Was macht das Entziffern historischer Texte für Ungelernte so schwierig?
Ameskamp: Einige Buchstaben wurden ganz anders geschrieben als heute und können auf eine falsche Fährte führen. Heute ist unser kleines E rund mit Schlaufe. In der deutschen Kurrentschrift sind es zwei senkrechte Striche dicht nebeneinander. Die Kleinbuchstaben N, M und U ähnelten sich stark, sodass man genau hinschauen muss, und beim kleinen S gab es zwei verschiedene Formen: ein Mittel-S, wie bei „Lesen“, und ein Schluss-S, wie bei „Haus“.
Diese und weitere Details rund um die „Alten Schriften“ erklären Sie in Ihren Workshops. Wer nimmt daran teil?
Ameskamp: Oft sind es Menschen, die alte Familiendokumente lesen wollen. Andere kommen aus Heimatvereinen, Standesämtern oder dem Denkmalschutz und möchten die Archivbestände ihrer Institution nutzen können. So kommt immer eine bunte Mischung an Leuten zusammen, denen ich in Anfängerkursen das nötige Handwerkszeug beibringe. Um routiniert zu werden, kommt es danach auf Übung an. Dafür gebe ich auch gern Tipps zu weiterführender Literatur und auch die Workshops für Fortgeschrittene können genutzt werden.
Kann beim Lesen denn die Künstliche Intelligenz weiterhelfen?
Ameskamp: Nur zum Teil, denn wenn ich das Lesen der Schrift nicht vollständig beherrsche, wie kann ich wissen, ob die KI ein Schriftstück korrekt transkribiert? Bei großen Beständen macht es Sinn, diese zu digitalisieren und von einer KI „übersetzen“ zu lassen. Da sind die Ergebnisse auch schon erstaunlich gut. Aber in jedem Fall braucht es im Anschluss eine genaue Prüfung von jemandem, der die Schrift wirklich lesen kann. Fehler der KI ergeben sogar oftmals Sinn und sind deshalb umso schwerer erkennbar.