BBS Technik in Cloppenburg

Erfolgreich seit 25 Jahren: die Schülerfirma „Bauwas“

30.04.2026

2.000 D-Mark erhielt die Schülerfirma der BBS Technik in Cloppenburg einst als Startkapital. Seit der Gründung im Jahr 2001 entwickelte sich „Bauwas“ kontinuierlich weiter. Inzwischen bekommen hier unter der Leitung von Lehrer Claus Holtvogt vor allem Schüler aus der Sprachlernklasse eine wertvolle berufliche Perspektive.

Ihren Ursprung hat die Schülerfirma „Bauwas“ im Tag der offenen Tür im Jahr 1998. Anlass war das 100-jährige Bestehen der BBS Technik. „Schüler des Berufsvorbereitungsjahrs stellten damals einen selbstgebauten Gartengrill aus Beton vor. Einige Gäste waren interessiert daran, den Grill zu kaufen. So entstand die Idee, eine Struktur zu schaffen, um dieses und weitere Produkte künftig vermarkten zu können“, erinnert sich Fachpraxislehrer Claus Holtvogt. Der Zimmerermeister unterrichtet seit 1993 an der Cloppenburger Berufsschule und ist Mitinitiator der Schülerfirma. Dank einer Geldspende des Schulfördervereins konnte „Bauwas“ im November 2001 offiziell gegründet werden und hat bis heute einen festen Platz im Unterrichtsangebot der Schule.

Angefangen hat Claus Holtvogt mit acht Schülern aus dem Berufsvorbereitungsjahr, das Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz oder Hauptschulabschluss Grundkenntnisse für den Berufseinstieg vermittelt. „Die Schülerfirma war ein toller Weg, meine Schüler zu motivieren. Und das hat wiederum mich motiviert, mich weiterhin für ‚Bauwas‘ einzusetzen“, erinnert sich Holtvogt. „Als unser erster Auftrag reinkam, hatten die Schüler plötzlich wieder viel mehr Lust, in die Schule zu kommen. Sie wollten sich ‚learning by doing‘ alles aneignen, was sie für die Erfüllung des Auftrags brauchten – von der Planung über die Produktion bis hin zur Vermarktung an den Käufer. Da konnten dann auch die Schüler glänzen, die im theoretischen Unterricht nicht so gut zurechtkamen. Denn viele waren handwerklich durchaus geschickt.“

Nachhaltiges Arbeiten im Team

Heute blickt Holtvogt auf mehr als 25 erfolgreiche Jahre „Bauwas“ zurück. Inzwischen arbeitet er für die Schülerfirma mit den Teilnehmenden der Berufseinstiegsschule Sprache und Integration – immer dienstags, für sechs Schulstunden. Hier kommen unter anderem Jugendliche aus Afghanistan, der Ukraine und einigen westafrikanischen Ländern zusammen. An den handwerklichen Aufgaben können sich alle beteiligen – unabhängig davon, wie gut ihre deutschen Sprachkenntnisse bisher sind. „Bei Bauwas kann man lernen, wie die Maschinen funktionieren und zeigen, was man kann. Man baut etwas aus einem Holzbrett und sieht am Ende das Ergebnis“, beschreibt der 16-jährige Danyil. Sein Mitschüler Karzan gibt Beispiele: „Wir haben Fledermauskästen und Tischbänke gebaut und dafür Holz zugeschnitten, geschliffen und zusammengebaut.“

Auch Hassan ist Teil der Schülerfirma: „Das Besondere an ‚Bauwas‘ ist, dass die Dinge, die wir aus Holz bauen, sehr gut für die Umwelt sind“, erklärt der 17-Jährige. „Außerdem können wir unsere Produkte verkaufen und mit dem Geld gemeinsam etwas machen, zum Beispiel Essen gehen.“ Ousmane macht die Arbeit bei Bauwas ebenfalls viel Spaß: „Besonders gefällt mir die Teamarbeit, und dass wir einander helfen und respektvoll miteinander umgehen.“

