Neues Radverkehrsleitsystem

Landkreis Cloppenburg vollendet integriertes Radverkehrsleitsystem

Veröffentlicht: 10. April 2026
© Sascha Rühl / LK Cloppenburg
Offizielle Fertigstellung des neuen Radverkehrsleitsystems am Knotenpunkt 16 vor der Wallfahrtskirche in Bethen.

Landkreis Cloppenburg vollendet integriertes Radverkehrsleitsystem. Modernes Knotenpunktsystem auf 1.548 Kilometern – 235.600 Euro investiert – Offizielle Eröffnung mit Rad-Aktionstag geplant 

Landkreis Cloppenburg. „Wir sind fertig, die Radsaison kann losgehen“, freute sich Landrat Johann Wimberg nun anlässlich der Fertigstellung des neuen Knotenpunktsystems für den Radverkehr im Landkreis Cloppenburg. Nach intensiven Arbeiten in den vergangenen Wochen und Monaten haben die Bauhöfe der 13 Städte und Gemeinden kreisweit die letzten der insgesamt 2.432 Schilderstandorte aufgestellt.

Das Knotenpunktsystem gibt es allerdings schon länger im Landkreis Cloppenburg. Über Jahre existierten im Landkreis zwei parallele Wegweisungssysteme, die bei Radfahrenden zu Irritationen führten: das 2014/2015 eingeführte Knotenpunktsystem sowie das 2016-2018 umgesetzte Radverkehrsleitsystem. „Diese Situation war unbefriedigend. Mit dem neuen integrierten System haben wir nun eine klare, einheitliche Orientierung geschaffen, die nahtlos an die Nachbarlandkreise anschließt – bis hinein in die Niederlande und nach Belgien“, erläuterte Landrat Wimberg.

Das fertiggestellte System umfasst ein Radwegenetz von 1.548 Kilometern mit 379 Knotenpunkten. Davon sind 133 Kilometer neu in das Netz aufgenommen worden. Neben den Wegweisern wurden 86 große Infotafeln und 312 kleinere Infotafeln installiert, die jeweils Übersichtskarten und wichtige, bei der Rettungsleitstelle registrierte Notfallpunkte für schnelle Hilfe enthalten.

Die Gesamtinvestition belief sich auf 235.600 Euro zuzüglich der personellen Kosten der kommunalen Bauhöfe. Der Eigenanteil für den Landkreises konnte auf lediglich 65.411 Euro begrenzt werden. Dies ließ sich durch eine gezielte Kombination von Fördermitteln erreichen: Die Planung wurde zu 60 % über das LEADER-Programm und die Beschilderung zu 80 % über das Niedersächsischen Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (NGVFG) finanziert. „Diese Investition hat sich absolut gelohnt“, betonte Wimberg. „Wir schaffen damit die Grundlage für mehr Radverkehr im Alltag für Gesundheit und Klimaschutz und stärken gleichzeitig erheblich unsere Position als attraktive Radreiseregion.“

Die wirtschaftliche Bedeutung des Projekts unterstrich Dirk Gehrmann, Leiter der Wirtschaftsförderung des Landkreises, dessen Team die Federführung in enger Abstimmung mit den drei Erholungsgebieten, dem Verbund Oldenburger Münsterland, den Kommunen und dem mtg Planungsbüro aus Hannover hatte. „Der Tourismus generiert im Landkreis Cloppenburg einen Bruttoumsatz von 181,6 Millionen Euro jährlich und sichert rund 3.000 Vollzeit-Arbeitsplätze.“ Das neue Radverkehrsleitsystem sei ein zentraler Baustein, um diese Position weiter auszubauen. „Mit 493.703 Übernachtungen in 2024 – ein Plus von 5,1 Prozent gegenüber 2019 – zeigen die Gästezahlen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, befand der Kreiswirtschaftsförderer.

