Wirtschaftsregion

Unternehmen auf Kurs bringen

18.03.2026
Autor*in: Paul Bauer (Hansalinie), Jörg Högemann (Treuhand)

Der Klimawandel, die Umweltverschmutzung und der Rückgang der biologischen Vielfalt zählen längst nicht mehr nur zu ökologischen Herausforderungen. Sie sind vielmehr zentrale Themen für Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen. Unternehmen stehen heute mehr denn je im Fokus, wenn es darum geht, nachhaltiges Handeln konkret umzusetzen. Dabei umfasst Nachhaltigkeit weit mehr als Umweltschutz: Auch soziale Verantwortung und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit gehören zu einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie.

Schnappschuss von der Infoveranstaltung „Nachhaltigkeit in der (Finanz-)Wirtschaft“ im ecopark Emstek: Ganz links Autor Paul Bauer von der Wachstumsregion Hansalinie e.V./Landkreis Cloppenburg, ganz rechts Jörg Högemann (Treuhand Weser-Ems Unternehmensberatung GmbH & Co. KG).

Kundinnen und Kunden, Geschäftspartner und Investoren erwarten zunehmend glaubwürdige Nachhaltigkeitsmaßnahmen. Wer diesen Erwartungen gerecht wird, profiliert sich nicht nur als verantwortungsbewusstes Unternehmen, sondern verschafft sich auch handfeste Wettbewerbsvorteile.

Mit dem Ziel, Europa bis 2050 klimaneutral zu gestalten, hat die Europäische Union 2019 mit dem Green Deal eine Reihe weitreichender gesetzlicher Maßnahmen auf den Weg gebracht. Eine zentrale Rolle nimmt dabei die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) ein, die ab 2027 große Unternehmen zur umfassenden Berichterstattung über ihre Nachhaltigkeitsaktivitäten verpflichtet. Ursprünglich sollten auch zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen (KMU) von der Richtlinie erfasst werden. Aufgrund erheblicher Umsetzungsbedenken wurde der Anwendungsbereich für mittlere Unternehmen und KMU jedoch zunächst eingeschränkt.

Ein weiteres Schlüsselregelwerk ist die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD). Diese verpflichtet große Unternehmen dazu, menschenrechtliche und ökologische Risiken entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette zu identifizieren, zu bewerten und zu managen.

Konkretisiert werden die Anforderungen durch die European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Sie orientieren sich an den bekannten ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance) und geben detaillierte Vorgaben zur inhaltlichen ­Ausgestaltung der Berichte.

Für mittlere Unternehmen und KMU wurden ergänzend die VSME-Standards (Vo­luntary Standards for Small and Medium-sized Enterprises) veröffentlicht – ein ­freiwilliges Rahmenwerk zur Orientierung im Nachhaltigkeitskontext.

Trotz der im Februar 2025 veröffentlichten EU-Omnibus-Initiative, die eine umfassende Entbürokratisierung der Nachhaltigkeitsregulierung anstrebt, sowie der Stop-the-Clock-Richtlinie, die zentrale Berichtspflichten um bis zu zwei Jahre ­verschiebt, bleiben Nachhaltigkeitsthemen für Unternehmen relevant. Denn der Trickle-Down-Effekt entfaltet Wirkung: ­Große berichtspflichtige Unternehmen ­fordern ESG-Daten entlang ihrer Liefer­kette ein – unabhängig davon, ob die betroffenen Partner selbst zur Bericht­erstattung verpflichtet sind.

Zudem wird die Bankenwelt durch den EU Green Deal verpflichtet für Firmenkunden ESG-Ratings durchzuführen und damit auch Daten rund um das Thema Nach­haltigkeit einzusammeln.

Herausforderungen für KMU: Weniger Ressourcen, gleicher Anspruch

Gerade für KMU bleibt die praktische Umsetzung dieser Anforderungen eine echte Herausforderung. Oft fehlen nicht nur personelle Kapazitäten, sondern auch das nötige Fachwissen oder eine klare strategische Ausrichtung. Nachhaltigkeit wird dann schnell zur Zusatzaufgabe. Dabei kann sie ein entscheidender ­Erfolgsfaktor sein.

