Das Parachute-Festival hat seinen Ursprung im Jahr 2001. Damals hieß es noch Osterrock und fand traditionell am Ostermontag statt. „Wir haben damit bei einem Gastwirt im Hinterhof begonnen, waren zwischenzeitlich an wechselnden Orten unterwegs und sind mit dem ‚Parachute‘ inzwischen auf dem Schützenplatz in Lindern angekommen“, berichtet Max Beckmann vom Projektunterstützungsverein Lindern, dem Veranstalter des Festivals.
Mit den Jahren entwickelte sich aus der kleinen Konzertidee ein Musik-Event für die ganze Region. 2019 wurde aus dem Osterrock schließlich das Parachute-Festival, zu deutsch: Fallschirm-Festival. „Wir hatten damals nach Möglichkeiten gesucht, unser Festival etwas wetterunabhängiger zu gestalten, denn gerade im Frühjahr muss man natürlich mit Regen am Veranstaltungstag rechnen. Zuerst hatten wir an Zeltplanen gedacht – das Material ist aber recht schwer und die Anschaffung kostenintensiv“, erinnert sich der 27-jährige Linderner. „Schließlich haben wir einen Lastenfallschirm gekauft, der das Konzertgelände überspannt. So kam uns dann auch die Idee für unseren neuen Namen.“
Breite Unterstützung aus der Region
Das Festival stellt der Projektunterstützungsverein Lindern in enger Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum Teestube Lindern auf die Beine. Im Organisationsteam sind rund 15 Personen aktiv: „Die einen kümmern sich ums technische Equipment, andere akquirieren Sponsoren, wieder andere sind im Gespräch mit Gastronomen und Bands“, schildert Beckmann. Der IT-Consultant ist seit 2015 im Verein engagiert und bringt sein berufliches Know-how hier unter anderem ein, indem er sich um die Festival-Website kümmert. „In den Tagen unmittelbar vor dem Festival kommen viele weitere helfende Hände dazu, zum Beispiel für den Aufbau. Da unterstützen uns zeitweise bis zu 50 Leute.“
Hilfe bei der Planung und Umsetzung des Festivals bekommt der Verein zudem von der Gemeinde Lindern. Und auch die regionalen Unternehmen unterstützen gern: „Manche sponsern unsere Arbeit mit Geldbeträgen, andere stellen uns kostenfrei Material zur Verfügung. Der Zuspruch hier aus der Region ist außerordentlich gut, das freut uns jedes Jahr aufs Neue sehr.“
Generationsübergreifende Vereinsarbeit
Auch abseits des Parachute-Festivals ist der gemeinnützige Verein aktiv. In der Teestube werden regelmäßig kleinere Zusammenkünfte organisiert. Die Altersspanne unter den Vereinsmitgliedern reicht von der Schülerin bis zum Rentner – eine Bandbreite, die Max Beckmann sehr schätzt. „Durch diese generationsübergreifende Arbeit kommen die unterschiedlichsten Lebensläufe zusammen. Jedes Mitglied hat eigene Stärken, die er oder sie einbringen kann.“
Der 18-jährige Eric Stadtsholte ist seit 2023 dabei: „Es gibt immer jemanden, den ich ansprechen kann, wenn mir selbst für etwas die Erfahrung fehlt – zum Beispiel meinen Vater, der hier schon seit einigen Jahren engagiert ist und vieles von dem, worauf wir heute aufbauen, damals mit in die Wege geleitet hat“, sagt er. „Ich finde es wichtig, dieses Miteinander unterschiedlicher Generationen zu nutzen. Zusammen können wir das Ergebnis nochmal ein Stückchen besser machen.“ Bei der Organisation gilt: Nach dem Parachute ist vor dem Parachute. „Direkt nach dem Festival besprechen wir mit dem Team, was gut gelaufen ist und wo wir noch besser werden wollen. Die Vorbereitungen laufen übers ganze Jahr“, erklärt Stadtsholte. Vor allem im Booking halten die Organisatoren jederzeit die Ohren offen. Der Verein arbeitet mit ausgewählten Musiklabels zusammen, nimmt aber auch gern Bewerbungen von Bands entgegen – von Rock über Punk bis hin zu Alternative oder Rap/HipHop.
Ein handgemachtes Festival für die Community
Was das Parachute-Festival so besonders macht? Stadtsholte muss nicht lange überlegen: „Hier treffen viele Generationen aufeinander, weil unser Festival die Menschen verbindet. Man trifft sich, trinkt ein Bier zusammen und genießt einfach die Musik. Über die Jahre ist das Parachute zu einer schönen Tradition geworden.“ Max Beckmann ergänzt: „Weil wir alles ehrenamtlich organisieren, hat unser Festival den gewissen Charme. Hier ist alles selbstgemacht. Trotz aller Planung vorab sind wir immer spontan genug, Dinge auf Zuruf zu regeln. Diese lockere, familiäre Atmosphäre gefällt nicht nur unseren Gästen, sondern auch den Bands.“
Die Festival-Gäste kommen größtenteils aus dem näheren Umkreis. Eine gute Sache, finden die Organisatoren: „Natürlich freuen wir uns, wenn auf einmal Gäste aus Hamburg oder von noch weiter weg vorbeischauen. Meist werden sie über die Bands, die bei uns spielen, auf uns aufmerksam. Aber in erster Linie wollen wir den Leuten hier in der Region ein cooles Festival bieten.“ Bei aller Tradition sucht das Team immer nach Verbesserungspotenzial. So gibt es 2026 zum Beispiel erstmals einen Online-Vorverkauf. Das Festival wird stetig weiterentwickelt. Aber die Grundidee bleibt auch in Zukunft erhalten: Das Parachute ist handgemacht und ehrlich, von der Community für die Community.