Frischer Wind im Handel

Nachhaltigkeit im Wandel

Autorin: Katja Hoffmann
Der Handel bildet eine wichtige Säule für die Wirtschaft – auch im Oldenburger Münsterland. Nachhaltiges Agieren ist hier in vielen Bereichen möglich. Ein Ansatz: Saisonalität und Regionalität. Beides wird im OM großgeschrieben. Nicht selten findet man in Supermärkten eigene Regale für Spezialitäten aus der Region.
Im Sommer Erdbeeren und Spargel, im Winter Grünkohl, und das ganze Jahr regionale Milch- und Fleischprodukte: Regionale Lebensmittel stehen im Oldenburger Münsterland hoch im Kurs. Der Effekt ist positiv, denn kurze Transportketten bedeuten weniger Energie, weniger CO2, mehr Nachhaltigkeit. Und das gilt nicht nur für die Lebensmittelbranche. Auch ein Unternehmen wie Remmers, der in Löningen ansässige Spezialist für die Herstellung bauchemischer Produkte, Holzfarben und -lacke sowie Industrielacke, führt längst ein Sortiment, das sich an Nachhaltigkeitsprinzipien orientiert, die den gesamten Produktzyklus berücksichtigen.
 
Große Handelsunternehmen haben in den vergangenen Jahren ihre Kundschaft befragt, wie für sie Nachhaltigkeit aussehen könnte. Meistgenannt wurden faire Arbeitsbedingungen und eine umweltbewusste Produktherstellung. Allerdings: Spätestens an der Kasse rückt das Thema noch immer allzu häufig in den Hintergrund. Laut einer Umfrage des Güte-Siegel-Anbieters Trusted Shops bekennen sich zwar rund 60 Prozent der Deutschen zur Nachhaltigkeit. Aber lediglich jeder Fünfte würde dafür auch mehr bezahlen – und das auch nur, wenn der Zuschlag maximal fünf Prozent beträgt.
 

Kleine Schritte, große Ziele

Manchmal sind es kleine Schritte, die den Weg zu großen Zielen einleiten. Beispiel Verpackungen. Kaum ein Produkt kommt ohne sie aus. Für Lebensmittel wie Salate, Saucen und Dressings sind Becher ein beliebter Behälter. Davon können beispielsweise die Beschäftigten bei Wernsing Feinkost in Essen (Oldenburg) ein Lied singen. Kartoffelsalat, Ketchup und Co. werden hier längst nicht mehr in die bekannten runden Becher gefüllt, sondern in eckige. Warum? Der Platz kann sowohl im Supermarktregal als auch beim Transport und der Lagerung viel besser genutzt werden, so dass Energie und CO2 gespart werden. Zusätzlich sind Wernsing-Verpackungen recyclebar. Das bedeutet: Nach dem Verzehr gehören die Becher in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne.
 
Klar ist aber auch: Die einzige, 100 Prozent nachhaltige Verpackung ist gar keine Verpackung. Diesem Gedanken folgt Heidrun Plümer. Seit Anfang 2020 zieht sie mit ihrem Unverpackt-Truck über die Wochenmärkte im Landkreis Diepholz sowie in Lohne und Damme. Zusätzlich betreibt die gelerntemLandwirtin und Einzelhandelskauffrau einen stationären Laden in Diepholz und verkauft auch dort in erster Linie lose Ware, die man sich beispielsweise in mitgebrachte Dosen füllen lassen kann.
 

Dieser Artikel ist zuerst in „Nachhaltigkeit im Oldenburger Münsterland – Eine Region zeigt wie es geht" vom Verlag Kommunikation + Wirtschaft im Dezember 2021 erschienen.