Wer Gut Altenoythe nur für einen Bauernhof hält, wird schnell eines Besseren belehrt. Zwischen alten Obstbäumen und weiten Feldern entfaltet sich ein Ort, an dem Landwirtschaft nicht bloß betrieben, sondern gelebt und erlebbar gemacht wird. Der Duft frisch gebackenen Brotes aus einer befreundeten Landbäckerei mischt sich mit dem Aroma reifender Käse und schafft eine Atmosphäre, in der Tradition und Innovation auf beispielhafte Weise zusammenfinden. Deutlich wird dabei: Landwirtschaft ist weit mehr als Arbeit auf dem Acker. Sie ist Begegnung, Handwerk, Kultur und ein Stück gelebte Heimat.
Tradition mit Zukunft
Die Wurzeln des Hofs reichen zurück bis ins Jahr 1865. Heute führen Jan Wreesmann und Anne Lang den idyllisch zwischen Wiesen, Feldern und Wäldchen nördlich von Friesoythe gelegenen Betrieb in fünfter Generation. Ihr Schlüsselwort lautet Nähe. „Wir arbeiten regional, das bedeutet, dass wir hier vor Ort produzieren und vermarkten“, betont Anne Lang. „Das heißt aber auch, dass regionale Besonderheiten in unseren Produkten zu schmecken sind und wir der Region ein Gesicht geben wollen.“
Wer sich davon ein eigenes Bild machen möchte, hat dazu mehrmals im Jahr Gelegenheit. Zum Beispiel in den Wochen zwischen Mitte August und Mitte Oktober. Dann laden die Apfelbäume des Guts zur Ernte ein. An sonnigen Tagen ziehen Familien, Paare, Schulklassen und Ausflügler zwischen den Reihen hindurch, pflücken die Früchte direkt vom Baum und probieren sich durch die Sortenvielfalt. „Gravensteiner, Holsteiner Cox, Topaz, natürlich Elstar, Wellant“, zählt Anne Lang auf, und zum Schluss noch den „Santana“, der als Allergiker-Apfel gilt und auch Menschen Freude macht, die sonst keine Äpfel vertragen.
Doch der Obstkorb auf Gut Altenoythe kann noch weit mehr enthalten als Äpfel. Je nach Jahreszeit reifen hier auch saftige Birnen, aromatische Pflaumen, tiefblaue Aroniabeeren oder die seltenen Haskap-Beeren mit ihrem feinsäuerlichen Geschmack. Sie alle gibt es selbstverständlich auch im Hofladen.
Käsehandwerk mit Geduld und Gespür
In den Regalen finden sich darüber hinaus weitere Spezialitäten. So stapeln sich hier die goldgelben Laibe aus der hofeigenen Käserei, die in reiner Handarbeit und mit viel Geduld entstehen. Die Kuhmilch stammt vom nur wenige Kilometer entfernten Milchviehbetrieb Laing in Kampe, wird frisch angeliefert und im 500-Liter-Kessel verarbeitet. „Täglich können wir bis zu 50 Kilogramm produzieren“, berichtet Anne Lang. „Um den echten Geschmack unserer Käse zu erlangen, verarbeiten wir die Rohmilch sehr vorsichtig und möglichst unverändert. Das bedeutet für uns, dass wir den natürlichen Fettgehalt nutzen und Schnitt- und Hartkäse aus Rohmilch produzieren.“
Jeder Laib wird von Hand geschöpft, geformt, gepflegt und über Wochen oder Monate hinweg regelmäßig gewendet. Ob milder Schnittkäse oder würziger Hartkäse – alle reifen sie mit einer Naturrinde, die durch die sogenannte Rotschmiere ihren charakteristischen Duft, die rötliche Farbe und ein kräftiges Aroma erhält. Diese Pflege ist Präzisionsarbeit, die Erfahrung, Zeit und ein feines Gespür verlangt – und genau das macht den Käse von Gut Altenoythe besonders.
Ein Ausflugsziel – und noch viel mehr
Ein Besuch auf Gut Altenoythe ist kein inszeniertes Event, sondern ermöglicht es, in einen lebendigen Hofalltag einzutauchen. Hier lässt sich Landwirtschaft in all ihren Facetten hautnah erleben. Es ist ein Ort, an dem Neues erprobt und Traditionen gepflegt werden, an dem Menschen zusammen gärtnern, handwerklich arbeiten und miteinander ins Gespräch kommen. Alles wirkt echt, unaufgeregt und selbstverständlich. Wer den Hof verlässt, nimmt nicht nur Köstlichkeiten im Korb mit nach Hause, sondern auch das Gefühl, für ein paar Stunden Teil einer Gemeinschaft gewesen zu sein, in der Natur und Handwerk auf wunderbare Weise zusammenfinden.