Einen Gasthof zu pachten ist keine leichte Entscheidung, noch dazu als junge Familie mit kleinen Kindern. Und doch haben Hiltrud und Alexander Blömer im November 2024 kurzfristig Nägel mit Köpfen gemacht und schon zum Jahreswechsel den Winkel in Benstrup übernommen. Ihr erstes eigenes Lokal – ihr Sprung in die Selbstständigkeit. Mutig und doch nur folgerichtig, denn die beiden haben zielstrebig darauf hingearbeitet. Bei ihrer Ausbildung im renommierten Vila Vita Burghotel lernten sie sich kennen und lieben. Sie wird Hotelfachfrau, er Koch. Später führen sie gemeinsam das Restaurant Gambrinus in Löningen. Sie schätzen die Gestaltungsmöglichkeiten, die so ein Betrieb mit sich bringt. Sie ziehen in Hiltruds Heimatdorf Steinrieden, werden Eltern. Als dann aus dem benachbarten Benstrup das Angebot kommt, den Winkel zu übernehmen, sagte das Ehepaar schnell zu.
Das erste Jahr Selbstständigkeit ist rum. Wie blicken Sie zurück?
Hiltrud Blömer: Ein gutes Jahr nach der Übernahme können wir sagen: Es war die richtige Entscheidung. Natürlich gibt es Momente, in denen wir denken, dass das Leben als Angestellte einfacher und sicherer war. Aber wir lieben, was wir tun, und bereuen diesen Schritt nicht. Es ist eine Herausforderung, an der wir wachsen.
Sie sind mit einem Konzept aus Bewährtem und neuen Akzenten an den Start gegangen. Was hat gut geklappt – und wo musste nachjustiert werden?
Alexander Blömer: Aus unserem Konzept hat sich vor allem gezeigt, dass die Gäste sich hier vor Ort besondere Momente wünschen – zum Beispiel Comedy-Abende, Kneipenquizze oder auch besondere Menüs. Gleichzeitig merken wir ganz klar: Wenn die Kinder zufrieden sind, bleiben die Eltern auch gerne mal länger. Schwieriger als gedacht ist es allerdings, die jüngere Zielgruppe zwischen 18 und 25 Jahren zu erreichen.
Was waren Ihre größten Bedenken – und was hat schließlich den Ausschlag gegeben?
Hiltrud Blömer: Das größte Gegenargument vor der Übernahme war die fehlende finanzielle Sicherheit. Den Ausschlag für unsere Entscheidung haben dann das wundervolle Objekt hier in Benstrup, die starke Dorfgemeinschaft und vor allem der Wunsch, etwas Eigenes zu schaffen, gegeben.
Sie pachten vom Dorf, richtig? Erleichtert das auch den laufenden Betrieb?
Alexander Blömer: Genau, wir pachten tatsächlich vom Dorf – und ein Stück weit auch von uns selbst, denn ich bin auch Mitglied der KG. Es gibt regelmäßig Feedback und Ideen aus der Dorfgemeinschaft, die wir sehr schätzen und ernst nehmen. Gleichzeitig müssen wir immer abwägen, was machbar und sinnvoll ist. Eine gewisse Grundauslastung durch das Dorf ist da, aber allein davon lässt sich der Betrieb nicht tragen. Organisatorisch kann es durch viele Termine auch herausfordernd sein, aber wir haben inzwischen gute Lösungen gefunden.