Oldenburger Münsterland. Der Tourismus gewinnt im Oldenburger Münsterland wirtschaftlich weiter an Gewicht. Gäste sorgten 2025 in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta für einen Bruttoumsatz von 348,1 Millionen Euro. Das waren rund 6,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon profitierten neben Hotels, Restaurants und Cafés auch der Einzelhandel und Dienstleistungsbetriebe. Das zeigen zwei aktuelle Untersuchungen des Beratungsunternehmens dwif, die der Verbund Oldenburger Münsterland in Auftrag gegeben hat.
„Die Analyse macht deutlich, wie breit die wirtschaftliche Wirkung des Tourismus ist. Wenn Gäste bei uns übernachten, essen gehen, einkaufen oder Freizeitangebote nutzen, entstehen Einnahmen in ganz unterschiedlichen Branchen“, sagt Nicole Bramlage, Leiterin des Referats für Wirtschaftsförderung, Mobilität und Tourismus des Landkreises Vechta. „Deshalb gehört die touristische Entwicklung zu einer vorausschauenden Standortpolitik. Attraktive Angebote sind zugleich ein Gewinn für die Menschen, die hier leben und arbeiten.“
Im Landkreis Vechta stieg der Umsatz 2025 um 8,3 Prozent auf 157,1 Millionen Euro. Auf den Landkreis Cloppenburg entfiel ein touristischer Bruttoumsatz von 191 Millionen Euro, ein Plus von 5,2 Prozent gegenüber 2024. Die Berechnungen berücksichtigen Übernachtungen in gewerblichen Betrieben und kleinen Privatquartieren ebenso wie Camping, Reisemobiltourismus und Tagesreisen. Auch geschäftlich veranlasste Reisen fließen in die Untersuchung ein.
Tagesreisen tragen mehr als 60 Prozent zum Umsatz bei
Eine zentrale Rolle spielte der Tagestourismus. Für beide Landkreise ermittelte das dwif insgesamt rund 8,5 Millionen Tagesreisen, nach 7,7 Millionen im Vorjahr. Sie lösten Ausgaben von 212,8 Millionen Euro aus und standen damit für gut 61 Prozent des gesamten touristischen Bruttoumsatzes. Im Landkreis Cloppenburg stieg die Zahl der Tagesreisen von 4,4 auf 4,8 Millionen, im Landkreis Vechta von 3,3 auf 3,7 Millionen.
„Die Tagesreisen zeigen, wie wichtig unser Einzugsgebiet und die Angebote vor Ort sind. Auch wer ohne Übernachtung zu uns kommt, stärkt die heimische Wirtschaft“, erklärt Dirk Gehrmann, Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung des Landkreises Cloppenburg. „Für uns liegt darin ein klarer Auftrag: Wir müssen Ausflugsziele, Kultur- und Freizeitangebote sowie Gastronomie gut miteinander verbinden und gemeinsam sichtbar machen. So schaffen wir zusätzliche Anlässe, das Oldenburger Münsterland zu besuchen.“
Die Übernachtungszahlen blieben nahezu stabil. In den untersuchten Unterkunftsformen einschließlich Camping und Reisemobiltourismus wurden rund 1,405 Millionen Übernachtungen ermittelt. Das waren etwa 4.000 weniger als 2024. Während der Landkreis Vechta um 1,9 Prozent auf 549.000 Übernachtungen zulegte, verzeichnete der Landkreis Cloppenburg einen Rückgang um 1,6 Prozent auf 856.000. Die mit Übernachtungsreisen verbundenen Bruttoumsätze stiegen dennoch in beiden Landkreisen auf zusammen 135,3 Millionen Euro.
Mehr als die Hälfte der Umsätze entfällt auf Handel und Dienstleistungen
Das Gastgewerbe erreichte 2025 einen touristischen Bruttoumsatz von 168,7 Millionen Euro. Weitere 107,8 Millionen Euro flossen in den Einzelhandel und 71,6 Millionen Euro in Dienstleistungen, etwa Kultur-, Freizeit- und Verkehrsangebote. Damit entfiel mehr als die Hälfte der direkten touristischen Umsätze auf Wirtschaftsbereiche außerhalb des Gastgewerbes.
Hinzu kommen wirtschaftliche Effekte bei Zulieferern und Geschäftspartnern wie etwa Lebensmittelproduzenten, Handwerksbetriebe und Dienstleister, die für touristisch geprägte Unternehmen arbeiten. Die direkte und indirekte touristische Wertschöpfung erreichte nach den Berechnungen 163,6 Millionen Euro. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Zuwachs von 10,3 Millionen Euro oder rund 6,7 Prozent. Gemeint sind die durch den Tourismus entstehenden Einkommen in Form von Löhnen, Gehältern und Unternehmensgewinnen.
Schließlich ist der Tourismus auch für die öffentlichen Haushalte relevant: Allein aus Mehrwertsteuer und Einkommensteuer resultierte 2025 ein geschätztes Aufkommen von 32,4 Millionen Euro. Diese Einnahmen kommen Bund, Ländern und Kommunen zugute; sie fließen nicht vollständig in die Haushalte der beiden Landkreise und ihrer Städte und Gemeinden.
Für Bramlage und Gehrmann liefern die Ergebnisse ebenso wie für Johannes Knuck vom Verbund Oldenburger Münsterland eine Grundlage, die touristische Entwicklung weiterzuverfolgen. Im Mittelpunkt stehen dabei attraktive Angebote, ihre Qualität und eine Vermarktung über Kreisgrenzen hinweg. „Gäste planen ihren Aufenthalt nach Erlebnissen und Interessen. Je besser unsere Angebote zusammenpassen, desto mehr kann die gesamte Region davon profitieren“, betont das Trio.