Damit Nachhaltigkeit nicht zur Hürde, sondern zur Chance wird, braucht es gezielte Unterstützung. Genau hier setzen regionale Initiativen wie die Kooperation zwischen dem Verein Wachstumsregion Hansalinie e.V. (Hansalinie) und der Treuhand Weser-Ems Unternehmensberatung (TU, vorher: einfach.effizient.Treuhand Unternehmensberatung) an.

Regionale Kooperation bietet konkrete Hilfe

Die Hansalinie – ein Zusammenschluss der Landkreise Cloppenburg, Diepholz, Oldenburg, Osnabrück und Vechta – kooperiert eng mit der TU, um KMU bei der nachhaltigen Transformation zu begleiten. Das Ziel: praxisnahe und greifbare Lösungen, die Unternehmen dort abholen, wo sie stehen. Ein Element der Zusammenarbeit ist das Format der Nachhaltigkeitssprechtage – ein niedrigschwelliges, praxisnahes Beratungsangebot, das sich gezielt an regionale Unternehmen richtet.

Im Rahmen dieser kostenfreien Einzel­beratungen erhalten Unternehmen die Möglichkeit, sich individuell, vertraulich und lösungsorientiert zu zentralen Nachhaltigkeitsthemen beraten zu lassen. Im Fokus stehen aktuelle Themen wie die Berichtspflicht nach der CSRD, die VSME-Standards, die ESG-Kriterien, das Bankenrating sowie die CO₂-Bilanzierung. Darüber hinaus greifen die Beratenden auch querschnittliche Herausforderungen auf, etwa:

  • Wie gelingt die interne Kommunikation von Nachhaltigkeitsthemen gegenüber Mitarbeitenden oder Geschäftsführung?
  • Welche Förderprogramme passen zu meinem Vorhaben?
  • Welche Tools oder Softwarelösungen sind praxistauglich für mich?

Die Nachhaltigkeitssprechtage bieten damit nicht nur fachlichen Input, sondern schaffen auch einen geschützten Raum, in dem Unternehmen ihre konkreten Fragestellungen platzieren und individuelle nächste Schritte entwickeln können. Das Format hat sich als wirkungsvolles Instrument zur Sensibilisierung und konkreten Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen erwiesen – und trägt aktiv dazu bei, regionale Unternehmen zukunftsfest aufzustellen.

Gut besucht, viel gelernt: Veranstaltungen wie „CO₂-Bilanzierung in der Praxis“ in der ZWT Diepholz zeichnen sich durch inhaltliche Tiefe und einen hohen Anwendungsbezug aus.

Kompetenzaufbau durch Qualifizierung

Ein weiterer wichtiger Baustein: Die Ausbildung von Nachhaltigkeitskoordinatoren. Die TU qualifiziert Mitarbeitende gezielt für diese Rolle (auch in Kooperation mit der IHK), sodass sie als interne Multipli­katoren im Unternehmen wirken können. Sie übernehmen Verantwortung für die Planung, Umsetzung und Weiterentwicklung nachhaltiger Maßnahmen und sorgen dafür, dass Nachhaltigkeit im Alltag gelebt wird – nicht nur im Bericht.

Wissenstransfer durch Veranstaltungen 

Ergänzt wird und wurde das Angebot durch eine Reihe praxisorientierter Veranstaltungen, bei denen der Erfahrungsaustausch im Vordergrund stand – insbesondere durch Impulse und Fallbeispiele aus der Region.

Das Format „Nachhaltigkeit in der (Finanz-)Wirtschaft“ zeigte beispielsweise, wie sich regulatorische Anforderungen wie die EU-Taxonomie oder die ESG-Kriterien stra­tegisch in betriebliche Strukturen und Finanzprozesse integrieren lassen. Die ­Teilnehmenden erhielten praxisnahe Einblicke, wie Nachhaltigkeitsanforderungen insbesondere im Finanzierungs- und In­vestitionskontext berücksichtigt werden ­können – auch aus Sicht von Kredit­instituten und Kapitalgebern.

