Das hydraulisch aktivierbare System er-möglicht es, einen neuen Rohrabschnitt in einem Bohrloch zu befestigen. Daran angebrachte Keile werden ausgefahren und verankern sich, sodass die nächsten Rohre ins Bohrloch eingelassen und daran befestigt werden können. Ein Liner-Hanger-System kann so Lasten von bis zu 600 Tonnen tragen. Ein sogenannter Liner-Top-Packer dichtet die Stelle ab und hält Drücken von bis zu 700 Bar stand.
In Standardgrößen wird das Tool von einer Vielzahl Unternehmen weltweit angeboten. „Im globalen Vergleich ist der europäische Markt aber noch überschaubar gefüllt, des- halb ist die Nachfrage groß. Zusätzlich bieten wir maßgefertigte Sonderlösungen an“, so Dirk Schöning.
Mit diesen Customized Solutions bedient das Unternehmen eine lukrative Nische, die kontinuierlich wächst. Das können zum Beispiel spezielle Abdichtungen sein, die nicht von der Stange erhältlich sind. „Wir gehen gemeinsam mit dem Kunden in die Entwicklung, damit am Ende ein Produkt entsteht, das genau seinen Anforderungen entspricht.“ Die Fertigstellung kann ein paar Wochen bis hin zu mehreren Monaten in Anspruch nehmen. „Für den Einbau ist immer ein erfahrener Monteur aus unserem Team vor Ort und betreut den Kunden somit bis zum Schluss.“
Gut 95 Prozent aller Aufträge kommen aus dem Bereich Geothermie. In Bohrlöchern von bis zu 5.000 Metern Länge werden dabei die natürlichen heißen Gesteinsschichten der Erde angezapft, um diese als nachhaltige, nahezu klimaneutrale Strom- und Energiequelle zu nutzen – etwa für Fernwärmenetze in Wohn- und Gewerbegebieten.
Zu den Kunden in Deutschland und Österreich zählen daher hauptsächlich kommunale Energieversorger. Darunter war 2025 auch deeep, ein Joint Venture vom österreichischen Energiekonzern OMV und Wien Energie. In einem Pilotprojekt wurden bereits drei Testbohrungen durchgeführt. 2028 soll die Tiefengeothermie-Anlage von deeep rund 20.000 Haushalten mit klimaneutraler Fernwärme versorgen.
Auch für Kunden in Schweden, Polen, Frankreich und den Niederlanden waren Schulte und Schöning bereits tätig. In den Niederlanden kommen die Kunden vor allem aus der Landwirtschaft. Dazu gehören zum Beispiel Lebensmittelproduzenten, die geothermische Wärme zur Temperaturregelung in Gewächshausanlagen nutzen.
Die Liste an Referenzprojekten kann sich sehen lassen, obwohl die Downhole Equipment & Services GmbH erst vergleichsweise kurz am Markt ist. Die Auszeichnung als Existenzgründer des Jahres 2025 bestätigt diese Leistung. Ob der Unternehmerpreis etwas an ihrer täglichen Arbeit verändern wird? Nein, da sind sich Christian Schulte und Dirk Schöning einig.
„Als ich mich selbstständig gemacht habe, habe ich zu meinen Freunden gesagt: ‚Ich will auf jeden Fall bodenständig bleiben. Sagt mir Bescheid, wenn ich abhebe.‘ Das will ich auch weiterhin so halten, Auszeichnung hin oder her“, sagt der 35-jäh-rige Schöning. Schulte fügt an: „Außerdem haben unsere Mitarbeitenden einen großen Teil dieser Leistung mitgetragen. Der Preis gehört ihnen ebenso wie uns.“
Gestartet war das junge Unternehmen 2023 mit sechs Angestellten, inzwischen sind es schon neun. Schnell weiter wachsen ist aber nicht das Ziel: „Wir möchten nicht binnen kurzer Zeit ein 100-Mann-Betrieb werden. Da geht so viel verloren was uns wichtig ist: der direkte Draht zu unseren Mitarbeitern und Kunden zum Beispiel.“