Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB)

Junge Stimmen für starke ländliche Räume

05.10.2026
Autorin: Lisa Knoll

Die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands e. V. (KLJB) gehört mit rund 70.000 Mitgliedern in etwa 1.900 Ortsgruppen zu den größten Jugendverbänden in Deutschland. Als Bundesvorsitzender setzt sich der Mühlener Jannis Fughe seit 2021 für die politischen Interessen von Landjugendlichen ein.

Herr Fughe, wie und wann sind Sie zur KLJB gekommen?

Jannis Fughe: Das war 2011 durch ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Landesstelle der Katholischen Landjugendbewegung in Vechta. Viele Schulfreund:innen engagierten sich schon in ihren Heimatorten in der KLJB. Das FSJ war für mich eine prägende Erfahrung, weil ich viel eigenverantwortlich arbeiten und mitgestalten durfte. Ich bin im Nachbarort Holdorf in die Landjugend eingetreten und habe später mit Freund:innen auch eine Gruppe in meinem Heimatdorf Mühlen gegründet. 2012 habe ich mich entschieden, für den Landesvorstand zu kandidieren.

Jannis Fuhge im Gespräch mit Ex-Bundeskanzler Olaf Scholz

Wie kamen Sie dann auf die Bundesebene?

Fughe: Eine wichtige Erfahrung dafür war das KLJB-Bundestreffen 2015, das wir in Lastrup für rund 1.000 Teilnehmende ausrichten durften. Als Teil der Projektleitung hatte ich einen engen Draht zur Bundesebene. Später war ich im Landesvorstand für den Bundesverband zuständig und habe mich auch auf europäischer Ebene eingebracht: im internationalen Landjugend-Dachverband MIJARC, einem Zusammenschluss der nationalen Landjugendbewegungen. 2020 wurde ich in den Europavorstand gewählt, das war noch eine ehrenamtliche Tätigkeit. Seit 2021 bin ich hauptamtlich als Bundesvorsitzender in Rhöndorf bei Bonn tätig. Neben mir gibt es noch zwei weitere Bundesvorsitzende und eine Bundesseelsorgerin.

Mit welchen Aufgaben beschäftigen Sie sich im Bundesvorstand?

Fughe: Wir prägen die inhaltliche Ausrichtung des Bundesverbands und gestalten Beschlüsse und Positionierungen mit. Ein großer Teil unserer Arbeit ist die politische Interessenvertretung, damit die Belange der Landjugendlichen Gehör finden. Unterstützt werden wir in der Bundesstelle von einem Team aus 18 Mitarbeitenden in inhaltlichen Referaten und Verwaltung.

Wie groß ist die KLJB und inwiefern stehen Sie als Bundesvorsitzender im Kontakt zu den Ortsgruppen?

Fughe: Wir haben etwa 70.000 Mitglieder in 1.900 Ortsgruppen in ganz Deutschland. Im Gegensatz zu vielen anderen Jugendverbänden dürfen wir uns auf Bundesebene in den vergangenen Jahren trotz des demografischen Wandels über konstante bis leicht steigende Mitgliederzahlen freuen.

Als Bundesvorstand suchen wir regelmäßig den Austausch zu unseren Mitgliedern. Auf Diözesanversammlungen kommen wir regelmäßig mit den Landjugendlichen vor Ort ins Gespräch, hören, was sie sich von uns wünschen und was sie bewegt, und berichten von unseren Angeboten. Auch Veranstaltungen wie das alle vier Jahre stattfindende KLJB-Bundestreffen oder die 72-Stunden-Aktion, bei der wir Landjugendgruppen in ganz Deutschland besuchen, sind wertvolle Gelegenheiten zum direkten Kontakt.

Was sind Ihre stärksten politischen Anliegen?

Fughe: Uns prägt unsere große Leidenschaft für ländliche Räume. Wir wollen, dass sie attraktiv und für junge Menschen zukunftsfähig bleiben. Das betrifft Mobilität, Bildungs- und Freizeitangebote sowie die Rahmenbedingungen für ehrenamtliches Engagement. Ländliche Räume bieten die Möglichkeit, gemeinschaftlich aufzuwachsen und sich durch eigenes Engagement noch stärker mit dem eigenen Heimatort zu identifizieren. Eine große Herausforderung ist es allerdings mancherorts, Räume für Landjugendliche zu erhalten. Sowohl Kommunen als auch Kirchengemeinden in vielen Regionen in Deutschland stehen vor Sparprozessen, die den Erhalt von Jugendräumen gefährden. Dabei sind Landjugendräume von enormer Bedeutung für die Gruppen vor Ort. Sie sind Treffpunkte, Gestaltungsräume und wirken sehr identitätsstiftend. 

