Unternehmer des Jahres

Wenn Verantwortung, Innovation und Menschlichkeit zusammengehen

02.12.2025
Autor: Claus Spitzer-Ewersmann

Ein starkes Duo: Martin und Sandra Burwinkel führen die Burwinkel Kunststoffwerk GmbH in Mühlen als Familienunternehmen mit klarem Kompass. Während er mit Ideen vorangeht, sorgt sie dafür, dass sie umsetzbar bleiben. Beide stehen für einen Mittelstand, der Verantwortung ernst nimmt – gegenüber seinen Mitarbeitenden, der Region und dem Material, mit dem alles begann. Sie werden dafür als Unternehmer des Jahres im Oldenburger Münsterland ausgezeichnet.

Martin und Sandra Buwinkel sind unsere Unternehmer des Jahres 2025

Der Grundstein des Unternehmens wurde 1978 von Franz Burwinkel gelegt, einem Tüftler mit Pioniergeist. Was als improvisierte Werkstatt in einem umgebauten Hühnerstall begann, wuchs zu einem Betrieb mit wachsender Belegschaft und wachsender Bedeutung für die Kunststoffbranche im Oldenburger Münsterland. Sohn Martin war damals acht Jahre alt – und schon früh vom Unternehmergeist seines Vaters fasziniert. „Ich war oft im Betrieb“, erinnert er sich. „Unser Vater hat uns den Spaß an der Arbeit vorgelebt.“ - Martin Burwinkel

Überzeugung statt Pflichtgefühl

Nach dem Abitur studiert Martin Wirtschaftsingenieurwesen, sammelt Berufserfahrung und kehrt Mitte der Neunzigerjahre in die Region zurück – „nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Überzeugung“. 1996 steigt er in die Geschäftsführung ein, seit dem Tod seines Vaters 2013 führt er das Unternehmen allein. Wobei ganz allein nicht stimmt: Ehefrau Sandra Burwinkel, gelernte Kauffrau und Prokuristin, ist seine wichtigste Stütze. Er nennt sich selbst einen „grenzenlosen Optimisten“, sie ist die Stimme der Vernunft. Wo er Chancen sieht, prüft sie Risiken. Wo er Gas gibt, zieht sie die Leitplanken ein. Gemeinsam treffen sie Entscheidungen, die tragen.

Dabei wissen beide, dass die Kunststoffbranche sich wandeln muss. Was lange als Fortschritt galt – leicht, robust, günstig –, steht heute auch für ökologische Probleme. „Wer Kunststoff verarbeitet, trägt Verantwortung dafür, wie Produkte designt und recycelt werden“, sagt Sandra Burwinkel. Der Anstoß zum Umdenken kam aus der Familie: Tochter Milla wollte zu einer Fridays-for-Future-Demo. „Da wussten wir, dass wir uns klar positionieren müssen – ohne Greenwashing.“

 

Foto: v. l. n. r. : Johann Wimberg, Olaf Lies, Milla Burwinkel, Henry Burwinkel, Tobias Schulz, Martin Burwinkel, Sandra Burwinkel, Ludger Abeln, Tobias Gerdesmeyer, Sebastian Gehrold

Nähe und Respekt

Seit 2020 richtet Burwinkel alle betrieblichen Abläufe konsequent an den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft aus. Mehr als 50 Prozent der Produkte bestehen inzwischen aus Rezyklaten, also wiederverwerteten Kunststoffen. Das spart Energie, CO₂ und Neumaterial. Für dieses Engagement wurde das Unternehmen 2025 mit dem CSR-Preis der Bundesregierung ausgezeichnet – vor namhaften Konzernen wie BASF, Deutsche Post/DHL und EnBW. „Die Auszeichnung zeigt, dass man mit Nachhaltigkeit gewinnen kann“, sagte Martin Burwinkel bei der Preisverleihung in Berlin.

Doch die Burwinkels leben nicht für Preise, sondern für ihr Unternehmen. Im Werk in Mühlen herrscht ein Ton, der von Nähe und Respekt geprägt ist: kurze Wege, offene Türen, ein Miteinander, das über Hierarchien hinweg funktioniert. 125 Mitarbeitende und 16 Hallen zählt der Betrieb heute. Martin ist für sie fast immer erreichbar, fährt notfalls auch nachts auf das Gelände. Sandra trägt das mit.

 

Stolz auf den Übergang

Wie das ist, als Paar gemeinsam ein Unternehmen zu führen? „Wir ergänzen uns“, sagt sie schlicht. Ein Satz, der viel erklärt. Kritik wird offen geäußert, aber nie gegeneinander. Berufliches und Privates lassen sich kaum trennen – und sollen es auch nicht. „Die Firma ist Teil unseres Lebens“, sagt Martin Burwinkel. Heute darf man bei beiden wohl von einem Vorzeige-Unternehmerpaar sprechen: bodenständig, verlässlich, zukunftsorientiert. Martin gibt die Richtung vor, Sandra hilft, den Kurs zu sichern. Gemeinsam haben sie ein Familienunternehmen geformt, das zeigt, wie Verantwortung, Innovation und Menschlichkeit zusammengehen.

Worauf Martin Burwinkel besonders stolz ist? „Darauf, dass der Übergang von der ersten zur zweiten Generation so reibungslos funktioniert hat“, sagt er. Ein Satz, der den Kreis schließt – zurück zu Vater Franz, dem Tüftler im Hühnerstall, dessen Tatkraft und Erfindergeist bis heute das Fundament des Unternehmens bilden.

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