Papier ist bekanntlich geduldig. Gibt es bereits konkrete Pläne, wie die Vorgaben aus dem Konzept umgesetzt werden sollen?
Holtvogt: Die einzelnen Maßnahmen sind mit Zeitangaben versehen. Einige sollen kurzfristig umgesetzt werden, andere sind auf eine längere Perspektive ausgelegt. Diese zeitliche Staffelung ist uns wichtig, um strukturiert und zielgerichtet vorgehen zu können. Ein konkretes Beispiel ist die Boxenstopproute 2.0, die für uns hohe Priorität hat und bereits in naher Zukunft angepackt werden soll.
Knuck: Man muss berücksichtigen, dass sich der Tourismus in einem tiefgreifenden Wandel befindet und es viele externe Einflussfaktoren gibt – etwa die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeit oder das veränderte Reiseverhalten nach der Pandemie. Wenn wir jetzt sagen würden, wir haben ein Konzept für das nächste Jahrzehnt, dann wäre das eher Kaffeesatzleserei als vorausschauende Planung. Unser Anspruch ist vielmehr, in einem Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren flexibel mit dem Konzept zu arbeiten und es bei Bedarf an neue Rahmenbedingungen anzupassen.
Thema Geld …
Knuck: Im Konzept skizzieren wir den Optimalfall der Entwicklung. Selbstverständlich kosten diese Maßnahmen Geld und verursachen personelle Aufwände. Es braucht also eine Entscheidung: Will man diesen Weg konsequent gehen und investieren – oder akzeptiert man, dass die bisherige Dynamik an Fahrt verliert? Alternativ bleibt die Option, sich auf projektbezogene Förderungen zu konzentrieren. So wie wir es für die bereits angesprochene Boxenstopproute 2.0 beabsichtigen.
Holtvogt: Um die positive Entwicklung fortzuschreiben und nicht auf dem aktuellen Stand zu verharren, braucht es mehr finanzielle Mittel und zusätzliches Personal. Darin liegt die Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Wünschenswert wäre etwa, für die Umsetzung der Boxenstopproute 2.0 eine Projektstelle finanziert zu bekommen.
Knuck: Damit wäre uns enorm geholfen. Wir wollen keine Luftschlösser bauen, wir brauchen lediglich eine verlässliche, planbare Finanzierung des Tourismus. Die Erfolge werden sich einstellen, davon sind wir überzeugt.
Wie steht das Oldenburger Münsterland im Vergleich zu den anderen Destinationen in Niedersachsen da?
Knuck: Unsere Region hat inzwischen ein klares touristisches Profil. Noch vor wenigen Jahren wurden wir von Vertreterinnen und Vertretern anderer Regionen eher belächelt. Das ist heute nicht mehr der Fall. Das liegt an einem klaren Standing und selbstbewussten Botschaften, durch die wir wahrgenommen werden.
Belegen das auch die Zahlen?
Knuck: Absolut. Wir sind in Niedersachsen eine der sich am dynamischsten entwickelnden Regionen. Die Übernachtungszahlen steigen kontinuierlich, und in puncto Gästezufriedenheit liegen wir landesweit an der Spitze. In den ersten Monaten des Jahres konnten wir ein Plus von über zehn Prozent bei den Ankünften verzeichnen. Wir müssen uns nicht verstecken, auch wenn wir nie den Stellenwert von Harz, Lüneburger Heide oder Nordsee erreichen werden, wo Tourismus das zentrale wirtschaftliche Standbein ist. Aber das wollen wir gar nicht. Wir entwickeln den Tourismus bewusst als ein zusätzliches Standbein der regionalen Wirtschaft.
Frau Holtvogt, Herr Knuck, vielen Dank für das Gespräch.
„Wir wollen den Tourismus im Oldenburger Münsterland zukunftsorientiert und unter Berücksichtigung unserer Stärken weiterentwickeln.“ Meike Holtvogt