Faire Chance

Integration made in Lohne

Als die ­Flüchtlingskrise 2015 ganz Europa in Atem hielt, sagte Ulla Kampers zu ihrem Mann: „Wir als Unternehmen haben eine soziale Verantwortung. Ich möchte, dass wir ihr nachkommen." So kam ein Projekt ins Rollen, das heute als Parade­beispiel für Integration gilt.

INTEGRATION: CHECK! Tamer Suleiman war der erste Geflüchtete, für den Ulla Kampers sich 2015 einsetzte.

Sechs Geflüchtete haben bei der Nordluft GmbH & Co. KG in Lohne bereits den Einstieg ins Berufsleben ­geschafft. Der erste war Tamer Suleiman. Für ein drei­monatiges Praktikum kam er 2015 zu Nordluft. „Am Anfang sprach er kaum Deutsch, aber er hat sich rasant entwickelt", erinnert sich Ulla Kampers. Zwei Jahre später kehrte der junge Syrer für ­seine Ausbildung zurück. Heute ist Tamer als Fachkraft für Metalltechnik fester Bestandteil des Teams. Kampers ist sicher: „Wenn man an diese jungen Menschen glaubt, schaffen sie viel mehr als unsere Gesellschaft ihnen zutraut."

Auch als bürokratische Hürden ihr und ihren Schützlingen das Leben schwer machten, ließ Ulla Kampers nicht locker. Sie nahm an ­Podiumsdiskussionen teil, saß mit dem ­damaligen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel am Runden Tisch und startete eine Petition, die die Bewilligung ausbildungsbegleitender ­Hilfen auch für Menschen aus sicheren Herkunftsländern forderte. Am 1. August 2019 trat die Gesetzesänderung in Kraft. „Natürlich hat ­unsere Petition allein nicht den Ausschlag gegeben", sagt die 57-Jährige bescheiden. „Aber wir haben dazu beigetragen."

Ihr nächstes Ziel: Bewerbungstrainings für geflüchtete Frauen.

Seit Juni 2020 vertritt Kampers das Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge" des Deutschen Industrie- und Handelskammertages als Regionalbotschafterin für Niedersachsen. Sie plant mehrtägige Bewerbungstrainings für weibliche Geflüchtete und findet: „Wenn nur eine dadurch den Einstieg ins Berufs­leben schafft, hat sich meine Arbeit gelohnt." Das Projekt soll zunächst im Landkreis Vechta, ­später in ganz Niedersachsen umgesetzt werden. Im Kleinen denken kam für Ulla Kampers eben noch nie in Frage. Deshalb appelliert sie an die Unternehmen in der Region, den Frauen eine Chance zu geben. Denn aus eigener Erfahrung weiß sie: Schon ein einfaches Praktikum kann die Weichen für einen Neuanfang stellen.