Alpha Robotics

So rettet eine Gründung aus Vechta Leben

30.04.2026

Im November 2021 wurde Alpha Robotics mit dem Innovationspreis des Oldenburger Münsterlandes ausgezeichnet. Unter Geschäftsführer Oliver Rasche entwickelte das junge Vechtaer Unternehmen taktische Roboter für den Einsatz bei Großbränden. Ein Beispiel dafür, wie aus einer Gründungsidee eine Erfolgsgeschichte werden kann.

Schwarzer Rauch steht Ende August 2025 über Hamburg-Veddel. In den Trümmern einer brennenden Industriehalle knackt und zischt es, Gasflaschen explodieren. Die Feuerwehr hat sich zunächst zurückgezogen. Die Sicherheit der Einsatzkräfte geht vor. Zweieinhalb Tage nach Ausbruch des Brandes ersucht die Hamburger Leitzentrale den Landkreis Vechta um Amtshilfe und den Einsatz des dort stationierten „Einsatzzuges spezielle Fähigkeiten ferngesteuerte Systeme und Robotik“. Mit Erfolg, denn schon wenig später sind die ferngesteuerten Kettenfahrzeuge vor Ort und unterstützen bei den Lösch- und Bergungsarbeiten. Die Roboter kommen dahin, wo Menschen nicht mehr sicher arbeiten können.

Entwickelt für den Ernstfall

„Das war genau das Szenario, das wir vor Augen hatten, als wir unsere Firma gegründet haben“, sagt Oliver Rasche. Selbst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr hat er mithilfe seiner Lohner Kameraden Ende der 2010er-Jahre den Prototypen eines Löschroboters entwickelt, der sich aus sicherer Entfernung steuern lässt. Ausgestattet ist er mit einem leistungsstarken Wasserwerfer und einer Kamera mit integrierter Wärmebildtechnik. Ihre Feuertaufe erlebt die Maschine bei einem Lagerhallenbrand in Quakenbrück, später hilft sie auch bei der Bekämpfung von Bränden im Südlohner Moor oder im Berliner Grunewald.

Rasche und sein Projektleiter Philipp Hartke hören sich um. Schnell merken sie, dass sie mit ihrer Idee einen Nerv treffen. „Systeme wie unseren Alpha Wolf R1 gab es bis dahin nicht“, erläutern sie im Rückblick. Tatsächlich ist der „Wolf“ für Extrembedingungen gebaut. Mit einer Zugkraft von bis zu vier Tonnen bewegt er sich sicher durch Trümmer, Hitze und unwegsames Gelände und zieht bis zu zehn mit Wasser gefüllte Löschschläuche über Hunderte Meter. Gesteuert wird das System in Echtzeit – entweder per Handbedienung oder aus einem mobilen Leitstand. In besonders komplexen Lagen liefern zusätzlich Drohnen Luftbilder, um die Situation und das Umfeld präzise einschätzen zu können.

Einsatz unter Kriegsbedingungen

Schon kurz nachdem russische Truppen im Februar 2022 die Ukraine überfallen, entschließen sich die Chefs von Alpha Robotics, ihre Technik nach Kyjiw zu bringen und dem „Staatlichen Dienst der Ukraine für Notfallsituationen“ (DSNS) zur Verfügung zu stellen. Mehrere Systeme des Typs „Wolf“ werden ins Kriegsgebiet geliefert, um die ukrainischen Einsatzkräfte bei der Brandbekämpfung und Erkundung zerstörter Infrastruktur zu unterstützen. Ziel ist es, Feuerwehrleute nicht der Bedrohung durch die russische Doppelschlag-Strategie auszusetzen. Parallel dazu werden ukrainische Feuerwehrleute jeweils rund vier Wochen lang in Deutschland geschult, um die komplexen Einsatzabläufe sicher beherrschen zu können.

Die ersten beiden Prototypen seiner Innovation schenkt Oliver Rasche den Ukrainern. Dass sie tatsächlich genutzt werden, wird deutlich, „als der DSNS in den sozialen Medien Videos von Löscharbeiten postet“. Heute kümmern sich das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) um die Abwicklung. Über die GIZ wurden bisher rund ein Dutzend Roboter angeschafft, außerdem neun mobile Leitstände, über die sich die Geräte fernsteuern lassen. „Es gibt kein anderes System, kein anderes Land, in dem in diesem Maße Vergleichbares eingesetzt wird“, sagt GIZ-Projektleiter Christian Poschmann.

Erfahrungen mit internationaler Wirkung

Dass die Ukraine aufgrund des dort erworbenen Know-hows in vielen Ländern Europas inzwischen als Vorbild für den Einsatz moderner Robotik gilt, macht das Team aus Vechta stolz. „Wir alle profitieren von den Erfahrungen, die dort gesammelt werden“, betont Oliver Rasche. Die Rückmeldungen aus dem Einsatz fließen direkt in die Weiterentwicklung ein und haben aus einem ursprünglich kleinen Projekt eine Problemlösung mit internationaler Wirkung entstehen lassen. Der Weg von Alpha Robotics zeigt, dass erfolgreiche Gründungen nicht aus großen Versprechen entstehen müssen, sondern aus der konsequenten Orientierung an realen Herausforderungen.