Neues Konzept

Wege in eine starke touristische Zukunft

30.07.2025
Autor: Claus Spitzer-Ewersmann

Mit einem neuen Tourismuskonzept, das die bisherigen Entwicklungen aufgreift und zugleich Perspektiven für die nächsten Jahre bietet, will der Verbund Oldenburger Münsterland die Region zukunftssicher aufstellen. Nachhaltigkeit, Regionalität und Identität stehen dabei ebenso im Fokus wie Maßnahmen, mit denen der Tourismus als wirtschaftliches Standbein gestärkt wird, betonen die Verantwortlichen Johannes Knuck und Meike Holtvogt im Gespräch.

Wofür ist das neue Tourismuskonzept wichtig?

 

Johannes Knuck: Es ist von großer Bedeutung für die weitere touristische Entwicklung der Region. Hier definiert das Konzept Leitlinien. Das bisherige Papier war veraltet, es stammte aus dem Jahr 2013. Seitdem hat sich einiges bei uns getan, etwa hinsichtlich des Markenbildungsprozesses und der optimierten Tourismusmarketingkommunikation. Zudem hat sich die Region touristisch sehr dynamisch entwickelt. Es war also an der Zeit, eine neue Grundlage für die nächsten fünf bis zehn Jahre zu schaffen.

 

Meike Holtvogt: Darüber hinaus bildet das Konzept die Basis, um sich um Fördermittel aus den verschiedenen Programmen von EU, Bund und Land bewerben zu können, die wir für die weitere nachhaltige touristische Entwicklung benötigen.

 

Von Nachhaltigkeit im Tourismus war 2013 noch gar nicht die Rede …

 

Knuck: Nein, in der Tat nicht. Heute jedoch sind Nachhaltigkeit und Regionalität Eckpfeiler unserer Identität. In dieser Hinsicht sollten wir das Oldenburger Münsterland deutlich selbstbewusster denken. Wir verfügen über eine starke, lokal verankerte Landwirtschaft, wir produzieren vor Ort und vermarkten unsere Erzeugnisse direkt – etwa über Hofläden. Das ist gelebte Regionalität. Genau darauf sollten wir auch im Tourismus verstärkt setzen. Hinzu kommt unsere ausgeprägte Erfahrung im Umgang mit Veränderungsprozessen. Transformation – das können wir!

 

Was sind die wichtigsten Botschaften des Konzepts?

 

Holtvogt: Die zentrale und übergeordnete Aussage ist, dass wir den Tourismus im Oldenburger Münsterland zukunftsorientiert und unter Berücksichtigung unserer Stärken weiterentwickeln wollen. Wir möchten das Bewusstsein für seine Bedeutung weiter erhöhen und im Zuge dessen die notwendigen Organisationsstrukturen nachhaltig etablieren. Darum geht es.

 

Wird der Tourismus in der Region noch unterschätzt?

 

Holtvogt: Das Feedback auf unsere Tätigkeiten fällt durchweg positiv aus, auch die Kennzahlen werden kontinuierlich erfreulicher. Dennoch sehen wir Potenzial, das noch nicht ausgeschöpft ist. Es gibt zahlreiche Stellschrauben, an denen wir drehen können, um das touristische Profil der Region weiter zu schärfen und zusätzliche Impulse zu setzen. Inzwischen werden wir übrigens verstärkt auch als kompetente Ansprechpartner in touristischen Fragen wahrgenommen, auch auf Landesebene. Das war lange Zeit nicht selbstverständlich. Mittlerweile aber häufen sich die Anfragen. Auch damit wird deutlich, dass der Stellenwert gewachsen ist.

 

Knuck: Dass die Wertschätzung vorhanden ist, merken wir an vielen Stellen. Städte und Gemeinden planen, ihre touristischen Angebote auszubauen oder die Hotelkapazitäten zu erweitern. Es wird nicht mehr in Zweifel gezogen, dass Tourismus hier ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist. Dabei sind es oft die kleinen, gezielten Maßnahmen, die den Unterschied machen und die Akzeptanz in der Bevölkerung weiter stärken.

