Dr. Achim Gutersohn

Der Arzt, dem die Basketballprofis vertrauen

18.09.2025
Autor: Claus Spitzer-Ewersmann

Der Headcoach, seine Assistenten, der Videoanalyst und der medizinische Staff: Das ist das Team hinter dem Team beim Basketballbundesligisten RASTA Vechta. Zum Ärztestab zählt unter anderem der Kardiologe Dr. Achim Gutersohn. 

Wer Leistungssport betreibt, braucht nicht nur Talent und Training, sondern vor allem eines: Gesundheit. Beispiel Basketball: Ohne ein Herz-Kreislauf-System, das Höchstleistungen verkraftet, sind Spitzenleistungen undenkbar. Ebenso wenig ohne die körperliche Stabilität, die die für diesen Sport typischen schnellen Richtungswechsel, Sprünge und Sprints erst ermöglicht. Und weil bei Profisportlern kleinste Schwächen gravierende Folgen haben können, ist die medizinische Begleitung im Hintergrund heute so professionell organisiert wie das Training auf dem Court.

Check auf Herz und Nieren

Alle Basketball-Bundesligisten vertrauen auf ein mehrköpfiges Ärzteteam. Auch RASTA Vechta. Für das wohl sensibelste Organ der Spieler – das Herz – ist Kardiologe Dr. Achim Gutersohn zuständig. Bevor ein neuer Spieler unter Vertrag genommen wird, untersucht er ihn gründlich auf Herz und Nieren. „Der medizinische Check gliedert sich in den internistischen Teil, bei dem vor allem die Herz-Kreislauf-Funktion und die Blutwerte im Fokus stehen, sowie den orthopädischen Teil, in dem es um den Bewegungsapparat geht“, erläutert der gebürtige Westfale. 

Fallen die Tests unauffällig aus, steht einer Verpflichtung nichts im Weg. Laut Achim Gutersohn gab es aber auch bei RASTA schon Kandidaten für die Profimannschaft, bei denen die Checks Aufschlüsse über gesundheitliche Auffälligkeiten und Risiken ergaben. In solchen Fällen verzichtet der Klub wohl oder übel auf die angedachte Vertragsunterzeichnung.

Vom Nachwuchs bis zu den Profis

Der aus Bocholt stammende Gutersohn begleitet RASTA bereits seit 2011. „Man begann damals, auch das sogenannte Team hinter dem Team zu professionalisieren.“ Dank seiner jahrelangen Erfahrung kennt der Arzt die besonderen körperlichen Belastungen des Basketballsports genau. Er weiß deshalb, wie wichtig der Check vor dem Saisonbeginn ist. Beim aktuellen Kader, für den die Spielzeit Ende September beginnt, ist er optimistisch: „Das Durchschnittsalter ist recht niedrig, die Spieler sind durchweg fit. Da mache ich mir keine Sorgen.“

Mit jungen Spielern kennt Gutersohn sich aus. Regelmäßig kümmert er sich auch um die Akteure aus den Jugendmannschaften – und stößt dabei gelegentlich auch auf seinen Sohn Tristan. Der 16-Jährige läuft erfolgreich für das Jugendbundesliga-Team von RASTA auf. Für den Mediziner, der auch schon mehrmals Spieler im Haus seiner Familie wohnen ließ, ist sein Engagement weit mehr als eine Pflicht. Er sieht es als seinen Beitrag dazu an, dass Basketball in Vechta weiterhin auf soliden, gesunden Beinen steht.

„Die Menschen im Oldenburg Münsterland sehen eher Chancen als Probleme und haben eine hohe Motivation, anzupacken.“ - Dr. Achim Gutersohn

 

Im Hauptberuf Chefarzt in Vechta

Bei allen Spielen der Basketball-Bundesliga ist die Anwesenheit eines Arztes vorgeschrieben; die Regularien sehen das verbindlich vor. Gutersohn teilt sich diese Aufgabe mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus dem medizinischen Stab. Mal sitzt der Orthopäde auf der Bank, mal der Internist, häufig ist auch der Kardiologe selbst dabei. Und das nicht nur bei Heimspielen, sondern ebenso bei Auswärtsbegegnungen.

Hauptberuflich leitet der 55-Jährige die Klinik für Kardiologie am St. Marienhospital in Vechta. Dort ist er Chefarzt und verantwortlich für die gesamte kardiologische Versorgung der Region. Von Routineuntersuchungen bis zu hochspezialisierten Eingriffen am Herzen reicht das Spektrum seiner Tätigkeit. Bevor er nach Vechta kam, war Achim Gutersohn in Hamburg tätig. Den Wechsel aufs Land hat er nie bereut – im Gegenteil. Hier schätzt er insbesondere die Mentalität der Menschen. „Sie sind sehr tolerant und offen für Neues“, betont er. „Sie sehen eher Chancen als Probleme und haben eine hohe Motivation, anzupacken.“ Keine Frage: Das passt zu ihm.

Ländlicher Raum statt Großstadt

Achim Gutersohn macht deutlich, wie sich berufliche Kompetenz und Leidenschaft miteinander verknüpfen lassen. Und zwar so, dass alle Beteiligten davon profitieren. Zugleich liefert er ein Beispiel dafür, dass dies in einer eher ländlich geprägten Region wie Vechta vielleicht sogar leichter gelingt als im „Haifischbecken“ der Großstadt. Dort, wo die Wege kürzer sind, die Menschen direkter zusammenarbeiten und gemeinsames Anpacken selbstverständlich ist, entsteht ein Umfeld, in dem – wie hier – Medizin und Sport ganz natürlich ineinandergreifen.

Ein Stethoskop und ien Laptop auf einem weißen Tisch

RASTA Vechta

So ist das Ärzteteam organisiert

  • Zum Stab gehören der Allgemein- und Sportmediziner Dr. Klaus Berding, HNO-Arzt Daniel Vornhusen, der Kardiologe Dr. Achim Gutersohn, die Orthopädin Dr. Nathalie Hoffmann und der Zahnarzt Dr. Alexander Herz.
  • Bei den Heimspielen im RASTA Dome sind meist mehrere aus diesem Team anwesend. „Wir sind ja auch Fans“, sagt Daniel Vornhusen.
  • Rund 100 Mitglieder hat der Verein BasketDocs (offiziell:Deutsche Basketballärzte e. V.), ist ein Zusammenschluss von Mannschaftsärztinnen und -ärzten im deutschen Basketball. Ziele sind die Etablierung medizinischer Standards, der kollegiale Austausch und die Förderung sportmedizinischer Expertise.