Bürger-Klimapark Lohne

Wo Klimaschutz Gemeinschaftssache ist

31.08.2026

Aus einer Ackerfläche ist in Lohne ein Mitmach-Projekt geworden. Ein Ruheort, der gleichzeitig zum Klima-Lernen und Handeln anregt. Im Bürger-Klimapark wachsen mehr als 11.400 Bäume und Gehölze – und mit ihnen ein Projekt, an dem Schulen, Vereine, Institutionen und viele weitere Engagierte beteiligt sind. Ein Besuch zeigt, was gemeinschaftlicher Klimaschutz vor Ort bewirken kann.

Libellen schwirren in der Luft, Amphibien richten sich am Teich häuslich ein, überall krabbelt und summt es. „Wir beobachten eine extrem dynamische Entwicklung der Pflanzen- und Tierwelt nach der Umgestaltung der Ackerfläche“, freut sich Sandra Mezger, die als Klimaschutzmanagerin der Stadt Lohne den Bürger-Klimapark von Anfang an begleitet. 2021 als Baustein des integrierten Klimakonzeptes beschlossen, wurde das Projekt bis Ende 2025 schrittweise umgesetzt. Und wird sehr gut angenommen. „Durch das zusätzlich geschaffene 1,1 Kilometer lange Wegenetz und die Nähe zum Hopener Wald als bestehendes Naherholungsgebiet besuchen seit letztem Jahr immer mehr Bürgerinnen und Bürger das Gelände regelmäßig. Es wird auch vermehrt ganz bewusst aufgesucht, um mit der Familie oder Besuchern spazieren zu gehen.“ 

 

Viele Lebensräume – noch mehr zu entdecken

Im Mittelpunkt des Konzeptes steht die klimaangepasste Umgestaltung der ehemaligen Agrarfläche zu einer CO₂-Senke. Dafür wurden auf 7,3 Hektar Bäume und Gehölze gepflanzt. Lohner Vereine, Schulen und andere Gruppen haben gemeinsam die Ärmel hochgekrempelt. Allein am Schulwald beteiligten sich 1.280 Schüler:innen aus den vier Lohner Schulen. Damit können sich rund 44 Prozent der Fläche in den kommenden Jahren zu vielfältigem Wald entwickeln. Daneben gibt es einen Amphibienteich, Feuchtbiotope und eine Feuchtwiese. Die Streuobstwiese und eine Wallhecke ziehen wiederum andere Arten an, ebenso wie die beiden Temperaturkessel: einer in Nord-, einer in Südausrichtung. Die Weidenkapelle lädt zu Ruhe und Reflexion ein.

Erkunden lässt sich die Anlage über den 1,1 Kilometer langen Klima-Rundgang. Tafeln erklären die neun umgesetzten Beteiligungsprojekte sowie 19 Baumarten. Die reine Spazierzeit vom Schulwald über das Areal und zurück beträgt etwa 30 Minuten. Sandra Mezger empfiehlt aber, deutlich mehr Zeit einzuplanen. „Je nach Interesse mindestens eine bis anderthalb Stunden. Wenn man intensiv die digitalen Infostationen einbezieht, kann man sich auch zwei bis drei Stunden mit den Themen Klimaschutz und Klimafolgenanpassung beschäftigen.“ Zum Beispiel am Wassergarten mit seinem Versickerungsmodell und der Grundwassermessstelle.

Bänke, Liegen, Holzstämme und Findlinge laden an viele Stellen zum Verweilen ein. Dabei werden die Besuchenden um achtsames Verhalten gebeten. „Im Bürger-Klimapark sind extra keine Mülleimer aufgestellt, weil es in der Natur keine Müllabfuhr gibt. Aus diesem Grund gibt es keine Tische zum Picknicken. Entsprechende Möglichkeiten befinden sich auf dem nahe gelegenen Waldspielplatz. Die tägliche Praxis zeigt, dass ein Angebot von Picknicktischen leider zu Müllbergen führt, die wir in diesem Fall ganz bewusst vermeiden wollen.“

Ein Ort, der sich stetig verändert

„Fertig“ ist der Park bewusst nicht – Mitgestalten ist auch weiterhin erwünscht. „Interessierte können auch in Zukunft auf mich zukommen“, lädt die Klimamanagerin ein. „Wichtig ist der thematische Bezug zum natürlichen Klimaschutz und eine langfristige Ausrichtung – inklusive einer Pflege der entwickelten Strukturen durch die Akteure.“ Aktuell wird intensiv an der Schaffung eines neuen Naturerlebnisraumes für Insekten mit heimischen Stauden gearbeitet.

