Der Job ist hart, die Tage sind lang. Alfons Diekmann arbeitet rund um die Uhr. Die Verantwortung ist groß, denn die Ställe müssen laufen und Störungen sofort behoben werden. „In manchen Monaten kam ich auf 300 Stunden“, berichtet er.
Nach drei Jahren zieht Diekmann Konsequenzen und wagt den nächsten Schritt. Am Bundestechnologiezentrum für Elektrotechnik in Oldenburg meldet er sich zum Meisterkurs an, den er nach zwölf Monaten erfolgreich abschließt. Wenig später klopft ein alter Bekannter an die Tür: Anton Pohlmann. „Er wollte mich unbedingt zurück“, erzählt Diekmann. Pohlmann lockt mit neuem Dienstwagen und der Verantwortung für 30 Betriebe. Diekmann sagt zu.
Doch der Preis ist hoch: Das Privatleben leidet, eigentlich findet es gar nicht mehr statt. „Meine vier Kinder bekamen mich kaum noch zu sehen, meine Frau Gertrud war mit den Nerven am Ende.“ Auch Alfons Diekmann selbst steht permanent unter Strom, wird getrieben von Pflichtgefühl und Perfektionismus. Ihm wird klar, dass sich etwas ändern muss. „Diesen Stress muss ich nicht länger haben“, erinnert er sich an den Moment der Entscheidung. Mit den Worten „Ich möchte mich selbstständig machen!“ überrascht er seine Frau.
Im Freundeskreis der Diekmanns gibt es genügend Vorbilder. Sie raten dem 37-Jährigen, den Sprung zu wagen. „Das, was du für Pohlmann tust, kannst du auch auf eigene Rechnung haben“, sagen sie.
Die Selbstständigkeit wird zur Flucht nach vorn. Für Alfons Diekmann fühlt sie sich wie Befreiung an. Zum ersten Mal seit Jahren kann der Elektromeister selbst entscheiden, welche Projekte er annimmt, wann er arbeitet und wie viel er sich zumutet. Er weiß, dass die nächsten Monate hart werden, aber er spürt: Nur so kann er wieder zu sich selbst finden und das Gleichgewicht in die Familie zurückbringen.
Im Sommer 1985 geht es los – mit einer Werkbank und zwei Regalen in der Garage hinter dem Haus in Damme. „Meine Frau hat sich um die Buchführung gekümmert, ich mich um die Baustellen.“ Wer Alfons Diekmann näher kennt, merkt schnell, dass ihm die Unabhängigkeit neue Energie verleiht. Mit jeder gelungenen Aufgabe wächst das Selbstvertrauen. Die Selbstständigkeit ist nicht nur ein beruflicher, sondern auch ein persönlicher Neuanfang.
Dem jungen Betrieb kommen Diekmanns Kontakte in die Eier- und Geflügelbranche zugute. Die Firma kontinuierlich, die Auftragsbücher sind voll. Zu den Kunden zählen Geflügelhöfe, Brütereien und Verarbeitungsbetriebe. Sie alle brauchen verlässliche Elektrotechnik, damit die Produktion nicht stockt.
Der Experte kennt die Abläufe. Er weiß, wo Probleme entstehen, und welche Lösungen helfen. Besonders gern arbeitet er für inhabergeführte Betriebe. Dort werden Entscheidungen noch persönlich getroffen. So schafft sich Diekmann einen hochkarätigen Kundenstamm, der die Existenz des Unternehmens sichert und ihm eine Zukunftsperspektive gibt.
Ende der Neunzigerjahre beginnt für die Firma eine neue Phase. 1997 steigt Sohn Thorsten Diekmann, ebenfalls Elektromeister, in den Betrieb ein.
Zunächst führt er die Geschäfte gemeinsam mit seinem Vater. Die Kombination aus Erfahrung und frischen Ideen bringt das Unternehmen weiter voran. Und die Expertise ist auch im Ausland gefragt. So plant und realisiert man etwa Stallanlagen in mehreren osteuropäischen Ländern. Dank der modernen Technik werden sie anfangs sogar von Damme aus überwacht und gesteuert.