Maike Wesselmann

Mit viel Erfahrung ins Medizinstudium

08.12.2025
Autorin: Lisa Knoll

Maike Wesselmann hat nach einer Ausbildung in der Pflege ein Medizinstudium angeschlossen. Und das parallel zum Familienleben mit zwei Kindern. Ihre Erkenntnis: Mit der richtigen Unterstützung ist es durchaus möglich, im Studium Mutter zu sein – und bald schon das nächste Kapitel der ärztlichen Laufbahn aufzuschlagen: das Praktische Jahr (PJ).

„Mir war von Anfang an klar, dass ich einmal Medizin studieren möchte. Aufgrund des sehr hohen Numerus Clausus, der für die Zulassung zum Studium erforderlich war, habe ich jedoch nicht im ersten Anlauf einen Studienplatz bekommen“, schildert Maike Wesselmann. „Deshalb habe ich mich entschieden, meine Wartesemester sinnvoll zu nutzen und in dieser Zeit bereits erste Erfahrungen im medizinischen Bereich zu sammeln.“ Nach dem Abitur 2011 zog sie nach Berlin und absolvierte dort zunächst eine Ausbildung im Rettungsdienst. 2013 folgte die Ausbildung zur Pflegefachfrau, damals noch offiziell Gesundheits- und Krankenpflegerin genannt. Dadurch bekam die angehende Medizinerin wertvolle berufliche Einblicke, die sie rückblickend als sehr nützlich für den Einstieg ins Medizinstudium bewertet.

Einen weiteren Aspekt der medizinischen Arbeit lernte Wesselmann im Anschluss an ihre Ausbildung kennen: Zwei Jahre arbeitete sie im Max Delbrück Center für Molekulare Medizin (MDC), das zur Helmholtz-Gemeinschaft gehört. Hier war sie als Study Nurse für die Nationale Kohorte, Deutschlands größte Bevölkerungsstudie, tätig. Daran sind Universitäten und Forschungseinrichtungen aus ganz Deutschland beteiligt.

Medizinstudium trifft Familienleben

2019, ein Jahr nach der Geburt ihres ersten Kindes, begann Maike Wesselmann in Oldenburg mit dem Medizinstudium. Während des Studiums bekam sie ihr zweites Kind, pausierte deshalb für zwei Semester. „Natürlich waren meine Stundenpläne voller Seminare, Vorlesungen und Prüfungen mit zwei Kindern zeitweise sehr herausfordernd, vor allem organisatorisch. Rückblickend war es für mich aber genau der richtige Zeitpunkt, ein weiteres Kind zu bekommen“, weiß die 33-Jährige heute. „Das Ganze hat für mich vor allem deshalb so gut funktioniert, weil mein Mann und ich hier in Cloppenburg unsere Familien direkt vor Ort haben und von ihnen in dieser Zeit sehr unterstützt wurden.“

Dass die Universität Oldenburg im Vergleich zu anderen medizinischen Hochschulen eher zu den kleineren gehört, brachte im Studium so manchen Vorteil mit sich. „Ich konnte mich in vielen Dingen direkt mit dem Lehrpersonal abstimmen, denn es herrschte ein sehr familiäres Klima und es wurde sich bemüht, individuelle Lösungen zu finden. Das war für mich natürlich sehr hilfreich.“ Allerdings bedeute eine kleine Universität zugleich auch weniger Flexibilität in der Gestaltung des Stundenplans. „Während man an größeren Universitäten deutlich mehr Möglichkeiten hat, um zum Beispiel mal ein Seminar ins nächste Semester zu verschieben, werden in Oldenburg Kurse nur einmal im Jahr angeboten. Da muss man genau planen, um das Studium und das Familienleben gut miteinander vereinbaren zu können.“

Nächster Schritt: Praktisches Jahr

Im Frühjahr 2026 schreibt die Studentin das zweite Staatsexamen. Im Anschluss geht sie ins Praktische Jahr, die letzte Ausbildungsphase des Medizinstudiums. Ihre bevorzugte Fachrichtung als Ärztin hat sie bereits gewählt: die Allgemeinmedizin soll es werden. „Zu Beginn des Studiums wollte ich mich eigentlich auf die Gynäkologie und Geburtshilfe spezialisieren. Durch die vielen Hospitationen und Praktika während des Studiums habe ich aber gemerkt, dass mir die Allgemeinmedizin noch mehr Spaß macht“, schildert Wesselmann. „Ich finde es reizvoll, dass man dabei nicht auf eine Fachrichtung festgelegt ist, sondern viele Bereiche aufeinandertreffen.“ Ein Tertial ihres Praktischen Jahrs wird sie deshalb in einer allgemeinmedizinischen Praxis in ihrer Heimatstadt Cloppenburg absolvieren – ein weiterer, wichtiger Schritt in Richtung Traumberuf.

 

Eine Frau im Porträt © Maike Wesselmann

Info

Das Praktische Jahr

Im Praktischen Jahr, kurz PJ, wird das während des Studiums erworbene Wissen in der klinischen Praxis angewendet und vertieft. Es gliedert sich in drei Abschnitte von jeweils vier Monaten, auch Tertial genannt. Zwei Tertiale müssen in der Inneren Medizin und der Chirurgie absolviert werden. Hinzu kommt eine weitere Fachrichtung, die nach Interesse wählbar ist. Unter Anleitung von Ärztinnen und Ärzten werden dabei vielfältige Aufgaben übernommen – von Anamnesen über das Begleiten von Visiten bis hin zum Assistieren bei Untersuchungen und Operationen. Damit stellt das PJ die letzte große Ausbildungseinheit vor dem 3. Abschnitt der Ärztlichen Prüfung, dem dritten Staatsexamen, dar.