Kundinnen und Kunden, Geschäftspartner und Investoren erwarten zunehmend glaubwürdige Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Wer diesen Erwartungen gerecht wird, profiliert sich nicht nur als verantwortungsbewusstes Unternehmen, sondern verschafft sich auch handfeste Wettbewerbsvorteile.
Mit dem Ziel, Europa bis 2050 klimaneutral zu gestalten, hat die Europäische Union 2019 mit dem Green Deal eine Reihe weitreichender gesetzlicher Maßnahmen auf den Weg gebracht. Eine zentrale Rolle nimmt dabei die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ein, die ab 2027 große Unternehmen zur umfassenden Berichterstattung über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten verpflichtet. Ursprünglich sollten auch zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen (KMU) von der Richtlinie erfasst werden. Aufgrund erheblicher Umsetzungsbedenken wurde der Anwendungsbereich für mittlere Unternehmen und KMU jedoch zunächst eingeschränkt.
Ein weiteres Schlüsselregelwerk ist die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD). Diese verpflichtet große Unternehmen dazu, menschenrechtliche und ökologische Risiken entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette zu identifizieren, zu bewerten und zu managen.
Konkretisiert werden die Anforderungen durch die European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Sie orientieren sich an den bekannten ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) und geben detaillierte Vorgaben zur inhaltlichen Ausgestaltung der Berichte.
Für mittlere Unternehmen und KMU wurden ergänzend die VSME-Standards (Voluntary Standards for Small and Medium-sized Enterprises) veröffentlicht – ein freiwilliges Rahmenwerk zur Orientierung im Nachhaltigkeitskontext.
Trotz der im Februar 2025 veröffentlichten EU-Omnibus-Initiative, die eine umfassende Entbürokratisierung der Nachhaltigkeitsregulierung anstrebt, sowie der Stop-the-Clock-Richtlinie, die zentrale Berichtspflichten um bis zu zwei Jahre verschiebt, bleiben Nachhaltigkeitsthemen für Unternehmen relevant. Denn der Trickle-Down-Effekt entfaltet Wirkung: Große berichtspflichtige Unternehmen fordern ESG-Daten entlang ihrer Lieferkette ein – unabhängig davon, ob die betroffenen Partner selbst zur Berichterstattung verpflichtet sind.
Zudem wird die Bankenwelt durch den EU Green Deal verpflichtet für Firmenkunden ESG-Ratings durchzuführen und damit auch Daten rund um das Thema Nachhaltigkeit einzusammeln.
Herausforderungen für KMU: Weniger Ressourcen, gleicher Anspruch
Gerade für KMU bleibt die praktische Umsetzung dieser Anforderungen eine echte Herausforderung. Oft fehlen nicht nur personelle Kapazitäten, sondern auch das nötige Fachwissen oder eine klare strategische Ausrichtung. Nachhaltigkeit wird dann schnell zur Zusatzaufgabe. Dabei kann sie ein entscheidender Erfolgsfaktor sein.
Damit Nachhaltigkeit nicht zur Hürde, sondern zur Chance wird, braucht es gezielte Unterstützung. Genau hier setzen regionale Initiativen wie die Kooperation zwischen dem Verein Wachstumsregion Hansalinie e.V. (Hansalinie) und der Treuhand Weser-Ems Unternehmensberatung (TU, vorher: einfach.effizient.Treuhand Unternehmensberatung) an.
Regionale Kooperation bietet konkrete Hilfe
Die Hansalinie – ein Zusammenschluss der Landkreise Cloppenburg, Diepholz, Oldenburg, Osnabrück und Vechta – kooperiert eng mit der TU, um KMU bei der nachhaltigen Transformation zu begleiten. Das Ziel: praxisnahe und greifbare Lösungen, die Unternehmen dort abholen, wo sie stehen. Ein Element der Zusammenarbeit ist das Format der Nachhaltigkeitssprechtage – ein niedrigschwelliges, praxisnahes Beratungsangebot, das sich gezielt an regionale Unternehmen richtet.
Im Rahmen dieser kostenfreien Einzelberatungen erhalten Unternehmen die Möglichkeit, sich individuell, vertraulich und lösungsorientiert zu zentralen Nachhaltigkeitsthemen beraten zu lassen. Im Fokus stehen aktuelle Themen wie die Berichtspflicht nach der CSRD, die VSME-Standards, die ESG-Kriterien, das Bankenrating sowie die CO₂-Bilanzierung. Darüber hinaus greifen die Beratenden auch querschnittliche Herausforderungen auf, etwa:
- Wie gelingt die interne Kommunikation von Nachhaltigkeitsthemen gegenüber Mitarbeitenden oder Geschäftsführung?
- Welche Förderprogramme passen zu meinem Vorhaben?
- Welche Tools oder Softwarelösungen sind praxistauglich für mich?
Die Nachhaltigkeitssprechtage bieten damit nicht nur fachlichen Input, sondern schaffen auch einen geschützten Raum, in dem Unternehmen ihre konkreten Fragestellungen platzieren und individuelle nächste Schritte entwickeln können. Das Format hat sich als wirkungsvolles Instrument zur Sensibilisierung und konkreten Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen erwiesen – und trägt aktiv dazu bei, regionale Unternehmen zukunftsfest aufzustellen.