Ein neues Kapitel aufschlagen

Buchhandel im Oldenburger Münsterland

28.02.2023

Wachsende Konkurrenz durch den Onlinehandel und zuletzt die Einschränkungen, die mit der Covid19-Pandemie einhergingen – die Zeiten für unabhängige Buchhandlungen sind nicht einfach. Drei Inhaber von Buchhandlungen aus dem Oldenburger Münsterland berichten, wie sie die Herausforderungen meistern.

„Die Schließung kurz vor Weihnachten – der Hauptumsatzzeit – das war wirklich hart“, erinnert sich Martin Weitzmann an die Auswirkungen der Covid19-Pandemie auf seine gleichnamige Buchhandlung in Neuenkirchen-Vörden. Auf Bücher musste aber niemand verzichten. Bereits vor der Schließung hatte Weitzmann nämlich einen Abhol- und Bestellservice installiert. Via Website, Mail oder Telefon konnten die Bestellungen leicht und unkompliziert aufgegeben und am Hintereingang des Geschäfts in Empfang genommen werden.

Kunden in Neuenkirchen und Vörden profitierten sogar von der Möglichkeit Bücher per Fahrradzustellung nach Hause geliefert zu bekommen. „Auf unserem Quittungsblock findet sich der Schriftzug Die Buchhandlung in Ihrer Nähe, das haben wir wörtlich genommen“, so Weitzmann. Besonders von älteren Menschen gab es viele positive Reaktionen auf den Lieferservice. Nicht zuletzt, da sie die persönliche Begegnung schätzten – wenn auch auf Abstand. Die Maßnahmen konnten die Geschäftsumsätze zwar nur zum Teil kompensieren, aber die Aktionen hatten einen hohen Werbeeffekt, was sich nach Wiedereröffnung auszahlte.

Digital versus analog

Auch die Buchhandlung H.B. Schepers in Friesoythe hat die vergangenen zwei Jahre den Umständen entsprechend gut überstanden. Eine Teilzeitkraft musste in der Zeit leider entlassen werden, davon abgesehen habe Corona das Geschäft aber nicht nachträglich beeinflusst, sagt Heiner Schepers, der seit 1983 im Familienunternehmen tätig ist. Eine große Hilfe war laut ihm die finanzielle Unterstützung des Staates in Form der Corona-Überbrückungshilfe.

Eine noch positivere Resonanz zieht Stefan Rinklake, Inhaber der Buchhandlung im Alten Rathaus in Damme: „Anstatt im Geschäft, gab es lange Schlangen vor der Tür. Alle waren zufrieden. Es lief alles total entspannt und ohne Probleme.“ Kritischer sieht er hingegen die Entwicklung, dass viele Menschen ihre Bücher lieber online kaufen. Trotzdem weiß Rinklake um die Vorteile, ein Buch von zu Hause aus zu bestellen. Deswegen verfügt die Buchhandlung im Alten Rathaus inzwischen über einen eigenen Onlineshop – mit steigendem Umsatz. Und auch die Buchhandlung selbst profitiert von Onlineshops. Kundenwünsche abseits des Mainstreams, wie zum Beispiel antiquarische Bücher, können so einfach und schnell bedient werden.

Buchhandlung als Treffpunkt

Zusätzlich biete der stationäre Buchhandel laut Stefan Rinklake gegenüber dem Onlinehandel einige Wettbewerbsvorteile. „Er ist Anlaufort für gebrochene Herzen und einsame Menschen, auch ein Ort des Trostes und der Inspiration. Glückliche Kinder, die sich mit einem Buch in die Kinderecke kuscheln, ein Ort, wo junge Mütter stolz ihr neugeborenes Kind vorzeigen und ein kleines Geschenk bekommen, es ist ein Ort der Haptik“, schwärmt der Buchhändler. Und natürlich spiele die persönliche Beratung eine nicht zu unterschätzende Rolle. „Jeder liest anders“, weiß auch Martin Weitzmann und fügt hinzu: „Meinen Kunden biete ich eine individualisierte Beratung. Ich kann sie so auf ihren Leseweg begleiten und für Bücher begeistern.“ Eine Dienstleistung, die kein Onlineshop leisten kann.

Den Kontakt mit Menschen sieht ebenso Heiner Schepers als Schlüssel im Wettbewerb zu Onlineshops. „Die Leute sind auf der Suche nach Kontakt mit Menschen. Das passiert online nicht.“ Oft kämen Menschen in seine Buchhandlung, weil sie Fragen haben oder Tipps möchten. Andere wiederum aus einer Laune heraus zum Stöbern und Schauen. Für Schepers alles Gründe, warum er überzeugt ist, dass Buchhandlungen in Zukunft bestehen bleiben – wenn auch in geringerer Anzahl.

Stefan Rinklake sieht eine Teilverantwortung für die Entwicklung bei den Buchhandlungen selbst: „Die Digitalisierung schreitet ungehemmt voran und der Buchhandel muss sich kreativ anpassen.“ Für ihn ist ebenfalls klar: „Wo der Mensch als Mensch behandelt wird, da wird es auch in 30 Jahren Leben und Menschen geben.“