Je nach Produkt wird auch abteilungsübergreifend gearbeitet: mal mit den Tischlern, mal mit den Metallbauern. Der Fokus liegt bei allen Arbeitsschritten auf Nachhaltigkeit – und zwar in dreierlei Hinsicht: materiell, sozial und wirtschaftlich. „Verarbeitet wird nur heimisches Holz aus einem regionalen Sägewerk, alle Produkte werden unbehandelt verkauft“, gibt Claus Holtvogt ein Beispiel. „Außerdem legen wir Wert auf einen bewussten Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Materialien, und verarbeiten auch Reste so gut es geht weiter.“

25 Jahre sichtbarer Erfolg

In den 25 Jahren seit der Gründung hat „Bauwas“ rund 4.500 Nistkästen und 250 Sitzbänke gebaut, schätzt Holtvogt. Zur Kundschaft der Schülerfirma gehören dabei nicht nur Lehrkräfte, Eltern und die Schüler:innen selbst. Auch das Umweltzentrum Stapelfeld und Schulen aus dem Umland kaufen bei „Bauwas“: „Wir haben unter anderem regelmäßig Aufträge von zwei Förderschulen in Ganderkesee und Oldenburg. Sie kaufen bei uns Bausätze für Nistkästen, bauen diese zusammen und verkaufen sie bunt gestaltet zum Beispiel bei ihren Schulfesten und Weihnachtsmärkten.“

Dass „Bauwas“ noch immer erfolgreich ist, liegt vor allem an der Energie, die Claus Holtvogt und seine Schüler kontinuierlich in die Firma investieren. „Ich sehe den Erfolg Jahr für Jahr: Von acht Schülern pro Jahrgang kann ich durchschnittlich fünf bis sechs richtig für die Sache begeistern und sie für die Zukunft motivieren. Das ist ein großartiges Ergebnis, finde ich.“

Und auch die Schulleitung schätzt die Arbeit, die bei „Bauwas“ Woche für Woche geleistet wird. „Unsere Schülerfirma ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, dass man gerade durch das gemeinschaftliche, praktische Arbeiten etwas in den Jugendlichen bewegen kann. ‚Bauwas‘ eröffnet ihnen reelle Perspektiven für die berufliche Zukunft“, so Schulleiter Dr. Andreas Berndt. Inga Puzicha, Abteilungsleiterin für den Berufseinstieg, ergänzt: „Durch ihre Arbeit in der Schülerfirma können die Schüler ihr handwerkliches Talent entdecken und sich Fähigkeiten aneignen, die sie außerhalb des Unterrichts vermutlich nicht erlernt hätten. ‚Bauwas‘ wird dadurch zu einer wertvollen Ergänzung im Stundenplan.“

Kooperationsprojekt zum Eichenprozessionsspinner

Zurzeit arbeitet „Bauwas“ an einem Projekt rund um den Eichenprozessionsspinner. „An der Straße hier vor unserer Schule stehen einige Eichen, die von den kleinen Raupen bevölkert werden. Die Schüler haben herausgefunden, dass die Raupen von Meisen und die daraus geschlüpften Schmetterlinge von Fledermäusen gefressen werden. Also haben sie Infoplakate dazu erstellt“, erklärt Holtvogt. Diese werden zusammen mit der Abteilung Gestaltung zu Flyern designt, die den passenden Nistkästen bei Bestellung als Infomaterial beigelegt werden. Zusätzlich soll das Projekt am 30. Mai 2026 beim „Tag des offenen Gartens“ im Umweltzentrum Stapelfeld öffentlich präsentiert werden.

Sieben Jahre wird Claus Holtvogt noch unterrichten, bis er sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Dann will er die Schülerfirma in guten Händen wissen und deshalb rechtzeitig nach einer Nachfolge suchen: „Es ist mir ein großes Anliegen, eine motivierte Lehrkraft zu finden, die die Schülerfirma in meinem Sinne fortführen will.“ Eines ist in jedem Fall sicher: Fürs Erste wird Claus Holtvogt noch viele Schüler inspirieren und in ihnen verborgene Talente wecken.