Kinderbetreuung

Wohin mit den Kurzen?

Hier kümmern sich die Großeltern, dort die Unternehmen. In anderen Fällen sind Kommunen und Kirche gefordert. Kein Zweifel: Wer junge Mütter und Väter frühzeitig zurück in den Beruf holen möchte, muss etwas für die Betreuung der Kinder tun. Ideen und Lösungen gibt es viele.

Singen. Spielen. Lachen. 15 Kinder auf einem runden Teppich in der Kindertagesstätte St. Johannes in Bühren: ausgelassene Stimmung vor dem Frühstück. Heute, am ersten Mittwoch im Monat, gibt es Leckeres vom Büffet. Die Rasselbande mümmelt fröhlich vor sich hin. Alle wissen: Gleich dürfen sie wieder spielen. Hanna und ihr jüngerer Bruder Klaas freuen sich.

Dr. Stefanie Stukenborgs ist die Mutter der beiden Knirpse. Während ihre Kleinen in der kirchlich getragenen Kita betreut werden, hat sie längst von „Mama" auf „Arbeit" umgestellt. Bei der SGS Germany GmbH im nahen ecopark arbeitet die 35-Jährige als Teamleiterin, Sie stellt sicher, dass etwa für den Anbau von Biomasse kein Regenwald gerodet wird. Sie bekommt das alles unter einen Hut, auch durch die vielfältige Unterstützung im Oldenburger Münsterland.

Hilfe von Oma und Opa

Die Region ist die kinderreichste in Deutschland. Laut einer Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung liegt die durchschnittliche Geburtenzahl bundesweit bei 1,5 – im Landkreis Cloppenburg kommt man hingegen auf 2,01 Kinder pro Frau, im Landkreis Vechta auf 1,86. Die logische Folge: Die Menschen im Oldenburger Münsterland sind jung, sehr jung. Vorhersagen zufolge werden etwa in Vechta auch nach 2031 noch gut 45 Prozent der Bewohner keine 40 Jahre alt sein.

Die Betreuung der Kinder ist also ein großes Thema. Vielfach wird sie in der Familie geregelt. Oft helfen Oma und Opa aus. Dr. Michael Hoffschroer, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Cloppenburg, weiß: „Hier kennt man noch den Chef oder die Chefin – und traut sich, auch private Probleme anzusprechen. Das ist einfach eine Selbstverständlichkeit." Ihm selbst hätten vor allem flexible Arbeitszeiten geholfen. „Ich kann ohne Probleme meine Kinder zur Kita bringen, ohne dass ich das Gefühl habe, ich hätte vor 30 Minuten am Arbeitsplatz sein müssen."

Pionierarbeit in Emstek

Eltern, die neu in die Region ziehen, können natürlich nicht auf die Verwandtschaft bauen. Sie freuen sich über ein breites Angebot durch kommunale und kirchliche Träger. Zudem steigt die Zahl der Unternehmen mit Betreuungseinrichtungen an. Zu den ersten, die die Notwendigkeit erkannten, zählte der Zweckverband ecopark in Emstek. Beim Unternehmerstammtisch wurde 2010 der Wunsch mehrerer Betriebe laut, Pendlern die Betreuung ihrer Kinder zu ermöglichen. Es kam eine Kooperation mit der Kindertagesstätte im benachbarten Bühren zustande. Ein Jahr später wurden dort die ersten ecopark-Kinder begrüßt. „Wir nehmen fünf Kinder aus dem Park bevorzugt in unserer Krippe auf", erklärt Einrichtungsleiterin Agnes Tietz. Und ecopark-Geschäftsführer Uwe Haring freut sich, dass mehr Eltern schneller wieder in den Beruf einsteigen wollen – und können. „Der ecopark ist ein Stück weit wie eine Kommune. Wir stellen uns der Verantwortung."

Wettbewerbsvorteil Familienfreundlichkeit

Anderer Landkreis, gleiches Ziel: In Lohne plant das Unternehmen Zerhusen & Blömer eine Betriebskita. Für die Mitarbeiter des Pflegeanbieters werden Schichtdienst und 24-Stunden-Betreuung der Patienten nämlich zu einem Problem, denn keine kommunale Kita hat rund um die Uhr geöffnet. „Es müssen nicht einmal alle Mitarbeiter diese Kita nutzen, damit sie sich lohnt", sagt Geschäftsführer Ulrich Zerhusen. Letztlich, so fügt er hinzu, gelte es, eine Frage zu beantworten: „Was ist teurer – Personal, das seine Kinder nicht unterbringen kann und damit ausfällt, oder die Einstellung einer Erzieherin, die es mir ermöglicht, fünf gute Mitarbeiterinnen zu beschäftigen?"

Katja Meyer-Sieveke freut sich über solche Überlegungen. Sie ist Vorsitzende des Verbundes familienfreundlicher Unternehmen Oldenburger Münsterland. Schon vor mehr als 25 Jahren hätten seine Gründer Weitsicht bewiesen und erkannt, „dass es wichtig ist, familienfreundliche Arbeitsstrukturen und flexible Personalpolitik zu fördern". Heute zählt der Verbund rund 140 Unternehmen und kommunale Arbeitgeber zu seinen Mitgliedern. Verbundsgeschäftsführerin Renate Hitz setzt auf ihr Engagement und ihre Ideen: „Sie wissen, dass die Familienfreundlichkeit entscheidend sein kann, wenn sie Mitarbeiter aus anderen Regionen gewinnen wollen."

Zurück in den Mama-Modus

Das Beispiel der ecopark-Kooperation zeigt darüber hinaus, wie auch Unternehmen ohne eigene Betriebskita agieren können – durch Zusammenarbeit. Dr. Stefanie Stukenborg ist in Bühren inzwischen vom Arbeits- in den Mama-Modus zurückgewechselt. Tochter Hanna verabschiedet sich gerade ausgiebig von ihren Freunden, Klaas ist längst wieder auf dem Arm. Und die junge Mutter? Sie freut sich, dass alles so reibungslos klappt. Die Kinder auch während der Arbeitszeit in der Nähe zu wissen, sei ein großes Plus. Zwar sind Hanna und Klaas gern in der Kita und mussten noch nie frühzeitig abgeholt werden. „Aber der Gedanke, dass das rein theoretisch ginge, wenn etwas sein sollte, ist schon beruhigend."

Autor/in: Phyllis Frieling
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