„Das hätte ich gerne schon in der Schule gelernt!“ Wer hat das noch nie gedacht? Auch Ludwig Thiede fühlte sich unzureichend auf das Leben vorbereitet. Er wollte etwas daran ändern, sah aber auch die schon große Herausforderung in Schulen durch ausfallenden Unterricht. So entstand vor zehn Jahren die Initialidee für den gemeinnützigen Verein LifeTeachUs, der beides miteinander verbindet. Das Konzept: Ehrenamtliche, genannt LifeTeacher, springen punktuell an Schulen ein und bringen Schüler:innen bei, was sie gut können, selbst gerne früher gewusst hätten, oder auch wofür sie brennen.
Eine App bringt registrierte Schulen sowie geprüfte und qualifizierte Freiwillige in Echtzeit zusammen. Gibt es ein Match, kommt ein LifeTeacher für eine Unterrichtsstunde in die Schule. Bei größeren Entfernungen sind Videokonferenzen möglich. Das Social-Start-up ist in den letzten zwei Jahren stark gewachsen. Es hat mittlerweile ein hauptamtliches Team und wird von der Bundesagentur für Sprunginnovationen unterstützt. Schon über 19.000 Freiwillige und mehr als 500 Schulen haben sich auf der gemeinnützigen Plattform registriert.
Ehrenamtliche in Cloppenburg und Vechta gesucht
Auch zwei Institutionen im Oldenburger Münsterland wollen künftig auf diesem Weg Praxiswissen in den Schulalltag bringen. „Die Johann-Comenius-Oberschule in Cloppenburg hat sich für LifeTeachUs angemeldet“, berichtet Direktorin Diana von Harten. Einen Schritt weiter ist das Gymnasium Antonianum Vechta. „Seit Beginn des Schuljahres 2025/2026 sind wir Partner von LifeTeachUs“, erklärt Linda Hüllmann, Studienrätin und Mitglied der Schulleitung. Ebenso wie die Registrierung funktioniert auch die Buchung der LifeLessons unkompliziert per App. „Im Normalfall hat man innerhalb einer Stunde eine Rückmeldung eines LifeTeachers, die Kommunikation hat immer super geklappt.“
Der erste Einsatz lässt allerdings noch auf sich warten. „Entweder ist den LifeTeachern etwas dazwischengekommen, sie waren krank oder meine Unterrichtsstunde wurde verschoben oder fiel aus“, bedauert Hüllmann. Sie bleibt trotzdem motiviert. „Grundsätzlich bin ich von der Idee überzeugt und finde das Engagement der LifeTeacher klasse.“ Zudem halte sie es für absolut sinnvoll das „wahre Leben“ in die Schule zu bringen. Deswegen hoffe sie, dass es im nächsten Schuljahr besser gelinge. Im Kollegium wurde die Option aus verschiedenen Gründen eher zwiespältig wahrgenommen, wenngleich viele der Idee positiv gegenüberstehen. Hüllmann hofft, dass das enorme Potenzial in den nächsten Jahren erkannt und genutzt wird.
Chance für Unternehmen und Organisationen
Die Themen der Freiwilligen sind so unterschiedlich, wie die Menschen selbst: Imker stellen ihr Hobby vor, eine gestandene Pressesprecherin gibt jungen Frauen Tipps, wie sie sich behaupten können, ein Coach erklärt, wie Schüler:innen mit Stress umgehen können. Dazu gibt es viele, die ihr Berufsbild vorstellen. Als privates Engagement in ihrer Freizeit oder auch eigens dafür freigestellt vom Unternehmen im Rahmen einer Bildungspartnerschaft. Davon profitieren alle Seiten.
Das direkte Feedback und die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen empfinden viele Engagierte als sehr erfrischend. Die Schulen können eine breite Themenpalette abdecken, während Unternehmen sich nicht nur gesellschaftlich einbringen, sondern auch sehr persönliche Einblicke in ihre Branche geben. Die Mitarbeitenden werden, wie alle anderen LifeTeacher auch, über die App von Schulen angefragt und können individuell zu- oder absagen.
Mit der neuen Förderung steckt LifeTeachUs seine Ziele bewusst höher. Was als Kompensation von Unterrichtsausfall und Unterstützung für Projekttage begann, soll zu einer Infrastruktur werden, durch die Wissen aus der Gesellschaft systematisch im normalen Schulalltag eingesetzt werden kann. Dafür braucht es auch im Oldenburger Münsterland Menschen, die erzählen, zeigen und begeistern möchten – und jungen Menschen etwas mitgeben, das in keinem Lehrplan steht.