Wehenpol Obst- und Gemüseanbau

Grünkohl von Juni bis Januar

31.08.2026

Grünkohl gibt es nur im Winter? Diese Zeiten sind lange vorbei. Und auch würziger Rucola, knackiger Mangold und aromatische Erdbeeren sind heute als regionale Produkte viel länger im Handel als früher. Möglich machen das ausgeklügelte Anbau- und Erntesysteme und kurze Wege zur Verarbeitung – zum Beispiel auf dem Hof Wehenpohl in Vechta.

„Kann das wirklich schon Grünkohl sein?“ Wenn sich Ende Juni der Vollernter mit 5 km/h in Calveslage stetig durch schier endlose Felder frisst, wird so mancher Radtourist stutzig. Aber dass der Kohl erst durch Frost mild und verzehrbar wird, ist eine Weisheit, die längst nicht mehr gilt. Und auch dem Winterkohl reichen niedrige Temperaturen über Null.

Obst- und Gemüsebau

Mit rund 400 Hektar Anbaufläche führt Niedersachsen die Grünkohlerzeugung in Deutschland an. Regionale Hochburg ist das Oldenburger Münsterland. Hof Wehenpohl produziert die Palme auf etwa 35 Hektar. In zwei Chargen: Im Mai wird der Sommerkohl als Jungpflanze gesetzt und etwa zehn Wochen später geerntet. Ende Juli geht der Winterkohl in die Erde. „Den können wir, je nach Witterung, bis in den Januar ernten, manchmal auch länger“, erklärt Hubertus Wehenpohl, der den Hof in zweiter Generation im Obst- und Gemüsebau mit seiner Frau Ann-Kathrin führt. Gemeinsam mit zwei Angestellten und bis zu 150 Saisonarbeitskräften bewirtschaften sie etwa 80 Hektar. Sie produzieren Gemüse und Obst. Grünkohl und Erdbeeren sind die wichtigsten Kulturen. Der größte Teil wird über den nahegelegenen Erzeugergroßmarkt ELO und ELO FROST abgesetzt. Von Frühjahr bis Herbst gibt es auch einen Selbstbedienungsverkauf auf dem Hof.

Vielseitiger Vollernter

Während kleinere Direktvermarkter den Grünkohl von Hand und oft blattweise ernten, setzen Wehenpohls eine Erntemaschine ein. Der Selbstfahrer von Ploeger ähnelt den Maschinen, die man von der Gras- oder Maisernte kennt, ist aber etwas größer. Das „Gebiss“ rupft die Blätter vom Stängel, ein Förderband transportiert sie in den Bunker. Ist der voll, wird der Kohl in Container umgeladen und direkt zum nur fünf Kilometer entfernten Verarbeiter ELO FROST gefahren. Dort werden die Blätter gereinigt, verlesen, gewaschen und gehäckselt. Weil bis auf die menschliche Qualitätskontrolle alles automatisiert abläuft, ist der Kohl schon nach knapp 30 Minuten küchenfertig schockgefrostet und verpackt.

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© Wehenpol

ELO- Erzeugergroßmarkt Langförden-Oldenburg eG

Seit über 70 Jahren gibt es den Erzeugergroßmarkt Langförden-Oldenburg eG, kurz ELO. Der Frischvermarkter verkauft regional und überregional sowohl an den Lebensmitteleinzelhandel als auch an Großhändler im In- und Ausland: Freilandsalate, Freilandgemüse, Beerenfrüchte, Kern- und Steinobst sowie Champignons. Bis zu 150 Lkw-Verladungen sorgen täglich dafür, dass die Ernte von 50 angeschlossenen Betrieben mit fast 10.000 Hektar Produktionsfläche immer frisch und knackig ausgeliefert wird. Das Besondere: Die Genossenschaft hat überwiegend Landwirte als Gesellschafter, die Leitung übernimmt seit 1997 ein ehrenamtlicher Vorstand.

Seit 1974 wird unter dem Dach der Muttergesellschaft auch tiefgekühltes Obst und Gemüse verarbeitet und vertrieben. Mit großem Erfolg: Im Jahr 2000 wurde für diesen Geschäftszweig das eigenständige Tochterunternehmen ELO-FROST gegründet. Das Sortiment umfasst rund 50 verschiedenen Artikel, Schwerpunkte sind selbst gezogener Spinat und Grünkohl aus Vertragsanbau. Seit 1995 wird auch Bio-Obst und -Gemüse verarbeitet.

Von Erdbeeren bis Aprikosen

Hof Wehenpohl liegt im größten Erdbeeranbaugebiet Deutschlands und bietet die süßen Früchte von Mai bis Oktober an. Die früheste und späteste Ernte ermöglicht der geschützte Anbau in Substrat unter Tunneln. So lassen sich lange aromatische und saubere Früchte ernten. „Wir verwenden remontierende Sorten“, erklärt Ann-Kathrin Wehenpohl. „Die setzen immer wieder neue Blüten an, bis in den Herbst.“ In jedem Tunnel lebt ein Hummelvolk zur Bestäubung. Bienen würden darin die Orientierung verlieren. Sie sind lieber in den Freilanderdbeeren oder den Stachel- und Johannisbeersträuchern unterwegs.

 

Auch Heidel gedeihen in Vechta zuverlässig unter einem schützenden Tunneldach. Und sogar Aprikosen. 2026 war nach sechs Jahren Anwachszeit erstmals ein Vollertrag möglich – zumindest theoretisch. Denn die Pflanzen sind stark wetterabhängig. Sie kommen zwar mit anhaltender Wärme gut zurecht, können aber Sonnenbrand bekommen. „Außerdem hat die Hitze dazu geführt, dass unsere Sorten, die eigentlich nacheinander abreifen, gleichzeitig pflückreif waren“, erklärt Ann-Kathrin Wehenpohl. Das erschwert den Absatz. Hinzu kommt die Konkurrenz günstiger Importware. Dabei lohnt es sich, die heimischen Früchte zu probieren. „Wir können das Obst reif ernten, deshalb schmecken unsere Aprikosen extrem gut.“ Fehlt die Nachfrage, lohne sich der Anbau auf Dauer nicht, das gelte ebenso für die Nektarinen und Pfirsiche aus Vechta.

Hoffen auf die Hauptsaison

Dem Grünkohl war es in diesem Jahr zu trocken. „Wir konnten bisher viel zu wenig Ernte einfahren“, fasst Hubertus Wehenpohl zusammen. Zum Glück steht mit dem Winterkohl die Hauptsaison noch bevor. Doch auch dessen Jungpflanzen mussten schon beregnet werden. Mit der Erdbeerernte ist Hubertus Wehenpohl 2026 nur mäßig zufrieden. Noch bis Anfang Oktober gibt es die Früchte auch im Selbstbedienungsautomaten zu kaufen. „Unser Hofverkauf ist immer zur Erdbeerzeit geöffnet, etwa von April bis Oktober“, erklärt Ann-Kathrin Wehenpohl. Eine Anlaufstelle für den schnellen regionalen Einkauf, oder auch für einen Obstpause bei einer Radtour – wie gut, dass die Erdbeersaison auf dem Hof Wehenpohl so lang ist.