Deutsche Meisterschaften

So wurde Cloppenburg zum Badminton-Hotspot

30.03.2026

Eine deutsche Meisterschaft in Cloppenburg? Noch dazu in einer olympischen Sportart? Das gibt’s nicht oft. 2025 aber schon. Und 2026 gleich noch einmal. Die Rede ist von Badminton.

Dass die Soestestadt zweimal nacheinander zum Schauplatz nationaler Titelkämpfe wurde, ist vor allem dem Engagement eines nimmermüden Organisationsteams zu verdanken. Alle Fäden liefen bei Mariele Sliwinski zusammen. Die Projektleiterin beim Cloppenburger IT-Unternehmen Amcon ist zugleich Abteilungsleiterin der Badminton-Sparte beim TV Cloppenburg. „Im ersten Jahr bestand unser Kernteam aus fünf Personen“, erinnert sie sich. Je näher das Ereignis Anfang 2025 rückte, desto mehr Helfer:innen kamen hinzu. Und desto mehr Arbeit fiel an – in der Regel nach Feierabend, am Wochenende und natürlich ehrenamtlich. „Für mich war das schon fast ein zweiter Vollzeitjob“, lacht sie.

Vom Volunteer zur Cheforganisatorin

Mit der Organisation des Turniers betrat Sliwinski indes kein Neuland. Als Studentin des Masterstudiengangs „Sport und Lebensstil“ an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg war sie schon 2017 bei der Handball-Weltmeisterschaft der Frauen als Volunteer tätig gewesen. „Da habe ich richtig Feuer gefangen. Seitdem liebe ich es, Sportevents zu organisieren.“

Unterstützung erhielten sie und das Team durch Turnierdirektor Markus Bennewitz vom Niedersächsischen Badminton-Verband und die Stadt Cloppenburg. „Zum Glück“, sagt Sliwinski, „denn man unterschätzt schnell, wie viele Kleinigkeiten am Ende entscheidend sind.“ In den Monaten vor der Meisterschaft mussten die Finanzierung festgezurrt, Sponsoren gefunden, Hotelkapazitäten vor Ort geprüft und ein präziser Zeitplan ausgetüftelt werden. Nicht zu vergessen die Vorbereitung der Spielstätte in der Leharstraße. Die Fensterfronten wurden mit Folien sonnendicht verklebt, Böden verlegt, die Cafeteria für durstige und hungrige Besucher:innen und Sportler:innen vorbereitet.

Mariele Śliwiński mit ihrer Doppelpartnerin Pauline Meyer. © Ludger Langosch

Mariele Śliwiński mit ihrer Doppelpartnerin Pauline Meyer.

„Beim zweiten Turnier Anfang 2026 haben wir natürlich stark von unseren Erfahrungen bei der Premiere profitieren können.“

Mariele Śliwiński

Improvisation gehört dazu

Vieles lief parallel, kurzfristige Änderungen inklusive. Manchmal auch ganz unerwartet: Mitten während des Turniers musste nach einer Verletzung kurzfristig ein Rollstuhl organisiert werden. Eine halbe Stunde später war er vor Ort. „Solche Situationen zeigen, wie wichtig ein funktionierendes Netzwerk und schnelle Entscheidungen sind“, sagt Sliwinski.

Dabei half der Organisationschefin auch eine klare Haltung: „Richte deinen Fokus auf die Lösung und nicht auf das Problem.“ Diesem Mahatma Gandhi zugeschriebenen Leitsatz folgt Sliwinski nach eigenen Worten bis heute. Gerade in stressigen Phasen sei es wichtig, den Überblick zu behalten und pragmatisch zu handeln.

Für sie gab es 2025 im Übrigen noch eine sehr spezielle Herausforderung: Dank einer Wildcard nahm sie mit ihrer Klubkollegin Pauline Meyer auch selbst am Doppel-Wettbewerb teil – schied aber gleich in der ersten Runde aus. „Gegen ein Team aus der Bundesliga hatten wir am Ende einfach keine Chance.“ Nach dem Ausscheiden lag ihr Fokus wieder vollständig auf der Organisation.

Mit Rückenwind in die zweite Runde

Und das alles dann vom 29. Januar bis zum 1. Februar 2026 noch einmal. „Da haben wir natürlich stark von unseren Erfahrungen profitieren können“, erklärt Sliwinski. Viele Abläufe seien eingespielter gewesen, Abstimmungen schneller erfolgt, Herausforderungen früher erkannt worden. Gleichzeitig sei der Anspruch an die Veranstaltung gestiegen. „Man will es ja im zweiten Jahr noch besser machen als bei der Premiere.“ Details, die 2025 noch improvisiert werden mussten, konnten nun gezielt optimiert werden.

Für die Stadt Cloppenburg bedeutete die erneute Ausrichtung mehr als nur eine Wiederholung. Die doppelten Badminton-Meisterschaften erwiesen sich als sportliches Highlight und als Beleg dafür, was mit ehrenamtlichem Engagement möglich ist. Selbst Bürgermeister Neidhard Varnhorn griff für Pressefotos zum Badminton-Schläger. Und die Veranstaltung hinterließ nachhaltige Spuren: Seit den beiden Turnieren verzeichnet die Badminton-Abteilung des TV Cloppenburg einen spürbaren Zulauf. Immer mehr Kinder, Jugendliche und Erwachsene entdecken den Sport für sich und finden den Weg in die Halle.

Eine dritte Meisterschaft wird es in absehbarer Zeit allerdings nicht geben. Der organisatorische Aufwand sei enorm, sagt Mariele Sliwinski. Und ob sie noch einmal sieben Tage ihres Jahresurlaubs dafür opfern möchte, will sie jetzt nicht entscheiden. Ganz ausschließen will sie eine weitere Bewerbung aber nicht: „Vielleicht später mal!“ Denn eines ist klar: Sportevents zu organisieren, bleibt ihre Leidenschaft.