Das Amt kennt keinen Feierabend
Das beste Beispiel dafür, was sich mit Teamgeist erreichen lässt, war ihre Idee vom Ehemaligentreffen, das im Juni 2024 erstmals im Festzelt des Schützenvereins Harpendorf-Düpe stattfand. Mit rund 30 Mitstreiterinnen und Mitstreitern war sie im Vorfeld von Haus zu Haus gezogen. „Wir haben überall gefragt, ob die Bewohnerinnen und Bewohner noch Kontakt zu denjenigen haben, die dort vor ihnen wohnten.“ Das Ergebnis der Kurzbesuche konnte sich sehen lassen: Rund 300 Gäste kamen schließlich in der Harpendorfer Heide zusammen – darunter tatsächlich nicht wenige Ehemalige. Für Anne Grabber ein Beweis dafür, wie tief die Wurzeln in den beiden Bauerschaften reichen. „Das hat uns gezeigt, dass sich der Aufwand gelohnt hat und wie wichtig den Menschen diese Gemeinschaft ist“, bilanziert die Bezirksvorsteherin sichtlich stolz.
Apropos Aufwand: Ihr Amt erfordert viel Zeit und Flexibilität. Feste Sprechzeiten gibt es nicht, die Sorgen und Ideen der Menschen kennen keinen Feierabend. Das verlangt ein gutes Zeitmanagement, denn Anne Grabber ist beruflich weiter voll eingespannt. Den täglichen Spagat zwischen Landwirtschaft, Familie und den dörflichen Belangen meistert sie nur mit Rückhalt aus dem privaten Umfeld. Wie viele Stunden sie monatlich für ihre Aufgabe aufwendet, könne sie kaum beziffern. „Mal ist es ganz wenig, mal sehr viel“, sagt sie und bringt ihre Haltung auf den Punkt: „Wenn’s keiner macht, was dann?“
Herzenssache statt Pflichtprogramm
Umso mehr bedauert die Bezirksvorsteherin, dass der Stellenwert des Ehrenamtes in der Gesellschaft grundsätzlich abgenommen hat und es immer schwieriger wird, Menschen für ein solches Engagement zu gewinnen: „Das Gemeinschaftsdenken hat nachgelassen. Und das ist nicht gut.“ Sie wünscht sich, dass sich das wieder ändert. Vereine, Nachbarschaften und ehrenamtliches Engagement seien schließlich das Fundament eines lebendigen Dorflebens.
Sie selbst zieht die Energie für ihren Dauereinsatz aus den persönlichen Begegnungen und dem lebendigen Zusammenhalt vor Ort. Eine kleine Tradition hat Anne Grabber selbst ins Leben gerufen: Zur jährlichen Erstkommunion erhalten alle Erstkommunionkinder im Dorf einige Tage vor dem Fest zwei Fahnen, die vor ihren Häusern aufgestellt werden. „Darauf freuen sich nicht nur die Kinder“, erzählt sie. Mit dieser Geste setzt sie jedes Jahr ein sichtbares Zeichen der Verbundenheit und trägt dazu bei, dass der besondere Tag für die Familien noch lange in Erinnerung bleibt.
Im Gespräch wird deutlich, dass der Posten für die 55-Jährige kein bloßes Pflichtprogramm ist, sondern eine echte Herzensangelegenheit. Es motiviert sie, wenn Probleme auf kurzem, unbürokratischem Weg gelöst werden oder dörfliche Aktionen Menschen zusammenbringen. „Es ist einfach schön zu sehen, wenn man im Kleinen etwas für seine Heimat bewegen kann“, erklärt Grabber.
Ihr persönlicher Maßstab für den Erfolg ist dabei denkbar einfach: „Den Job mache ich gut, wenn alle im Dorf zufrieden sind und ich meine Ziele erreicht habe.“