Muslimisches Gräberfeld in Lohne

Gemeinsam Leben – und die letzte Ruhe finden

07.10.2026

„Lohne ist unsere Heimat“, sagt Evren Demirkol. „Für mich gehört dazu auch, hier nach unseren religiösen Traditionen die letzte Ruhe zu finden.“ Nach jahrelanger Vorbereitung wird dieser Wunsch bald in Erfüllung gehen: Auf dem katholischen Friedhof St. Gertrud entsteht ein muslimisches Gräberfeld.

„Ein Grab ist nicht nur ein Ort für die Verstorbenen, sondern auch für die Menschen, die zurückbleiben.“
-Evren Demirkol

Lohne hat eine rege muslimische Gemeinde. Viele Mitglieder sind in zweiter oder dritter Generation hier geboren und fest verwurzelt. Der örtliche Islamische Kulturverein baut gerade eine neue Moschee – ohne Fördergelder, nur durch Spenden und Eigenleistungen. Was bisher fehlt: ein Friedhof. „Mein Vater liegt in einem kleinen Dorf in der Türkei begraben, in dem heute kaum noch jemand lebt“, berichtet Evren Demirkol. „Wenn ich sein Grab besuchen möchte, muss ich rund 2.800 Kilometer reisen. Ein spontaner Besuch ist nicht möglich. Das wünsche ich mir für unsere Kinder anders.“ Als Vorstandsmitglied des Kulturvereins und Lohner Ratsmitglied hat er daran mitgewirkt, dass nun eine Lösung gefunden wurde. „Mir bedeutet diese Entscheidung sehr viel. Ein Grab ist schließlich nicht nur ein Ort für die Verstorbenen, sondern auch für die Menschen, die zurückbleiben: um zu trauern, sich zu erinnern und ihren Angehörigen nahe zu sein.“

Traditionell muslimische Bestattung

Muslimische Bestattungen unterscheiden sich je nach Herkunft, Familie und religiöser Ausrichtung. In der Regel erfolgt die Beisetzung innerhalb von 24 Stunden nach dem Tod. Nach einer rituellen Waschung wird der Körper traditionell in ein schlichtes weißes Leichentuch gehüllt. Nach dem islamischen Totengebet wird er so beigesetzt, dass das Gesicht der verstorbenen Person in Richtung Mekka zeigt. Während Gräber auf deutschen Friedhöfen meist nach einer festgelegten Ruhefrist neu vergeben werden können, sieht die islamische Tradition eine dauerhafte, ungestörte Totenruhe vor.

Nach jahrelanger Vorarbeit hat der Lohner Rat nun den Weg für ein muslimisches Gräberfeld freigemacht und die baurechtlichen Grundlagen geschaffen. „Muslimische Mitbürgerinnen und Mitbürger gehören auch über den Tod hinaus in die Mitte unserer Gesellschaft – und damit auch in die Mitte unserer Stadt“, betonte Bürgermeisterin Dr. Henrike Voet im Vorfeld. Sobald die Pfarrei St. Gertrud ihre Friedhofssatzung angepasst hat, sollen ab dem Jahr 2027 die ersten Bestattungen möglich sein. Zur Sargpflicht, die das deutsche Bestattungsrecht in der Regel vorsieht, erklärt Evren Demirkol: „Die wird es bei uns nicht geben. Wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, kann man auf Antrag vom Landkreis davon befreit werden.“ Das Totengebet und die Totenwaschung sollen überwiegend in der neu gebauten Lohner Moschee stattfinden.

Religiöse Vielfalt ist alltäglich in der Region

Das Oldenburger Münsterland ist historisch stark katholisch geprägt. Zugleich leben hier heute Menschen unterschiedlicher christlicher Konfessionen und anderer Religionen. Muslimische Gemeinden betreiben an vielen Orten der Region Moscheen und Gebetsstätten, die auch Anlaufstellen für Begegnung, Austausch und gemeinschaftliches Leben sind. In Cloppenburg hat die muslimische Gemeinde ein eigenes Gräberfeld auf dem katholischen St.-Andreas-Friedhof. Der Lohner „Kalender der Vielfalt“ macht religiöse Feiertage verschiedener Glaubensgemeinschaften sichtbar – zusammen mit regionalen Traditions- und Großveranstaltungen.

Religiöse Vielfalt gehört zum Alltag. Bestattungen sind ein selbstverständlicher Teil davon. Am im Vorjahr gut besuchten Tag der offenen Moschee kann der Islamische Kulturverein Lohne diesmal wegen der Bauarbeiten nicht teilnehmen. Dafür soll die Moschee noch Ende 2026 eröffnet werden. Eine Einladung spricht Evren Demirkol trotzdem aus: „Wir freuen uns jederzeit über Besuch.“