Kultur

Geben und Nehmen

Kultur geht nicht ­alleine. Das wusste auch der schwedische Schriftsteller Johan August Strindberg, als er sagte: „Die ganze Kultur ist eine große, endlose Zusammenarbeit".

So braucht es nicht nur Maler­innen, Schauspieler, Bildhauerinnen oder ­Sänger, sondern auch Betrachter, Zuschauer­innen, Museumsgänger und Zuhörerinnen. Nur im Zusammenspiel ist die Kunst am Leben. Der deutsche Bildhauer Ernst Barlach fasst das ideal zusammen: „Zu jeder Kunst gehören zwei: einer, der sie macht, und einer, der sie braucht".

Hier erzählen ein Comiczeichner von der Kraft der Gemeinschaft, eine Fotografin vom Aufeinandertreffen von Kulturen und ein Theater­betreiberpaar von der Freude, Raum für Kunst zu geben. Ihre Arbeit zeigt uns, dass Kunst und Kultur aus Zusammenarbeit ent­stehen und uns zusammenbringen. Die drei Kulturschaffenden aus der Region stehen als Vertreter der Kulturlandschaft für die erste Hälfte des Zitats von Ernst Barlach. Wir sind die zweite Hälfte: diejenigen, die sie brauchen.

 

Stephan Kuhn

Eine gezeichnete Geschichte ohne viele Worte – das ist der Grund­gedanke des Comics. Für Stephan Kuhn liegt genau darin der Reiz. Der freie Grafikdesigner und Illustrator hat bereits mehrere Comics veröffentlicht und zeichnet u.a. den Steampunk-Krimi „Hildesia", den er auf seiner Website Woche für Woche um neue Seiten erweitert. „Noch betreibe ich das Ganze als sehr ernsthaftes Hobby", erzählt der Steinfelder. „Aber es wäre toll, irgendwann einmal davon leben zu können." Bleistift und Papier sind inzwischen digitalen Zeichen­programmen auf dem Tablet gewichen. Geblieben ist ein ganz eigener, malerisch anmutender Stil. Um die Druckkosten seines neuesten Werks „Geister der Rauhnacht" stemmen zu können, setzte Kuhn übrigens erstmals auf Crowdfunding – und das mit beachtlichem Erfolg: „Nach gerade einmal 20 Stunden war mein Finanzierungsziel schon erreicht! Am Ende kam sogar das Vierfache meines Wunschbetrags zusammen." Seine Arbeiten kommen unter Comicfans offensichtlich gut an. Grund genug also, weiterzu­machen. Ideen hat Stephan Kuhn jedenfalls noch immer reichlich.

Doris Waskönig

Die erste Kamera bekam Doris Waskönig von ihrem Mann. „Damit öffnete er mir eine ganz neue Welt", erzählt sie. 90 Jahre ist die Sater­länderin inzwischen alt, einen großen Teil ihres Lebens fotografierte sie überall auf der Welt. Einmal im Jahr ging sie auf Fotoreise, erkundete Sibirien, Indien, Peru und Nigeria. Immer mit dem Schlafsack, denn so war sie stets nah an den Menschen. Ihre Fotografien zeigen Gesichter und erzählen Geschichten von anderen Kulturen. Doris Waskönig war und ist fasziniert von fremden Welten. Aus dieser Begeisterung heraus sind zahlreiche Fotobücher, Kinder­bücher und Aus­­stellungen entstanden. Von ihrem liebsten Reiseziel Bali erzählt sie immer noch voller Freude: „Blendend weiße Strände, harmonisch in die Landschaft eingewobene ­Reisplantagen, Früchte, und Blumen über Blumen: So und nicht anders muss der Garten Eden ausgesehen haben."

Barbara und Rainer Pagel

Die Kultur-Scheune Barßel gibt Künstlern seit 20 Jahren Raum: Am 1. Mai 2000 begann alles mit einem Konzert der amerikanischen ­Celtic-Folk-Band „Golden Bough". Seitdem waren Barbara und Rainer Pagel Gastgeber von 30 Konzerten, 117 Theater­aufführungen und fünf Kabarettveranstaltungen. Die Karten für ihre drei Theatergruppen „­Startisten", „Text-Fest" und "Kultur-­Scheunen-Kids" sind stets schnell ausverkauft. Für 2021 hat Rainer­ ­Pagel bereits das Theaterstück „­Decido" geschrieben, doch die ­Proben mussten coronabedingt mehrfach abgebrochen werden. Die Pagels ­setzen sich trotzdem für den Fort­bestand der Kultur ein: „Kultur ist ­bedeutsam für die Lebensqualität der Menschen und, wie andere ­Lebensbereiche, systemrelevant. Sie muss wieder dauerhaft möglich sein." Um das Bewusstsein für Kultur aufrecht zu erhalten, werden sie über ihre Website T-Shirts und Tassen mit der Aufschrift „Kultur ist Nahrung und Balsam für die Seele" verkaufen. Darüber hinaus können Firmen und Einzelpersonen als „Kulturförderer" die Rückseite eines Stuhls der Kultur-Scheune als Werbefläche nutzen.