Die Legende geht so: Da sitzen ein paar junge Menschen in der Kneipe. Nach dem einen oder anderen Bierchen und vermutlich auch Höherprozentigem kommt die Sprache aufs anstehende Schützenfest. Und schon sprudeln die Ideen: Könnten wir nicht? Wollen wir vielleicht? Was haltet ihr von?
„So war das wirklich“, sagt Daniel Tepe. Das klassische Schützenfest in Elisabethfehn sei vielen Jugendlichen damals in der Zeit vor der Jahrtausendwende zu langweilig und zu altbacken gewesen, weiß er. Sie wünschten sich etwas Jüngeres, etwas Moderneres. Mehr Rock und Pop als Tschingderassabum und Ballermann-Hits. Und sie ergriffen die Initiative.
35 Freiwillige halten die Tradition aufrecht
Daniel Tepe gehört zur zweiten Generation des Organisationsteams, kennt die Anfänge nur vom Hörensagen. Mit rund 35 Freiwilligen hält er die Tradition aufrecht. Ehrenamtlich organisieren sie am Abend vor dem Schützenfest ein Konzert. Das große Festzelt ist dann schon aufgebaut, alle andere muss herbeigeschafft werden. Übers Jahr lagert das nötige Equipment in einem Container beim Dorfgemeinschaftshaus. Im Februar beginnen die Planungen. Auf der Bühne steht stets eine regionale Band. „Das ist uns wichtig“, sagt Tepe. „E’fehn rockt“ solle kein Festival werden, das sich größer macht, als es ehrenamtlich zu stemmen ist.
Längst geht es bei „E’fehn rockt“ nicht mehr nur um ein bisschen laute Musik als Gegenprogramm zum Schützenfest. Die Veranstaltung ist für viele in der Gemeinde Barßel ein fester Termin im Jahreskalender geworden. Ein Abend, an dem man sich trifft, wiedersieht, nach Hause kommt. Gerade in einer Region, in der junge Leute oft früh wegziehen und vieles sich auf wenige große Termine im Jahr konzentriert, ist so ein Ereignis mehr als nur Unterhaltung.
Musikalische Veränderungen stehen an
Und trotzdem hat sich „E’fehn rockt“ verändert. Musikalisch zumindest. Rock sei zwar nach wie vor Teil der DNA, sagt Daniel Tepe, „aber wir merken natürlich auch: Es wird wohl etwas mainstreamiger werden müssen.“ Das habe nichts mit dem Verlust von Idealen zu tun, sondern mit Realität. Wer heute ein Zelt füllen wolle, brauche Bands, die mehr Menschen erreichen. Denn auch das gehört zur Wirklichkeit: Seit den Zeiten der Pandemie konnten die früheren Besuchszahlen nicht mehr erreicht werden.
Eine Frage stellt sich da natürlich: Warum macht man das überhaupt? Warum nimmt man jedes Jahr wieder die Arbeit auf, schleppt Technik und Theke, plant Abläufe, organisiert Helfer:innen, obwohl am Ende niemand dafür bezahlt wird? Daniel Tepe muss bei der Frage nicht lange überlegen. Es gehe ihm um mehr als Musik, sagt er. „Es ist dieses Gefühl, dass der Ort an dem Abend lebt, dass wir zusammen etwas bewegen können.“ Und auch darum, dass aus einer verrückten Idee etwas entstanden ist, das bis heute funktioniert.
Damit das so bleibt, brauche es immer wieder neue Impulse, sagt Tepe. Frische Ideen seien ausdrücklich willkommen. „Wir sind offen für junge Leute, die Lust haben, mitzumachen.“ Und vielleicht stehe irgendwann auch ein weiterer Generationswechsel an. So wie Tepe und andere einst Verantwortung übernommen hätten, müssten auch künftig Jüngere nachrücken. Denn entstanden ist „E’fehn rockt“ schließlich genau so: aus dem Wunsch heraus, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.