Streetfotografie

Bilder vom Asphaltpoeten

Philipp Meiners ist auf der Straße zuhause. Zumindest, was seine große Leidenschaft, die Fotografie anbelangt. Der 34-Jährige bildet die Besonderheiten des Alltags ab, zeichnet skurrile Situationen und absurde Momente nach. Als Streetfotograf ist er unterwegs in Hamburg, Köln, Amsterdam – und Vechta.

Streetart aus Amsterdam Philipp Meiners' Bild aus Amsterdam wurde vom ambitionierten EYE-Photo Magazine zur Veröffentlichung ausgewählt.

Hier eine seltsame Spiegelung, da ein romantisches Wechselspiel von Licht und Schatten oder seltsam verlaufende Linien: An Motiven mangelt es dem geübten Streetfotografen nicht. „Man muss aufmerksam sein", sagt Phillip Meiners. Und wach. Und eine rasche Auffassungsgabe haben. Denn wer draußen auf der Straße fotografiert, fängt in der Regel Augenblicke ein, die sich nicht wiederholen lassen. Planung nützt da selten, Spontanität meistens.

Meiners, von Beruf Förderschullehrer, fotografiert seit seinen Jugendtagen, lange Zeit vorwiegend auf Konzerten und Reisen, später häufiger bewusst Landschaften. Den Kick zur Streetfotografie setzte es auf einer Weltreise mit seiner Frau zwischen Sommer 2018 und Sommer 2019. In Hoi An, einer beschaulichen vietnamesischen Küstenstadt, nahm sie an einem Workshop zur Fertigung von Lampenschirmen teil, während er sich auf einen Rundgang durch den Ort machte. „Nach diesem Foto-Walk, bei dem ich bewusst für einige Stunden Straßenfotografie betrieb, konnte ich mich ihr nicht mehr entziehen."

Auf seiner Website zeigt Meiners, der zum elfköpfigen „Bremen Street Collective" gehört, sowohl schwarzweiße als auch farbige Aufnahmen. Er macht daraus keine Glaubensfrage. Vielmehr reagiert er auf die Situation, die sich ihm bietet. Seine Fuji-Kamera ist eine treue Begleiterin und immer einsatzbereit. Man weiß ja nie, was kommt.

Mehr oder weniger ziellos durch die Straßen zu schlendern, immer auf der Suche nach etwas Interessantem, dem entscheidenden Moment, sieht der 34-Jährige als „super Gelegenheit mich aus dem Alltag auszuklinken". Manchmal ist er dabei „Hunter", der nach dem richtigen Motiv jagt. Manchmal „Fisherman", der eine Aufnahme komponiert und dann wartet, bis die passende Person ins Bild läuft. Jeder Fotograf hat in dieser Hinsicht seine eigenen Prioritäten und Herangehensweisen. „Ich stelle mir gern eine Aufgabe und versuche diese dann zu erfüllen", sagt Philipp Meiners.

Braucht der geneigte Streetfotograf die ganz große Bühne? Die Häuserschluchten von New York, die Widersprüchlichkeiten von Singapur, das Maritime von Hamburg? Oder reichen auch die Universität Vechta, der Bahnhof, die Lange Straße?

Fest steht: Je größer die Stadt, desto praller die Auswahl an Motiven. Dennoch ist die Streetfotografie nicht nur etwas für die Metropolen und den urbanen Raum, stellt Philipp Meiners klar. Denn auch auf dem Dorf und in kleineren Gemeinden finden sich genügend Szenen, die auf eine spezielle Art anders sind. Die schweren Traktorenreifen, die sich in der Wasserpfütze spiegeln. Der alte Mann, dessen Spazierstock wie ein Hexenbesen aussieht. Die Brötchentüte, die der böige Wind an der Bäckerei vorbeitreibt. Keine Frage: Der Asphaltpoesie sind auch im ländlichen Raum keine Grenzen gesetzt.

Lust auf mehr Inspiration? Philipp Meiners zeigt auf seiner Website www.philippmeiners.de nicht nur sein Portfolio, er berichtet im Blog auch von Fotowalks, Treffen mit anderen Fotografen und von Wettbewerben. Auf seinem YouTube-Kanal könnt ihn POV-Videos bei der Motivsuche begleiten.

Philipp Meiners macht Streetphotography. Das geht auch im ländlichen Raum, sagt der 34-­Jährige aus ­Vechta. Für alle, die es ihm gleichtun wollen, hält er hier fünf Tipps parat.

1. Gute Motive gibt es überall. Schauen Sie genau hin, auch mal um die Ecke. Entdecken Sie Ihr Umfeld neu.

2. Formulieren Sie Heraus­forder­ungen und setzen Sie sich ­konkrete ­Aufgaben und Ziele.

3. Achten Sie auf Linien, auf das Spiel von Schatten und Licht, Spiegelungen in Schaufenstern oder Pfützen nach Regenfällen.

4. Als „Huntsman" jagen Sie Ihre Motive, als „Fisherman" ­suchen Sie sich eine Szene, ­komponieren sie und warten dann, ob jemand sie betritt. Probieren Sie beides aus.

5. Achten Sie auf Mit­menschen. Gehen Sie nicht zu offensiv vor. Verschmelzen Sie mit der Umgebung, so dass Sie mit Ihrer ­Kamera nicht ­auffallen. Sollten Sie dennoch ­angesprochen werden, seien Sie freundlich und erklären Sie, was Sie tun. Zeigen Sie ­Beispiele. ­Neugierige Blicke müssen Sie aushalten ­können.