Wald-, Umwelt- & Nachhaltigkeitsschule Dammer Berge

Staunen, Genießen, Lernen, Verändern

01.09.2025
Autorin: Alke zur Mühlen

Mit der WUNSCH – Wald-, Umwelt- und Nachhaltigkeitsschule Dammer Berge“ hat Klaus Potthoff ein Projekt geschaffen, das Naturerlebnis, Achtsamkeit und Bildung verbindet. Ob Waldbaden, Pilzwanderung oder Obstbaumschnitt – sein Ziel ist es, Menschen für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren und die Schönheit der Dammer Berge erlebbar zu machen. Im Interview verrät er, wie davon nicht nur Körper und Geist profitieren, sondern echte Haltungswandel gelingen.

Herr Potthoff, über 1.000 Personen begeistern sich mittlerweile jährlich für Ihre Angebote. Was ist besonders beliebt?

Besonders frühzeitig sollte man sich zu Vollmondwanderungen am Dammer Bergsee, den Floristik-Workshops und den Lost-Places-Führungen durch den ehemaligen Militärstandort MUNA Damme anmelden, die ganzjährig stattfinden. Außerdem finden unsere Führungen in die geheimnisvolle Welt der Pilze, das Jahreszeiten-Waldbaden, der Workshop „Mythos Raunächte“ oder das Obstbaumschnitt-Seminar besonderen Anklang. Es verwundert mein Team aus freien Dozent:innen und mich hingegen, dass Angebote wie die Stadtbaumführung oder die Waldlesung „Der Wald in Poesie und Prosa“ noch den Status eines Geheimtipps haben.

Über allem steht Ihr Motto Staunen, Genießen, Lernen, Verändern. Worauf beruht es?

Das Staunen und der Genuss sind emotionale Türöffner, um mehr über die Natur und ihre Zusammenhänge erfahren zu wollen. Diese Kenntnisse und die tiefe Wertschätzung halten wir für die Grundlage, dass sich Menschen intrinsisch motiviert für den Erhalt unserer Welt einsetzen.

Ich bin mittlerweile jahrzehntelang im Bereich der Gesundheitsförderung und der früher so genannten Umweltbildung aktiv, und bin überzeugt: Bildungskonzepte sollten den Teilnehmenden ermöglichen, mit allen Sinnen eine Beziehung zu den unterschiedlichsten belebten und unbe­lebten Elementen ihrer Umwelt aufzubauen.

Ein aktiver Prozess ...

Genau! Unsere Erfahrung ist: Die Menschen möchten nicht belehrt werden. Wir erreichen viel, viel mehr, wenn wir geduldig und beharrlich Erwachsene, Jugendliche und Kinder zum Staunen und Genießen bringen, damit sie den Wert unserer Natur und Umwelt schätzen lernen und dadurch schützen möchten.

Teil der Unternehmensphilosophie ist es, dass sich die WUNSCH Dammer Berge den Grundsätzen einer Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) verpflichtet hat. Wir wollen einen Beitrag zur Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN leisten.

Ein besonderer Schwerpunkt ist das Waldbaden. Was steckt dahinter?

Das Gesundheitsformat Waldbaden heißt im Herkunftsland Japan „Shinrin Yoku“. Wörtlich übersetzt bedeutet es „Abtauchen in die Atmosphäre des Waldes“. Damit wird deutlich, dass es darum geht, den Wald achtsam zu erleben und von seinen wissenschaftlich nachgewiesenen gesundheitsfördernden Effekten auf Körper, Geist und Psyche zu profitieren. Immerhin wird Waldbaden z. B. in Japan oder Neuseeland sogar auf Krankenschein vom Hausarzt verschrieben!

Die Oldenburger Münsterländer:innen haben die Natur vor der Haustür. Warum braucht es hier trotzdem solche Impulse?

Wir können uns glücklich schätzen, in einer Region zu leben, die durch die Schönheit und Vielfalt der Natur andere Menschen anlockt, um hier z. B. ihren Urlaub zu verbringen. Häufig treffen wir sehr fleißige Mitmenschen, bei denen die Vermutung nahe liegt, dass sie sich durch einen Gewöhnungseffektim Alltagstrott dieses Umstandes gar nicht mehr bewusst sind.

Zählt auch der Sonntagsspaziergang?

Das Waldbaden ist etwas anderes als ein Familienspaziergang am Sonntag oder das alltägliche Gassigehen mit dem Hund. Der Mensch und das eigene Wohlbefinden stehen im Mittelpunkt, wenn kurzweilige Aktivitäten, wie angepasste Qi-Gong-Übungen, Achtsamkeitsaufgaben, kleine Meditationen und Atemtraining zur Stressreduktion und Entspannung beitragen.

Beim Indoor-Waldbaden holen Sie das positive Erlebnis sogar in Alters- und Pflegeeinrichtungen...

