Sandra Burwinkel, die eigentlich immer davon träumte, eines Tages ein eigenes Hotel zu führen, handelt dagegen eher rational. Als Prokuristin und Kauffrau achtet sie auf Machbarkeit, Kosten, Zuständigkeiten. Sie stellt konsequent die entscheidenden Fragen: „Was bringt’s? Wer macht’s? Bis wann? Und was, wenn es schiefgeht?“ Ehrgeizig war sie immer, zielstrebig ebenso. Dabei jedoch zugleich sicherheitsbedacht genug, um aus Ideen belastbare Pläne zu machen. Wo er Tempo macht, installiert sie Leitplanken. Wo er Chancen sieht, überprüft sie die Risiken. So entsteht am Ende das, was beide wollen: Entscheidungen, die tragen und das Unternehmen zukunftsfähig aufstellen.
Dass dazu heute mehr gehört als stetiges Wachstum, haben beide verstanden. Die Kunststoffbranche muss sich zunehmend kritischen Fragen stellen. Was über Jahrzehnte als Fortschritt galt – leicht, robust, günstig –, steht heute auch für ungelöste Folgen: Plastikabfälle im Meer, Mikroplastik in Böden und Gewässern, Verpackungen mit kurzer Nutzungsdauer – all das gehört zu einer Realität, die man nicht ausblenden kann.
Wer Kunststoff verarbeitet, trägt Verantwortung dafür, wie Produkte designt, produziert, genutzt und am Ende verwertet werden.
Sandra und Martin Burwinkel erinnern sich an ein Gespräch mit ihrer Tochter Milla. Aus Sorge um ihre Zukunft wollte sie zu einer Demonstration von Fridays for Future. „Da haben wir gemerkt, dass wir uns klar und deutlich positionieren müssen – ohne Drumherumreden, ohne Greenwashing.“
So ist Nachhaltigkeit im Unternehmen längst zum Prinzip geworden, in erster Linie verantwortet von Sandra Burwinkel. „Seit 2020 richten wir alle betrieblichen Aktivitäten konsequent an einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft aus – gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden und mit verbesserten Abläufen“, betont sie.
Über die Jahre ist in der Produktion der Anteil an Rezyklaten immer weiter gestiegen. Heute liegt er bei mehr als 50 Prozent, rechnet Martin Burwinkel vor. Rezyklate sind wiederverwertete Kunststoffe: Granulate, die bereits im Einsatz waren und nach dem Sortieren und Aufbereiten erneut verarbeitet werden. Entscheidend ist ihre gleichbleibende Qualität: Sie kommen nur dann zum Einsatz, wenn Lieferqualität und Materialdaten passen. Die Wiederverwertung senkt also den Einsatz von Neumaterial, spart Energie und CO₂ und reduziert Abfall.
Das bleibt auch außerhalb der Region nicht unbemerkt: Anerkennung und Aufmerksamkeit erntete das Unternehmen für sein Engagement im April 2025: Burwinkel wurde mit dem CSR-Preis der Bundesregierung geehrt, weil es Nachhaltigkeit nicht als Projekt, sondern als dauerhafte Haltung begreift. Dabei konnte sich der Mittelständler gegen namhafte Konzerne wie BASF, Deutsche Post/DHL und EnBW durchsetzen. „Die Auszeichnung zeigt: Mit Nachhaltigkeit kann man gewinnen“, freute sich Martin Burwinkel in seiner Dankesrede vor rund 200 geladenen Gästen aus Politik und Wirtschaft in Berlin.
Hier die große Bühne in der Hauptstadt, da der Alltag in Mühlen. Der Familienbetrieb mit seinen inzwischen 125 Mitarbeitenden lebt nicht von Preisen, sondern von der Energie, die alle hineinstecken.
Im Werk herrscht ein Ton, der von Respekt und Nähe geprägt ist: kurze Wege, offene Türen, ein Miteinander, das über Hierarchien hinweg funktioniert.
Chef Martin Burwinkel selbst geht mit vollem Einsatz voran. Er sagt von sich, er sei mehr oder weniger rund um die Uhr für das Unternehmen da. Das Telefon bleibt immer an. Und wenn’s sein muss – dafür gibt es Beispiele –, fährt er auch mitten in der Nacht aufs Gelände, um nach dem Rechten zu sehen.
Ehefrau Sandra trägt das mit. Sie findet es nicht schlimm, wenn zu Hause viel über die Firma gesprochen wird. Im Gegenteil: Sie ist Teil davon – häufig als Stimme der Vernunft. Wie ist das also, als Paar ein Unternehmen zu führen, das so eng mit dem eigenen Leben verbunden ist? „Wir ergänzen uns“, sagt Sandra Burwinkel. Ein Satz, der schlicht klingt, aber Gewicht hat.