Veranstaltungen wie „CO₂-Bilanzierung in der Praxis“ sowie „CO₂-Bilanzierung in der Praxis – Fokus Maschinenbau“ zeichneten sich hingegen durch inhaltliche Tiefe und einen hohen Anwendungsbezug aus. Unternehmen lernten hier anerkannte Methoden und Standards wie das Greenhouse Gas Protocol und die ISO 14064-1 kennen. Anhand konkreter Beispiele wurde vermittelt, wie Betriebe ihre Emissionen systematisch erfassen, auswerten und gezielt reduzieren können – von der Datenerhebung bis zur Interpretation.

Darüber hinaus verdeutlichte das Veranstaltungsformat „In Nachhaltigkeit investieren – Chancen und Stolpersteine“ anhand realer Projekte, wie nachhaltiges Wirtschaften realistisch, wirkungsvoll und wirtschaftlich tragfähig umgesetzt werden kann. Offene Erfahrungsberichte von Unternehmen aus der Region, praktische Lösungswege und ein transparenter Umgang mit Herausforderungen machten die Veranstaltung zu einem lebendigen Forum für den Austausch zwischen Unternehmen und Unterstützungsstrukturen.

Die Veranstaltungen zeigten, dass Wissen, Vernetzung und Praxisnähe entscheidend sind, um Nachhaltigkeit vom abstrakten Konzept in unternehmerische Wirklichkeit zu überführen – in Finanzfragen, bei der Emissionsbewertung oder bei Investitionsentscheidungen.

Von der Theorie zur Praxis – so gelingt der Einstieg

Wer Nachhaltigkeit gezielt im Unternehmen verankern möchte, sollte strukturiert vorgehen. Ein erster Schritt besteht darin, zu prüfen, inwiefern regulatorische Vorgaben relevant sind. Anschließend sollte ein Projektverantwortlicher benannt und ein interdisziplinäres Team zusammengestellt werden – idealerweise aus verschiedenen Unternehmensbereichen wie Einkauf, Vertrieb, Produktion, Personal oder IT.

Mit der Auswahl einer passenden Softwarelösung kann ein systematisches ­Nachhaltigkeitsdatenmanagement etabliert werden. Darauf folgt eine Wesentlichkeitsanalyse, um herauszufinden, welche Themen für das jeweilige Unternehmen besonders relevant sind. Erst dann wird definiert, welche Standards und Datenpunkte erfasst werden - die Basis für eine glaubwürdige Berichterstattung und effektive Maßnahmen.

Nachhaltigkeit leben, konkrete Maßnahmen umsetzen

Nachhaltigkeit muss nicht abstrakt bleiben. Viele Maßnahmen lassen sich direkt umsetzen: etwa der Einbau von Photovoltaikanlagen, energieeffiziente Beleuchtungssysteme oder eine überarbeitete Logistikstrategie zur Emissionsreduktion. Auch der Einsatz nachhaltiger Verpackungen oder der Umstieg auf ressourcen­schonende Produktionsprozesse sind ­praxisnahe Schritte. Die Einbindung der Belegschaft sichert bei all den Maßnahmen eine hohe Akzeptanz. Wichtig ist dabei die kontinuierliche Überprüfung und Verbesserung dieser Maßnahmen – nur so wird Nachhaltigkeit dauerhaft wirksam.

Zukunft gestalten – gemeinsam und praxisnah

Die Hansalinie und die TU setzen ihre gemeinsame Arbeit fort – mit dem Ziel, Unternehmen langfristig beim Wandel zu unterstützen. Durch individuelle Beratung, gezielte Qualifizierung und regionale Vernetzung entsteht ein wertvoller Beitrag zur nachhaltigen Transformation und wirtschaftlichen Zukunftsfähigkeit der Region. Denn eines ist klar: Nachhaltigkeit ist mehr als ein Trend. Sie ist ein entscheidender Erfolgsfaktor – für Unternehmen, für die Gesellschaft und für kommende Genera­tionen.