Manuela Fastje

Vom Behandeln zum Gestalten

17.02.2026
Autorin: Vanessa Afken

Vom Wunsch, Ärztin zu werden, bis zur stellvertretenden Leitung des Gesundheitsamts Cloppenburg: Manuela Fastje verbindet klinische Erfahrung mit Verantwortung für die Gesundheit einer ganzen Region. Ein Porträt über einen vielseitigen Berufsweg, neue Perspektiven in der Medizin und das Arbeiten dort, wo Nähe, Vernetzung und Lebensqualität zusammenkommen.

Das Bestreben, Medizin zu studieren, war bei Manuela Fastje früh da. Schon als Kind wusste sie, dass sie Ärztin werden wollte. Aufgewachsen in Trier, faszinierte sie die Medizin durch ihre Vielschichtigkeit und Verantwortung. Der Weg dorthin war jedoch kein Selbstläufer: „Medizin kann man nicht in Trier studieren, man musste auf jeden Fall in eine andere Stadt – und das war auch eine finanzielle Frage“, erinnert sie sich.  Für sie eröffnete sich eine Möglichkeit über die Bundeswehr. Ein pragmatischer und bewusster Schritt in einer Zeit, in der die Bundeswehr noch eine reine Verteidigungsarmee war.

Nach dem Studium führte ihr Weg sie bewusst in den Norden. Urlaube an der Nordseeküste hatten früh eine Verbundenheit entstehen lassen, die schließlich zur Entscheidung führte, am damaligen Bundeswehrkrankenhaus in Bad Zwischenahn zu arbeiten.

Medizin in all ihren Facetten

Fastje absolvierte ihre Weiterbildung zur Fachärztin in der Anästhesie und sammelte dabei umfassende Erfahrungen in der Intensivmedizin sowie in der Inneren Medizin und der Kinderklinik. Später arbeitete sie auch in der Rettungsmedizin. Besonders prägend war ihre Zeit als Schiffsärztin bei der Marine in Wilhelmshaven. „Man hat mit allen Altersklassen zu tun: mit Kindern, Erwachsenen, älteren Menschen. Diese Vielseitigkeit hat mir schon damals sehr viel Spaß gemacht“, sagt Fastje.

Die Intensivmedizin wurde zu ihrem fachlichen Schwerpunkt. Doch mit den Jahren – und verstärkt durch die Erfahrungen während der Corona-Pandemie – wuchs auch die Erkenntnis, dass Dauerbelastung, Schichtdienst und körperliche Anforderungen langfristig ihren Preis haben. Gleichzeitig entstand der Wunsch nach einem Arbeitsfeld, das ebenso sinnstiftend, aber langfristig gut vereinbar mit Familie und Leben ist.

Der Impuls zum Wechsel kam schließlich aus dem persönlichen Umfeld. Eine Freundin arbeitete bereits im öffentlichen Gesundheitswesen und berichtete von der Vielseitigkeit dieses Bereichs – ein Feld, das im Medizinstudium kaum vorkommt und vielen jungen Ärztinnen und Ärzten unbekannt bleibt.

Ankommen im Gesundheitsamt

Heute ist Manuela Fastje stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts Cloppenburg. Ihre Arbeit unterscheidet sich grundlegend von der kurativen Medizin – und ist doch eng mit ihr verbunden. Im Gesundheitsamt geht es nicht um Behandlung, sondern um Einordnung, Begutachtung, Prävention und Koordination. Die Aufgaben reichen von Einschulungsuntersuchungen über sozialmedizinische Begutachtungen, Infektionsschutz, Trink- und Badewasserhygiene bis hin zu Aufgaben im sozialpsychiatrischen Dienst.

Was sie besonders schätzt: „Jeder Tag ist eigentlich anders“, sagt sie. Während Begutachtungen planbar sind, bringen Infektionsmeldungen, psychosoziale Krisen oder neue Herausforderungen im Bevölkerungsschutz immer wieder Unvorhersehbares mit sich. Gerade diese Mischung aus Struktur und Dynamik empfindet sie als bereichernd.

Dabei bleibt der Kontakt zu Menschen zentral. Auch ohne klassische Patientenversorgung ist Kommunikation ein Kern der Arbeit. „Man ist oft Übersetzerin: Was hat der Mensch medizinisch – und was bedeutet das konkret für seinen Alltag?“, beschreibt Fastje ihre Aufgabe.

Ein Beruf mit Zukunft

Für Fastje steht fest: Das öffentliche Gesundheitswesen bietet Zukunftssicherheit, Vielfalt und Gestaltungsspielraum. Gerade jungen Ärzten empfiehlt sie, verschiedene Bereiche kennenzulernen, zu hospitieren und Fragen zu stellen – auch im Gesundheitsamt. „Viele kennen die Möglichkeiten gar nicht und wissen nicht, was hier alles angeboten wird.“

Hinzu kommt ein Aspekt, der im ärztlichen Alltag immer wichtiger wird: Familienfreundlichkeit. Geregelte Arbeitszeiten, planbare Strukturen und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben machen den öffentlichen Gesundheitsdienst zu einem attraktiven Arbeitgeber.

Manuela Fastje steht für einen medizinischen Berufsweg, der deutlich macht, dass Engagement für Gesundheit viele Gesichter haben kann – und dass medizinische Arbeit im Oldenburger Münsterland von Offenheit, kurzen Wegen und einer starken regionalen Zusammenarbeit geprägt ist.