In vielen Regionen in Deutschland sind KLJB-Gruppen daher ganz akut in Sorge, ihre Räumlichkeiten zu verlieren. Diese gefährliche Entwicklung sehen wir im Oldenburger Münsterland zum Glück nicht so stark wie in vielen anderen Regionen. Ich hoffe, dass das auch in Zukunft so bleibt. Eine Landjugend, die für alle offen sein will, braucht gute Rahmenbedingungen. Und Wertschätzung, denn ehrenamtliches Engagement kommt den Menschen vor Ort zugute. Diese Anerkennung braucht es für jedes Ehrenamt, sei es in Sport- oder Musikvereinen, Jugendverbänden oder an allen anderen Stellen, an denen Menschen sich für die Gemeinschaft einsetzen.

Mit welchen weiteren Themen befassen Sie sich im politischen Dialog?

Fughe: Die Stärkung der Demokratie ist ein zentrales Thema. In Jugendverbänden erfahren junge Menschen Selbstwirksamkeit und werden resilient gegen einfache Versprechungen populistischer oder rechtsextremer Parteien. Weitere Themen, die uns am Herzen liegen, sind Landwirtschaft, internationale Entwicklung, Umwelt- und Klimaschutz sowie eine jugend- und geschlechtergerechte Kirche.

Welche Position vertritt die KLJB in Bezug auf die Kirche konkret?

Fughe: Wir verstehen uns als kirchlicher Verband, der die Kirche mitgestalten möchte, aber dabei nicht unkritisch bleibt. Warum gibt es eine Hierarchie, die Frauen nicht die gleichen Möglichkeiten gibt wie Männern? Warum werden queere Menschen vielerorts noch immer ausgegrenzt? Warum dürfen junge Menschen nicht stärker mitbestimmen? Daran hakt es aus unserer Sicht in der katholischen Kirche noch häufig. Der Glaube sollte Halt geben, stark machen gegen Hass und Intoleranz und einen Wertekompass geben – und zwar für alle, die möchten. Auch deshalb sind wir auch als kirchlicher Verband offen für alle jungen Menschen. Bei uns ist jede:r willkommen, unabhängig von der Glaubensrichtung oder davon, ob die Person überhaupt gläubig ist.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Was ist Ihr nächster großer Meilenstein?

Fughe: Ein Großereignis, auf das ich mich schon jetzt außerordentlich freue, ist die nächste bundesweite 72-Stunden-Aktion. Sie findet vom 10. bis 13. Juni 2027 statt. Dabei hat die 72-Stunden-Aktion ihren Ursprung in unserem KLJB-Landesverband hier im Oldenburger Münsterland. Landjugendgruppen, Pfadfinder:innen, Kolpinggruppen, Schulklassen, FSJ-Seminare und alle anderen, die Lust haben, setzen bei der Aktion von Donnerstag bis Sonntag 72 Stunden lang ein gemeinnütziges, soziales oder ökologisches Projekt um. Bei der letzten Aktion 2024 haben wir als Bundesvorstand 27 Gruppen in neun Diözesanverbänden besucht. Es war total beeindruckend, was man mit vereinten Kräften in so kurzer Zeit leisten kann. Insgesamt haben sich 2024 mehr als 80.000 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene an der Aktion beteiligt.

Welche Bedeutung haben solche Aktionen in Krisenzeiten?

Fughe: Krisen können überfordernd sein. Bei der 72-Stunden-Aktion – ebenso wie bei vielen anderen Aktionen in der Landjugend – erlebt man dagegen, dass man selbst etwas verändern kann. Das schafft Selbstwirksamkeit und das Gefühl, nicht einfach ausgeliefert zu sein. Man kann das eigene Dorf noch lebenswerter machen und eigene Ideen einbringen. Das prägt die Ortsgruppen auch hier im Oldenburger Münsterland: Tatkraft, Optimismus und Leidenschaft, sich einzusetzen und dabei über das eigene Wohl hinauszudenken.