Katrin Robke, Tourismus-Projektleiterin beim Landkreis, ergänzte: „Das Knotenpunktsystem macht Radfahren denkbar einfach: einfach von Nummer zu Nummer fahren, an jedem Knotenpunkt neu entscheiden, wohin die Tour gehen soll. Diese Flexibilität schätzen sowohl Einheimische als auch Gäste. Zudem arbeiten wir bereits an der digitalen Erweiterung mit der Software 'tourinfra', die allen Radfahrenden zukünftig die flexible Tourenplanung ermöglicht und zugleich das zentrale Instrument für das Qualitäts- und Mängelmanagement der Strecken sein wird.“

Das Projekt sei ein Paradebeispiel für erfolgreiche Kooperation, betonten die Vertreter der Kommunen. Nils Anhuth, Barßels Bürgermeister und Vorsitzender des Kreisverbandes des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, sagte: „Die Zusammenarbeit zwischen Landkreis, Kommunen und Erholungsgebieten war ausgesprochen konstruktiv. Jeder hat seinen Teil beigetragen: Der Landkreis hat den Großteil der Kosten getragen, die Wirtschaftsförderung die Planung mit den Erholungsgebieten übernommen, und unsere Bauhöfe haben die Schilder vor Ort montiert.“

Witali Bastian, Molberger Bürgermeister und Geschäftsführer des Kreisverbandes, fügte hinzu: „Für uns Kommunen und auch die Gastronomiebetriebe ist das System ein echter Gewinn. Es erleichtert nicht nur Gästen die Orientierung, sondern macht auch unseren Bürgerinnen und Bürgern das Radfahren im Alltag attraktiver.“

Die drei Erholungsgebiete, die bereits 2014/2015 das ursprüngliche Knotenpunktsystem initiiert hatten, zeigten sich hochzufrieden. Maria Oloew, Geschäftsführerin des Erholungsgebiets Thülsfelder Talsperre, erklärte: „Wir haben von Anfang an das Knotenpunktsystem geglaubt und sind stolz, dass es nun in dieser professionellen Form kreisweit umgesetzt wurde. Das ist ein wichtiger Beitrag zu nachhaltigem Tourismus und Klimaschutz.“ Jens Lindstädt, Geschäftsführer des Erholungsgebiets Barßel & Saterland, betonte: „Das neue System verbindet unsere touristischen Highlights. Radfahrende können nun mühelos von der Soeste zu den Kanälen und weiter zum Hasetal oder zur Talsperre radeln.“ Und Jurriën Dikken, Geschäftsführer des Erholungsgebiets Hasetal, ergänzte: „Mit diesem System positionieren wir uns klar als Teil der europäischen Radverkehrsregion. Die Anbindung an die Knotenpunktsysteme in den Niederlanden eröffnet uns völlig neue Zielgruppen.“

Ein besonderes Augenmerk legte das Projektteam auf Sicherheitsaspekte. Alle Infotafeln sind mit Notfallpunkten versehen, deren GPS-Koordinaten für Notfälle bei der Rettungsleitstelle hinterlegt sind. Zudem erfüllt das System die aktuellen Vorgaben der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV), was Voraussetzung für eine angestrebte ADFC-Zertifizierung als Radreiseregion ist und Einheitlichkeit in Deutschland schafft.

Die Fertigstellung wurde bei einem Treffen an der Wallfahrtskirche in Bethen bekannt gegeben – oder für Radfahrer: Knotenpunkt Nummer 16. Der Termin für die offizielle Eröffnung steht bereits fest: Am 14. Juni 2026 findet an der Thülsfelder Talsperre der große Rad-Aktionstag „WIRRADELNHIER“ statt. Aus allen Kommunen des Landkreises führen an diesem Tag begleitete Sternfahrten zum zentralen Aktionsplatz, sodass Bürgerinnen und Bürger das neue System ausgiebig testen können. Alle Details zum Programm und die Möglichkeit zur Anmeldung sind ab sofort online unter www.lkclp.de/wirradelnhier verfügbar. Passend dazu ist auch die neue Radwanderkarte in den Tourist-Informationen in Barßel, Löningen sowie Cloppenburg zum Preis von nur 3,00 € erhältlich. „Wir laden alle herzlich ein, die neuen Möglichkeiten zu nutzen und die landschaftliche Vielfalt unseres Landkreises mit dem Rad zu entdecken. Und Sie sollten sich den Termin zur Eröffnung groß im Kalender markieren, denn wir haben ein ganz besonderes Programm geplant, das die Herzen der Radfahrerinnen und Radfahrer höher schlagen lassen wird“, schloss Landrat Wimberg.

  • Gesamtkosten: 235.600 € (+ personelle Kosten der Bauhöfe)
  • Fördersumme: 170.189 € (60% bzw. 80%)
  • Eigenanteil Landkreis: 65.411 €
  • Radwegenetz: 1.548 km
  • Knotenpunkte: 379
  • Schilderstandorte: 2.432
  • Neue Routen: 133 km
  • Große Infotafeln: 86
  • Kleine Infotafeln: 312