Papier ist bekanntlich geduldig. Gibt es bereits konkrete Pläne, wie die Vorgaben aus dem Konzept umgesetzt werden sollen?

 

Holtvogt: Die einzelnen Maßnahmen sind mit Zeitangaben versehen. Einige sollen kurzfristig umgesetzt werden, andere sind auf eine längere Perspektive ausgelegt. Diese zeitliche Staffelung ist uns wichtig, um strukturiert und zielgerichtet vorgehen zu können. Ein konkretes Beispiel ist die Boxenstopproute 2.0, die für uns hohe Priorität hat und bereits in naher Zukunft angepackt werden soll.

 

Knuck: Man muss berücksichtigen, dass sich der Tourismus in einem tiefgreifenden Wandel befindet und es viele externe Einflussfaktoren gibt – etwa die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeit oder das veränderte Reiseverhalten nach der Pandemie. Wenn wir jetzt sagen würden, wir haben ein Konzept für das nächste Jahrzehnt, dann wäre das eher Kaffeesatzleserei als vorausschauende Planung. Unser Anspruch ist vielmehr, in einem Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren flexibel mit dem Konzept zu arbeiten und es bei Bedarf an neue Rahmenbedingungen anzupassen.

 

Thema Geld …

 

Knuck: Im Konzept skizzieren wir den Optimalfall der Entwicklung. Selbstverständlich kosten diese Maßnahmen Geld und verursachen personelle Aufwände. Es braucht also eine Entscheidung: Will man diesen Weg konsequent gehen und investieren – oder akzeptiert man, dass die bisherige Dynamik an Fahrt verliert? Alternativ bleibt die Option, sich auf projektbezogene Förderungen zu konzentrieren. So wie wir es für die bereits angesprochene Boxenstopproute 2.0 beabsichtigen.

 

Holtvogt: Um die positive Entwicklung fortzuschreiben und nicht auf dem aktuellen Stand zu verharren, braucht es mehr finanzielle Mittel und zusätzliches Personal. Darin liegt die Herausforderung, der wir uns stellen müssen. Wünschenswert wäre etwa, für die Umsetzung der Boxenstopproute 2.0 eine Projektstelle finanziert zu bekommen.

 

Knuck: Damit wäre uns enorm geholfen. Wir wollen keine Luftschlösser bauen, wir brauchen lediglich eine verlässliche, planbare Finanzierung des Tourismus. Die Erfolge werden sich einstellen, davon sind wir überzeugt.

 

Wie steht das Oldenburger Münsterland im Vergleich zu den anderen Destinationen in Niedersachsen da?

 

Knuck: Unsere Region hat inzwischen ein klares touristisches Profil. Noch vor wenigen Jahren wurden wir von Vertreterinnen und Vertretern anderer Regionen eher belächelt. Das ist heute nicht mehr der Fall. Das liegt an einem klaren Standing und selbstbewussten Botschaften, durch die wir wahrgenommen werden.

 

Belegen das auch die Zahlen?

 

Knuck: Absolut. Wir sind in Niedersachsen eine der sich am dynamischsten entwickelnden Regionen. Die Übernachtungszahlen steigen kontinuierlich, und in puncto Gästezufriedenheit liegen wir landesweit an der Spitze. In den ersten Monaten des Jahres konnten wir ein Plus von über zehn Prozent bei den Ankünften verzeichnen. Wir müssen uns nicht verstecken, auch wenn wir nie den Stellenwert von Harz, Lüneburger Heide oder Nordsee erreichen werden, wo Tourismus das zentrale wirtschaftliche Standbein ist. Aber das wollen wir gar nicht. Wir entwickeln den Tourismus bewusst als ein zusätzliches Standbein der regionalen Wirtschaft.

 

Frau Holtvogt, Herr Knuck, vielen Dank für das Gespräch.

 

„Wir wollen den Tourismus im Oldenburger Münsterland zukunftsorientiert und unter Berücksichtigung unserer Stärken weiterentwickeln.“ Meike Holtvogt