Wie unterscheidet sich die Palliativversorgung von Kindern und Jugendlichen zu der von Erwachsenen?
Toenne: Wer das Stichwort „Palliativversorgung“ hört, denkt meist sofort an onkologische Erkrankungen. Das ist bei Erwachsenen auch oft korrekt. Bei Kindern geht es jedoch viel häufiger um fortschreitende oder angeborene Erkrankungen mit vielfältigen, oft wellenförmig verlaufenden Krankheitsbildern. Damit gehen die unterschiedlichsten Prognosen zur Lebenserwartung einher. Viele unserer Patientinnen und Patienten begleiten wir über einen sehr langen Zeitraum. Wenn eine akute Krise auftritt, kommen wir zu ihnen nach Hause und kümmern uns um die Versorgung. Wir sind in erster Linie da, um Lebensqualität zu geben und Krankenhausaufenthalte zu vermeiden, wenn die Behandlung auch ambulant erfolgen kann. Sobald wir nicht mehr gebraucht werden, ziehen wir uns zurück und halten uns bereit für den nächsten Einsatz.
Feldhaus: Es ist außerdem ein Unterschied, ob man jemanden am Lebensende begleitet oder ob der Patient noch gar kein langes Leben gelebt hat. Das soziale Umfeld ist ein ganz anderes: Bei erwachsenen Patientinnen und Patienten ist es der Partner oder die Partnerin, oder es sind deren Kinder, die in vielen Fällen aber ebenfalls schon erwachsen sind. Wenn aber Kinder und Jugendliche palliativ begleitet werden, sind Eltern, Geschwisterkinder, Großeltern Teil des Umfelds. Es gilt, auch sie in der Versorgung mitzudenken, denn das Familiengefüge zu jeder Zeit im Auge zu behalten, ist ein wichtiger Bestandteil in der SAPV-KJ.
Was sind die größten Herausforderungen im Kontakt mit Angehörigen?
Toenne: Die Balance zwischen Nähe und Distanz zu finden. Wir bewegen uns im häuslichen Umfeld, sind also – anders als in einer Klinik – bei den Familien zu Gast. Wir arbeiten nach dem Prinzip „Das Kind im Fokus, die Familie im Blick.“ Für die Eltern sind wir ein enger Kontakt in einer Zeit, in der sie sich in einer sehr verletzlichen und belasteten Situation befinden . Das heißt, sie sehen uns manchmal als persönlich engen Vertrauten, während wir eine professionelle Haltung einnehmen müssen. Und: Kommunikation – nichts ist so schwierig wie gute Kommunikation. Wir führen tiefgreifende Gespräche über hochsensible Themen, die trotz aller Emotionen ein hohes Maß an Klarheit brauchen.