Wenn jede Minute zählt

Reanimationstraining mit „Anne“

20.02.2026
Autorin: Vanessa Afken

Im St. Marienhospital Vechta trainiert das Team der Kinderklinik Notfälle mit einer neuen Reanimationspuppe: „Anne“ bildet ein Frühgeborenes realistisch nach und hilft, Abläufe zu festigen, wenn es auf Sekunden ankommt. Möglich wurde die Anschaffung durch Zahngoldspenden aus der Region.

Ein Notfall bei Neugeborenen ist selten – aber wenn er eintritt, muss jeder Handgriff sitzen. Gerade bei Frühgeborenen entscheidet sich in kurzer Zeit, wie stabil sich ein Kind entwickelt. Um in diesen Momenten bestmöglich vorbereitet zu sein, setzt die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des St. Marienhospitals Vechta seit Jahren auf regelmäßige Reanimationstrainings.

Jetzt wurde das Trainings-Equipment um eine besondere Puppe erweitert: „Anne“, ein realistisch proportioniertes Modell eines Frühgeborenen in der 25. Schwangerschaftswoche. Die sogenannte „Premature Anne“ wurde in Zusammenarbeit mit der American Academy of Pediatrics entwickelt und ermöglicht – gemeinsam mit dem SimPadPLUS – ein praxisnahes Training der Erstversorgung und Reanimation.

Für das Team der Kinderklinik ist das ein echter Gewinn. „Da die ersten zehn Minuten im Leben eines frühgeborenen Kindes besonders entscheidend sind und die behandelnden Teams, bestehend aus Ärzten und Kinderkrankenschwestern, darauf vorbereitet sein müssen, Komplikationen frühzeitig zu erkennen und richtig zu handeln, sind regelmäßige Trainings besonders wichtig“, erklärt Christiane Mayer, Leitende Oberärztin der Kinderklinik.

Ein starkes Netzwerk: Fortbildungen seit über zehn Jahren

Die Trainings sind in Vechta längst fester Bestandteil der Qualitätssicherung. „Organisiert von der Kinderklinik Vechta finden bereits seit über 15 Jahren einmal im Monat ganztägige Reanimationsfortbildungen für die behandelnden Teams in der Kinderheilkunde, Anästhesie sowie Geburtshilfe statt“, so Mayer. „Ziel ist es, die Versorgung der Kinder in lebensbedrohlichen Situationen ständig zu optimieren.“

Dabei bleibt es nicht beim eigenen Haus: Auch Mitarbeitende externer Geburtskliniken, die von der Kinderklinik mitbetreut werden, können teilnehmen. Ziel ist, dass Abläufe, Kommunikation und Rollenverteilung im Ernstfall nicht erst gefunden werden müssen – sondern bereits verinnerlicht sind.

Das Trainingsteam besteht aus Kinderärzten und Kinderkrankenschwestern, die dafür speziell ausgebildet wurden. Mit verschiedenen Trainingspuppen und technischem Equipment werden Szenarien so realistisch wie möglich nachgestellt – von der ersten Einschätzung über die Stabilisierung bis hin zur Reanimation. Die neue Puppe „Anne“ erweitert diese Möglichkeiten nun um ein besonders sensibles Einsatzfeld: die Versorgung extrem früh geborener Kinder.

Finanziert wurde „Anne“ durch eine besondere Spendenaktion: Mehrere Zahnarztpraxen aus der Region sammelten Edelmetalle – darunter alte Kronen und Brücken, aber auch Schmuck, der nicht mehr getragen wird. Insgesamt kamen rund 18.000 Euro zusammen.

Möglich gemacht durch regionale Zusammenarbeit

Die Edelmetalle werden durch die Bremer Goldschlägerei Bego eingeschmolzen, sortenrein getrennt und anschließend angekauft. Alle beteiligten Partner arbeiten dabei unentgeltlich – der Erlös kommt vollständig der Kinderklinik zugute.

Chefarzt Dr. Oliver Schirrmacher betont dabei vor allem die Bedeutung der regionalen Zusammenarbeit: „Auch in der ländlichen Gegend des Oldenburger Münsterlandes ist eine gut miteinander vernetzte Versorgung unserer Kinder durch gut ausgebildete Kinderärzte mit der Möglichkeit, auch spezialisierte Untersuchungen anbieten zu können, sehr bedeutsam.“

Für ihn ist entscheidend, dass Wege kurz bleiben – und die Versorgung gemeinsam gedacht wird: „Die in den Kinderarztpraxen und der Kinderklinik Vechta arbeitenden Ärzte, aber auch die Allgemeinmediziner sind untereinander bestens vernetzt und sprechen sich in der Versorgung auch sehr kranker Kinder auf kürzesten Wegen ab.“

Dass diese Zusammenarbeit funktioniert, liege auch an gemeinsamen Standards und Routinen: „Gemeinsame Weiterbildungen, gemeinsames Training von Notfallsituationen und Absprache von spezialisierten Untersuchungen sind deshalb zu einer Selbstverständlichkeit geworden“, so Schirrmacher.

Damit das auch in Zukunft so bleibt, setzt die Region auf Ausbildung und Bindung: „So ist eine sehr umfassende Ausbildung der jungen Kinderärzte möglich, damit diese später unsere kranken Kinder bestmöglich innerhalb unserer Region betreuen können“, erklärt der Chefarzt. Sein Ziel ist klar: „Das soll auch in Zukunft in unserer Region zum Vorteil unserer Kinder so bleiben.“