Lernort Bauernhof

Landwirtschaft zum Anfassen

04.09.2026

Weshalb haben Eidotter unterschiedliche Farben? Wie kann ein Roboter melken? Warum mögen Kühe keine Wärme? Im Oldenburger Münsterland wachsen Kinder in einer Agrarregion auf – und haben trotzdem im Alltag immer weniger Berührungspunkte mit moderner Landwirtschaft. Darum öffnen Höfe als Lernorte der schulischen und außerschulischen Bildung ihre Pforten. Wir geben einen Einblick.

„Ich hatte neulich eine Gruppe Kinder aus dem Nachbardorf zu Gast, von denen hatte noch keines je ein Schwein gesehen“, berichtet Kristin Meerjans-Thunert. „Da ist mir noch einmal bewusst geworden, wie wichtig unsere Arbeit und die Entwicklung von Schutzkonzepten ist, damit auch sie in der modernen Produktion die Tiere direkt im Stall erleben können.“ Kristin Meerjans-Thunert engagiert sich bei LaUB, dem Förderverein Landwirtschaft, Umwelt & Bildung e. V., der im Landkreis Cloppenburg auf Höfen Bildungsangebote für Schüler:innen, aber auch Formate für Erwachsene und andere Gruppen macht. Das Ziel: In einer zunehmend digitalisierten Lebenswelt sollen Kinder und Jugendliche Landwirtschaft nicht nur aus Schulbüchern, sozialen Medien oder dem Supermarktregal kennenlernen. Sie sollen erleben können, wo und wie Lebensmittel erzeugt werden und welche ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge dahinterstehen.

Im Landkreis Vechta gibt es gleich zwei Fördervereine mit diesem Anliegen: RUBA (Regionale UmweltBildung-Agrarwirtschaft e. V.)  für den Nordkreis und AGRELA (Förderverein Arbeitsgemeinschaft Regionales Lernen Agrarwirtschaft e. V.) für den Südkreis. Sie konzentrieren sich auf die schulische Bildungsarbeit. Mit jährlich mehr als 100 Betriebserkundungen und den dazugehörigen Vorbereitungen in den Schulen erreichen sie jedes Jahr weit über 3.500 Kinder und Jugendliche, dazu kommen weitere Bildungsangebote und Kooperationen.

Kreisläufe verstehen und Bewusstsein schaffen

Die Fördervereine vernetzen Landwirt:innen und regionale Bildungsinstitutionen: Die Angebote reichen von Betriebsführungen über mehrtägige Themenprojekte bis hin zu Berufsorientierungsmodulen. „Kinder und Jugendliche erfahren bei uns am Ursprung, woher unsere Lebensmittel kommen, und entwickeln Wertschätzung für regionale Erzeugung“, erklärt Esther Barth, die den Bereich Bauernhofpädagogik beim Kreislandvolkverband Vechta betreut. „Schülerinnen und Schüler lernen, wie moderne, hochtechnologisierte Lebensmittelproduktion im Spannungsfeld von Ökonomie, Ökologie und Tierwohl im 21. Jahrhundert tatsächlich funktioniert. So verstehen sie die Kreisläufe ihrer Heimat und entwickeln ein fundiertes und kritisches Verbraucherbewusstsein.“

Das passende Bildungsangebot finden

Landkreis Vechta & Cloppenburg

Wer mit einer Schulklasse Landwirtschaft unmittelbar erleben und einen landwirtschaftlichen Betrieb als außerschulischen Lernort nutzen möchte, kann sich dazu direkt an die lokalen Fördervereine im jeweiligen Landkreis wenden:

Landkreis Vechta

Im Landkreis Vechta organisieren RUBA und AGRELA Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche. Dazu gehören insbesondere schulisch vorbereitete Betriebserkundungen sowie weitere Bildungsangebote in Zusammenarbeit mit Schulen und landwirtschaftlichen Betrieben.

Informationen zum Angebot

Kontaktmöglichkeiten für RUBA und AGRELA über den Kreislandvolkverband Vechta e. V.

  • Organisation von Betriebserkundungen und schulischen Bildungsangeboten
    • Christoph Friederich,
    • 04441/9237-116,
    • E-Mail: hofbesichtigungen@klv-vechta.de
  • Bauernhofpädagogik und Geschäftsstelle

Landkreis Cloppenburg

Verein Landwirtschaft, Umwelt und Bildung e. V. (LaUB)

 

Lernen mit allen Sinnen

Die Höfe und Oberthemen bilden die Vielfalt der Landwirtschaft im Oldenburger Münsterland ab. „Die Schulen buchen oft die Erkundung zum Thema Milchvieh“, beschreibt Esther Barth. „Auf einem Milchviehbetrieb lässt sich handlungsorientiertes Lernen besonders intensiv umsetzen. Schülerinnen und Schüler erleben Zusammenhänge vom Futter über die Haltung der Tiere bis zur Melktechnik unmittelbar vor Ort. Biologische, technische und wirtschaftliche Zusammenhänge, die im Unterricht zunächst abstrakt erscheinen, werden dadurch begreifbar.“ In anderen Projekten geht es zum Beispiel um „Huhn und Ei“ oder darum, wie aus Gülle Strom erzeugt wird.

 

Kristin Meerjans-Thunert aus Friesoythe liegt besonders am Herzen, zu vermitteln, wodurch sich Haltungsstufen wirklich unterscheiden und wie sich verschiedene Label im Stall auswirken. „Bei uns kann man nachvollziehen, was sich hinter einem abstrakten Begriff wie Tierwohl versteckt, etwa an der Fläche oder dem Spielmaterial für die Tiere.“ Neben den Lernformaten, die über den Förderverein LaUB angeboten werden, hat die Bauernhofpädagogin auch ein eigenes Veranstaltungsprogramm konzipiert. Kinder feiern bei ihr Themengeburtstage, Kitas verbringen einen besonderen Teamtag und auch die Landfrauen waren schon da, um ihr Wissen zu erweitern.

Die Agrar- und Ernährungswirtschaft gehört zu den prägenden Wirtschaftszweigen der Region. Das Lernen direkt auf den Höfen hilft zu begreifen, wie vielfältig diese Branche heute ist: wie Lebensmittel entstehen, welche Berufe und Technologien dahinterstehen und welche Herausforderungen es zu meistern gilt – und fördert die regionale Identität und Gestaltungskompetenz der nächsten Generation.

Noch mehr Landwirtschaft vor Ort entdecken

Landwirtschaftliche Betriebe

Neben den organisierten Bildungsangeboten der Fördervereine gibt es im Oldenburger Münsterland zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe, die eigene Angebote entwickelt haben – vom Hofladen und der Direktvermarktung bis zu Führungen, Veranstaltungen oder eigenen pädagogischen Angeboten.