Medizin in all ihren Facetten
Fastje absolvierte ihre Weiterbildung zur Fachärztin in der Anästhesie und sammelte dabei umfassende Erfahrungen in der Intensivmedizin sowie in der Inneren Medizin und der Kinderklinik. Später arbeitete sie auch in der Rettungsmedizin. Besonders prägend war ihre Zeit als Schiffsärztin bei der Marine in Wilhelmshaven. „Man hat mit allen Altersklassen zu tun: mit Kindern, Erwachsenen, älteren Menschen. Diese Vielseitigkeit hat mir schon damals sehr viel Spaß gemacht“, sagt Fastje.
Die Intensivmedizin wurde zu ihrem fachlichen Schwerpunkt. Doch mit den Jahren – und verstärkt durch die Erfahrungen während der Corona-Pandemie – wuchs auch die Erkenntnis, dass Dauerbelastung, Schichtdienst und körperliche Anforderungen langfristig ihren Preis haben. Gleichzeitig entstand der Wunsch nach einem Arbeitsfeld, das ebenso sinnstiftend, aber langfristig gut vereinbar mit Familie und Leben ist.
Der Impuls zum Wechsel kam schließlich aus dem persönlichen Umfeld. Eine Freundin arbeitete bereits im öffentlichen Gesundheitswesen und berichtete von der Vielseitigkeit dieses Bereichs – ein Feld, das im Medizinstudium kaum vorkommt und vielen jungen Ärztinnen und Ärzten unbekannt bleibt.
Ankommen im Gesundheitsamt
Heute ist Manuela Fastje stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamts Cloppenburg. Ihre Arbeit unterscheidet sich grundlegend von der kurativen Medizin – und ist doch eng mit ihr verbunden. Im Gesundheitsamt geht es nicht um Behandlung, sondern um Einordnung, Begutachtung, Prävention und Koordination. Die Aufgaben reichen von Einschulungsuntersuchungen über sozialmedizinische Begutachtungen, Infektionsschutz, Trink- und Badewasserhygiene bis hin zu Aufgaben im sozialpsychiatrischen Dienst.
Was sie besonders schätzt: „Jeder Tag ist eigentlich anders“, sagt sie. Während Begutachtungen planbar sind, bringen Infektionsmeldungen, psychosoziale Krisen oder neue Herausforderungen im Bevölkerungsschutz immer wieder Unvorhersehbares mit sich. Gerade diese Mischung aus Struktur und Dynamik empfindet sie als bereichernd.
Dabei bleibt der Kontakt zu Menschen zentral. Auch ohne klassische Patientenversorgung ist Kommunikation ein Kern der Arbeit. „Man ist oft Übersetzerin: Was hat der Mensch medizinisch – und was bedeutet das konkret für seinen Alltag?“, beschreibt Fastje ihre Aufgabe.