Wie kamen Sie dann auf die Bundesebene?
Fughe: Eine wichtige Erfahrung dafür war das KLJB-Bundestreffen 2015, das wir in Lastrup für rund 1.000 Teilnehmende ausrichten durften. Als Teil der Projektleitung hatte ich einen engen Draht zur Bundesebene. Später war ich im Landesvorstand für den Bundesverband zuständig und habe mich auch auf europäischer Ebene eingebracht: im internationalen Landjugend-Dachverband MIJARC, einem Zusammenschluss der nationalen Landjugendbewegungen. 2020 wurde ich in den Europavorstand gewählt, das war noch eine ehrenamtliche Tätigkeit. Seit 2021 bin ich hauptamtlich als Bundesvorsitzender in Rhöndorf bei Bonn tätig. Neben mir gibt es noch zwei weitere Bundesvorsitzende und eine Bundesseelsorgerin.
Mit welchen Aufgaben beschäftigen Sie sich im Bundesvorstand?
Fughe: Wir prägen die inhaltliche Ausrichtung des Bundesverbands und gestalten Beschlüsse und Positionierungen mit. Ein großer Teil unserer Arbeit ist die politische Interessenvertretung, damit die Belange der Landjugendlichen Gehör finden. Unterstützt werden wir in der Bundesstelle von einem Team aus 18 Mitarbeitenden in inhaltlichen Referaten und Verwaltung.
Wie groß ist die KLJB und inwiefern stehen Sie als Bundesvorsitzender im Kontakt zu den Ortsgruppen?
Fughe: Wir haben etwa 70.000 Mitglieder in 1.900 Ortsgruppen in ganz Deutschland. Im Gegensatz zu vielen anderen Jugendverbänden dürfen wir uns auf Bundesebene in den vergangenen Jahren trotz des demografischen Wandels über konstante bis leicht steigende Mitgliederzahlen freuen.
Als Bundesvorstand suchen wir regelmäßig den Austausch zu unseren Mitgliedern. Auf Diözesanversammlungen kommen wir regelmäßig mit den Landjugendlichen vor Ort ins Gespräch, hören, was sie sich von uns wünschen und was sie bewegt, und berichten von unseren Angeboten. Auch Veranstaltungen wie das alle vier Jahre stattfindende KLJB-Bundestreffen oder die 72-Stunden-Aktion, bei der wir Landjugendgruppen in ganz Deutschland besuchen, sind wertvolle Gelegenheiten zum direkten Kontakt.
Was sind Ihre stärksten politischen Anliegen?
Fughe: Uns prägt unsere große Leidenschaft für ländliche Räume. Wir wollen, dass sie attraktiv und für junge Menschen zukunftsfähig bleiben. Das betrifft Mobilität, Bildungs- und Freizeitangebote sowie die Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement. Ländliche Räume bieten die Möglichkeit, gemeinschaftlich aufzuwachsen und sich durch eigenes Engagement noch stärker mit dem eigenen Heimatort zu identifizieren. Eine große Herausforderung ist es allerdings mancherorts, Räume für Landjugendliche zu erhalten. Sowohl Kommunen als auch Kirchengemeinden in vielen Regionen in Deutschland stehen vor Sparprozessen, die den Erhalt von Jugendräumen gefährden. Dabei sind Landjugendräume von enormer Bedeutung für die Gruppen vor Ort. Sie sind Treffpunkte, Gestaltungsräume und wirken sehr identitätsstiftend.
In vielen Regionen in Deutschland sind KLJB-Gruppen daher ganz akut in Sorge, ihre Räumlichkeiten zu verlieren. Diese gefährliche Entwicklung sehen wir im Oldenburger Münsterland zum Glück nicht so stark wie in vielen anderen Regionen. Ich hoffe, dass das auch in Zukunft so bleibt. Eine Landjugend, die für alle offen sein will, braucht gute Rahmenbedingungen. Und Wertschätzung, denn ehrenamtliches Engagement kommt den Menschen vor Ort zugute. Diese Anerkennung braucht es für jedes Ehrenamt, sei es in Sport- oder Musikvereinen, Jugendverbänden oder an allen anderen Stellen, an denen Menschen sich für die Gemeinschaft einsetzen.