Wundzentren

Professionelle Versorgung schwer heilender Wunden

08.12.2025
Autorin: Alke zur Mühlen

Chronische Wunden können die Lebensqualität stark beeinflussen. Ihre medizinische Behandlung erfordert eine hohe Expertise. Die Wundambulanzen der Krankenhäuser in Damme und Lohne wurden in den letzten Jahren erfolgreich weiterentwickelt. Sie bieten Betroffenen moderne Therapiekonzepte – und Ärztinnen und Ärzten einen hochspezialisierten Wirkungsbereich.

Chronische Wunden können vielfältige Ursachen haben. Oft wurzeln sie in Durchblutungsstörungen durch Krampfadern, dem Zustand nach einer Thrombose, einem übermäßigen Druck auf das Gewebe (Dekubitalulcera), einer Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), einer Blutzuckererkrankung (Diabetes mellitus) oder übermäßigem Rauchen. Besonders ältere Menschen sind von den Beschwerden betroffen. Schließt sich eine Wunde nach etwa zwei Wochen noch nicht, sollte unbedingt der Hausarzt aufgesucht werden. Als chronisch gilt sie, wenn sie nach drei Monaten nicht abgeheilt ist.

Die Hautgeschwüre können die Lebensqualität der Patienten erheblich beeinträchtigen – nicht nur durch Schmerzen, sondern auch durch Bewegungseinschränkungen oder unangenehmen Geruch. Die gute Nachricht: Bei frühzeitiger und optimaler Therapie sowie der Behandlung der Ursachen der Wundentstehung lassen sich viele Wunden doch noch zur Abheilung bringen. Und auch bei chronischen Wunden kann eine optimale Behandlung die Situation der Patienten deutlich verbessern.

Erfolgreiches Versorgungskonzept in Lohne

„Schlecht heilende Wunden bedürfen neben einem speziellen Know-how auch einer engmaschigen Betreuung“, erklärt Nurlan Seidaliev, Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie am Lohner St. Franziskus.Hospital. Gemeinsam mit Chefarzt Dr. Peter Loermann leitet er die dortige Wundambulanz mit einem anerkannten und erfolgreichen Konzept, das sowohl die Patienten als auch deren Angehörige einbezieht. In der Wundsprechstunde wird die Wunde zunächst untersucht, die Ursache und Heilungsverzögerung abgeklärt und der Zustand beurteilt. Eine digitale Fotodokumentation hilft bei der Kontrolle der späteren Behandlung.

„Auf der Grundlage der Ergebnisse erstellen wir einen individuellen Behandlungsplan für jeden Patienten, der bei Wundschmerzen auch eine Schmerztherapie beinhaltet“, erklärt Oberarzt Seidaliev. Ziel der Behandlung ist die Abheilung von Wunden, die oft schon seit Jahren bestehen. „Aktuell können wir etwa 70bis 80 Prozent der chronischen Wunden erfolgreich zur Abheilung bringen. Durch unser professionelles Wundmanagement erzielen wir nicht nur eine medizinische Verbesserung, sondern auch eine spürbare Steigerung der Lebensqualität unserer Patientinnen und Patienten – insbesondere durch effektive Schmerzlinderung, Mobilitätsförderung und die Reduktion von Infektionsrisiken.“

In der Lohner Wundambulanz wurden verschiedene Verfahren eingeführt, die Patienten auch mit komplexen chronischen Wunden eine ortsnahe Versorgung ermöglichen. „Wir setzen moderne, stadiengerechte Wundauflagen ein, die individuell auf die jeweilige Wundsituation abgestimmt sind“, berichtet Seidaliev. „Dazu gehören unter anderem hydroaktive Verbände, Silikonauflagen, antimikrobielle Materialien sowie innovative Vakuumversorgungen. Ergänzt wird unser Konzept durch eine enge Zusammenarbeit mit Hausärzten und Pflegediensten.“ Besteht ein Zusammenhang zwischen Wunde und Ernährung gehört auch eine Ernährungstherapie zum Leistungsspektrum. Das Team, zu dem auch speziell ausgebildete Wundfachschwestern gehören, versucht die Behandlung möglichst ambulant durchzuführen. Bei schwereren Erkrankungen kann eine stationäre Behandlung die Wundheilung deutlich beschleunigen. „Um die Versorgung weiter zu verbessern, planen wir die Einführung zusätzlicher diagnostischer Verfahren zur Ursachenanalyse.“

Geschäftsführer Thomas Meyer, Svenja Rofe (Wundexpertin ICW) und Oberarzt Nurlan Seidaliev (von links) freuen sich über die erfolgreiche Wundambulanz

Zukunftsweisende Pläne in Damme

Auch in der Dammer Wundambulanz hat eine möglichst schmerzfreie Behandlung chronischer Wunden höchste Priorität. Im Bereich der Diagnostik und Therapie können die Dammer Wundtherapeuten auf modernste Technik zurückgreifen. Mit einer Spezialkamera kann durch Fluoreszenzlichtdiagnostik die Bakterienbesiedlung der Wunde unmittelbar dargestellt werden. Zur Wundreinigung steht ein Ultraschall-Reinigungsgerät zur Verfügung, das fest haftende Beläge auf der Wunde weitestgehend schmerzfrei entfernen kann.

Das Einzugsgebiet der Wundambulanz am Krankenhaus Damme ist groß: Es umfasst sowohl den Südkreis des Landkreises Vechta als auch die angrenzenden Landkreise Diepholz und Osnabrück. Etwa 80 bis 100 Wundpatienten werden so je Quartal behandelt. Neben dem ärztlichen Leiter Gustav Peters, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie, kümmern sich vier Wundexpertinnen um die Patienten. Diese Pflegefachfrauen haben eine spezielle Zusatzausbildung im Bereich der Wundversorgung.

Das Angebot in der Wundambulanz soll in nächster Zukunft um die Kaltplasmatherapie erweitert werden. Die Kaltplasmatherapie kann Bakterien in chronischen Wunden abtöten und das körpereigene Gewebe zum Wachstum anregen. Immer mehr Studien zeigen positive Effekte in der Wundheilung unter einer Kaltplasmatherapie, von dieser Innovation sollen zukünftig auch die Dammer Wundpatienten profitieren.

Dank der engen Vernetzung zwischen medizinischem Fachpersonal, moderner Technik und individueller Betreuung bieten die Wundzentren in Lohne und Damme beste Voraussetzungen für eine erfolgreiche Versorgung selbst komplexer Wundverläufe.

 

Kontakt:

Wundambulanz am St. Franziskus-Hospital Lohne

(04442) 81 350

Wundambulanz am Krankenhaus St. Elisabeth Damme

(05491) 60 252

Sprechstunden: mittwochs 9:30 Uhr bis 13 Uhr und nach Vereinbarung

Ein Stethoskop und ien Laptop auf einem weißen Tisch

Infokasten

Wundversorgung

Rund eine Million Menschen ab 40 Jahren waren laut DAK-Versorgungsreport 2024 wegen einer chronischen Wunde in ärztlicher Behandlung – das entspricht etwa zwei Prozent des Bevölkerungsanteils. Mit steigendem Alter nimmt dieser Anteil zu, so dass eine adäquaten Wundversorgung in Zukunft eine immer größere Rolle spielen wird.

(Quelle: DAK-Gesundheitsreport 2024)