 

Wasserspiele © Sandra Mezger

Entdecken und Mitmachen

  • Weitere Informationen und digitaler Rundgang: https://www.klimapark-lohne.de/
  • Lage: Der Bürger-Klimapark liegt im Süden der Kernstadt von Lohne und grenzt direkt an das Naherholungsgebiet Hopener Wald. Das Gebiet ist am besten zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar. (mehr zur Anfahrt)
  • Mitmachen: Wer sich im Bürger-Klimapark Lohne engagieren möchte, kann sich an Sandra Mezger, Klimamanagerin der Stadt Lohne, wenden (mezger@lohne.de)

Beeindruckt zeigt sich Sandra Mezger vom Schulwald. „Selbst die lange Trockenheit in diesem Sommer hat der jungen Waldgemeinschaft nichts anhaben können. Alle 38 Baumarten und 4.877 Setzlinge sind vital.“ Aus nur 20 Zentimeter hohen Spitzahornen sind heute mehr als drei Meter hohe Jungbäume herangewachsen. Das Konzept sieht vor, dass die Vielfalt in den kommenden 50 Jahren weiter zunimmt, bis sich die Artenzusammensetzung zunehmend stabilisiert. Der natürliche Wandel sorgt zusammen mit dem Wechsel der Jahreszeiten dafür, dass sich der Park immer wieder mit neuem Gesicht zeigt. Was Sandra Mezger derzeit am meisten liebt: „Wenn ich mich auf einen Lieblingsort festlegen muss, dann ist es der Blick vom oberen Rand des hufeisenförmigen Walls auf das vollständig mit Regenwasser aufgestaute Feuchtbiotop mit Tümpel. Besonders abends bietet sich hier ein schöner Blick.“

Vor allem aber zeigt der Bürger-Klimapark, was entstehen kann, wenn viele Menschen ihre Ideen, ihr Wissen und ihre Zeit einbringen. Eine schöne Anerkennung für die engagierte Stadtgesellschaft: Lohne darf dank des Projekts den Titel „Niedersächsische Klimakommune 2026“ tragen. Wer heute durch das Gelände geht, sieht deshalb nicht nur wachsende Bäume und neue Lebensräume. Er erlebt einen Ort, der aus gemeinsamem Engagement entstanden ist und an dem auch in Zukunft Platz für neue Ideen ist.

Luftaufnahme des Klimaparks © Christian Tombraegel

Tipps für Ziele in der Nähe

Fahrradtour

Der Bürger-Klimapark ist ein ideales Etappenziel für eine Radtour. Er liegt an zwei regionalen Routen: Die Tour „Stadt Land Lohne“ ist 12,3 Kilometer lang, die Runde „Lohner Waldbaden“ mit 3,5 Kilometern deutlich kürzer.

Waldspielplatz Rehwiese

Klettern, schaukeln, rutschen, toben – der Waldspielplatz Rehwiese im benachbarten Hopener Wald ist ein Abenteuerparadies für Kids.

Erlebnispfad im Hopener Wald

Auf 1,5 Kilometer Strecke wollen auf dem Erlebnispfad im Hopener Wald 20 Elemente aus Robinienholz von den Jüngsten erkundet werden. Neben Klettern und Experimentieren gibt es eine ganze Menge über die Natur zu lernen.

Einkehren in Ölgemöllers Café to go

Malerisch am Burgweg liegt Ölgemöllers Café. Neben Kaffee und Kuchen gibt es dort auch herzhafte Kleinigkeiten. Achtung: Das Café hat nicht an allen Wochentagen geöffnet. Es lohnt sich vorab ein Blick ins Internet.