Krimis aus Vechta

Mord vor Ort

Egal, ob sie in Ostfriesland, in der Eifel oder im Fränkischen spielen: Regionalkrimis erfreuen sich großer Beliebtheit. Geht es nach ihren Autoren, wird im ganzen Land gemordet. Natürlich auch in Vechta. Hier liefert mit Jörg Schlüter ein pensionierter Pastor Jahr für Jahr neuen, spannenden Lesestoff.

Sollte das Geld für die neue Orgel nicht reichen, werde er einen Krimi schreiben und den Erlös aus dem Verkauf spenden – mit diesem Versprechen nahm die Schriftstellerlaufbahn von Jörg Schlüter 1998 ihren Lauf. Bis der ehemalige Vechtaer Pastor seinen ersten Kriminalroman dann tatsächlich veröffentlichte, vergingen jedoch noch einige Jahre. Erst 2012, ein Jahr nach seiner Pensionierung, war es schließlich so weit. Titel des Erstlingswerks: „Tod in der Klosterkirche". Ort der Handlung: Vechta. Hier kennt Erzähler Schlüter sich aus, besonders in der Klosterkirche.

Früher, so sagt der heute 74-Jährige, habe er höchstens mal das eine oder andere Gedicht geschrieben. „Natürlich für meine Frau." Schon da habe ihm seine blühende Fantasie weitergeholfen. Dass er als Autor aber so erfolgreich werden könne, habe er sich nicht ausgemalt. Inzwischen gibt er jedes Jahr einen neuen Krimi im eigens dafür gegründeten Verlag heraus. Neun Bände sind bisher erschienen, am zehnten schreibt er. 500 Exemplare werden jeweils gedruckt und verkauft. Übersteigen die Einnahmen die Ausgaben, geht das Geld an karitative und kirchliche Einrichtungen.

„Die Leserinnen und Leser können genau nachvollziehen, was sich wo abspielt."
Jörg Schlüter

Schlüters Erfolg ist kein Zufall. Kriminalromane mit starkem Lokalkolorit gewinnen in den letzten Jahren mehr und mehr Liebhaber. Mit der exakten Beschreibung aller Details und des jeweiligen Lebensgefühls vermitteln sie ein Stück Heimatflair – ohne Gefahr zu laufen, ins Kitschige abzudriften. Seinen Ursprung hat der Trend in den skandinavischen Ländern. In Deutschland zählt Jacques Berndorf mit seinen Eifel-Krimis zu den Vorreitern. Ebenfalls im Oldenburger Münsterland spielen beispielsweise die Romane von Andreas Kaminski und Marcus Erhardt.

Dass das fiktive Verbrechen vor der Haustür so fasziniert, wundert Jörg Schlüter nicht. Seine Erklärung für den Boom: „Die Leserinnen und Leser können genau nachvollziehen, was sich wo abspielt. Das gefällt ihnen." Zudem erkennen sie Anspielungen auf reale Ereignisse, Schauplätze und Personen vor Ort und rätseln gern, wer oder was wohl gemeint sein könnte. Zwei in seinen Erzählungen immer wiederkehrende Figuren hat der Autor (mit deren Zustimmung!) sogar direkt lebenden Vorbildern nachempfunden: einen Arzt und einen Bestatter.

Mit seinen Arbeiten am Jubiläumsfall hat Jörg Schlüter bereits begonnen. „Die Story steht", sagt er. Nun muss sie nur noch ausgefeilt und dann aufgeschrieben werden. Der Titel hat bewusst einen religiösen Bezug: „Du sollst nicht begehren". Aber keine Angst, fügt der Autor hinzu, „ich arbeite hier nicht meine persönlichen Geschichten auf". Wie es danach weitergeht, ist zurzeit noch unklar. Zwischendurch, so räumt er ein, habe er schon darüber nachgedacht, ob mit dem zehnten Fall aus Vechta Schluss sein sollte. „Ich möchte vermeiden, dass sich die Sache totläuft." Notfalls kann er ja das Genre wechseln: Ein historischer und ein biblischer Roman aus seiner Feder stehen bereits im Bücherregal.