchte Lübbers Impulse in die Pastoralen Räume tragen. „Mein Wunsch wäre, dass in jeder Gemeinde eine queersensible Ansprechperson sichtbar gemacht wird.“ Viele queere Menschen machen immer noch negative Erfahrungen. Sichtbare Anlaufstellen könnten die Hemmschwelle senken. Die Fachstelle bietet entsprechende Qualifizierungen an.

Ein Schlüssel, um dafür zu sorgen, dass sich alle wohlfühlen, ist Sprache. „Sich sensibel auszudrücken, macht kaum Aufwand aber hat eine große Wirkung“, erklärt Lübbers. „Wenn in der Korrespondenz nicht mehr von einem Ansprechpartner gesprochen wird, sondern von einer Ansprechperson, ist schon der erste Schritt getan.“ Ihr Wissen gibt Lübbers nicht nur in festen Veranstaltungsformaten weiter. Sie kommt auf Wunsch auch in Gemeinden, Jugendgruppen oder zu anderen Interessierten. Einen Wandel nimmt sie bereits wahr. „Als ich früher in der Pfarrei tätig war, spielte das Thema Queerness noch keine Rolle. Das hat sich erfreulicherweise geändert. Mit der Verankerung dieses Themas in der Fachstelle wurde ein wichtiges Zeichen gesetzt. Ich freue mich, gemeinsam mit allen Engagierten die Pastoralen Räume weiter zu öffnen und Vielfalt auf neue Art zu leben.“

© Marek Studzinki unsplash

Information

Programmvorschau

Predigtreihe in der Heilig-Kreuz-Kirche Stapelfeld

In ausgewählten Sonntagsgottesdiensten erzählen queere Christ:innen in Predigten und persönlichen Zeugnissen von ihren Erfahrungen als Teil der LSBTIAQ+-Community. Im Anschluss sind alle Interessierten zu einem vertiefenden Nachgespräch eingeladen. Mehr Infos

Nächste Termine: So, 22.11.26, So, 7.3.27, So, 25.4.27

QUEER - Gottesdienst & Stammtisch

Ein Ort, an dem Glaube und Du-selbst-sein kein Widerspruch ist. Nach dem Gottesdienst – bunt, offen, ohne Wenn und Aber – klingt der Abend bei einem Getränk in gemütlicher Runde aus. Zeit zum Ankommen, Quatschen, Austauschen. Mehr Infos
Nächste Termine: Mo, 25.1.27, Mo, 5.7.27

Ein spirituelles Wochenende für queere Menschen

„Wozu bin ich da?“ – Die Frage nach Berufung ist für queere Menschen oft eng mit Identität und Zugehörigkeit verbunden. Ein Wochenende auf Wangerooge bietet Raum für Stille, Austausch und geistliche Impulse. Im geschützten Rahmen können Menschen aus der LSBTIAQ+-Community Menschen Fragen nach Glauben, Lebensweg und Gottes Ruf nachspüren. Mehr Infos  Termin: 15.–18.1.27