Menschen, die in Alters- und Pflegeeinrichtungen wohnen, haben oft keinen unmittelbaren Kontakt zur Natur oder zum Wald. Unter dem Motto: „Wenn der Mensch nicht in den Wald kommt, dann kommt der Wald eben ins Haus!“ holt die WUNSCH die Gerüche, Lichter, Geräusche und Materialien aus dem Wald ins Haus und aktiviert damit alle Sinne.

Und wie kommt das an?

Sehr gut, viele Bewohner:innen leben spürbar auf, verbinden das Erlebte mit Erinnerungen. Die Dammer Bürgerstiftung hat das Projekt sogar mit einem Förderpreis ausgezeichnet. Wir freuen uns sehr, dass das Interesse an einer Durchführung dieses Green-Care-Formates zurzeit stark wächst. Das Konzept ist mit seinem hohen Materialeinsatz nach unseren Recherchen offenbar im deutschsprachigen Raum einzigartig – es wurde bereits ein markenrechtliches Verfahren in die Wege geleitet.

Mit Ihrer Gründung haben Sie in der Region offene Türen eingerannt. Wie wichtig ist dieser Rückhalt für den unternehmerischen Erfolg der WUNSCH, aber auch für die Mission?

Wir sind unfassbar dankbar, dass wir in den ersten Jahren unseres unternehmerischen Handelns ein Netzwerk aufbauen konnten, in dem man sich partnerschaftlich wohlwollend begegnet. Neben den regionalen Heimat-, Kultur- oder Naturschutzvereinen sowie der Forstbetriebsgemeinschaft Dammer Berge war auch die Zusammenarbeit mit den Gemeindeverwaltungen im Südkreis Vechta unglaublich zugewandt und hilfreich.

Vieles wäre ohne Kooperationen nicht möglich...

Genau, nicht zu vergessen sind die institutionellen und privaten Waldbesitzer:innen und Flächeneigentümer:innen wie Landwirt:innen oder die Deutsche Bun­desstiftung Bundesstiftung Umwelt (DBU), ohne deren wohlwollendes Einverständnis viele unserer Angebote schlichtweg gar nicht umsetzbar wären.

Die unkomplizierte Veröffentli­chung unserer Veranstaltungsangebote über die medialen Kanäle des Verbundes Oldenburger Münsterland, der Tourist-Informationen Dammer Berge und Dümmer-Weserland, des Naturpar­kes Dümmer oder der Dümmerland-App sind als Marketing unbezahlbar.

Diese Unterstützung ist aber auch ein Zeichen für den großen Willen jeder Institution, durch die Unterstützung der WUNSCH einen Beitrag zur Umsetzung des Nachhaltigkeitsgedankens zu leisten. Ein klassischer Win-Win-Effekt.

Die Nachhaltigkeitsziele wurden 2015 formuliert. Wichtige Anliegen, und doch so schwer zu erreichen. Warum ist das so?

Bis ein Baum gewachsen und stabil verwurzelt ist, braucht es Zeit. Lebenslang antrainierte Verhaltensweisen von Menschen sind meist tief in ihren Gewohnheiten verankert. Diese Muster bieten aber Sicherheit. Wenn man die eigene Komfortzone verlässt, kann man das als unangenehm empfinden. Manchmal sieht man persönliche Nachteile auf sich zukommen. So ist es ein langwieriger Prozess, die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen zu erreichen. Politische, gesellschaftliche oder ökonomisch begründete Interessenskonflikte kommen erschwerend hinzu.

Konnten Sie in Ihrer langen Laufbahn schon Bewegung beobachten?

Und wie! Wenn wir uns die vergangenen dreißig Jahre anschauen, hat sich an der Haltung der Men­schen einiges verändert. Beispiele sind unter anderem das gestiegene Bewusstsein für die Dringlichkeit des Klimaschutzes, eine stärkere Nachhaltigkeitsorientierung, etwa in Gesellschaft, Wirtschaft und Bil­dung, oder die Zunahme von Umweltinitiativen.

Auf welche neuen Impulse darf die Region sich freuen?

Zurzeit planen wir unter anderem die thematische Ausweitung unserer Lost-Places-Führungen zu Orten, an de­nen Menschen in der Geschichte einen gewissen Zeitraum gelebt, ihn aber irgendwann wieder verlassen haben. Auch musisch-ästhetische Angebote stehen auf der Agenda.

Ein brauner Pilz © WUNSCH Damme

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WUNSCH Damme

Die Freizeitangebote der WUNSCH Damme findet ihr in unserem OM-Veanstaltungskalender! Neben Veranstaltungen und Workshops bietet WUNSCH auch Fortbildungen und Beratungen rund um das Thema Nachhaltige Bildung an.

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