Wirtschaftsregion

Ein starker Partner

13.03.2026
Autor*in: Dirk Heitkötter

Für Unternehmen sind die Zeiten herausfordernd, fortschreitende Digitalisierung und demografische Entwicklungen müssen angepackt werden. Da ist es gut, einen Partner wie den Arbeitgeberverband Oldenburg e.V. (AGV) an der Seite zu haben, der bei allen sozial- und personalpolitischen Themen beraten und unterstützen kann. Im Interview erklärt der Hauptgeschäfts-führer des AGV, Dr. Karsten Tech, wie sein Verband arbeitet und wo die Herausforderungen der Zukunft liegen.

Dr. Tech, vor welchen besonderen Herausforderungen stehen die Unternehmen aktuell?

Dr. Tech: Die Herausforderungen sind so unterschiedlich, wie es die Struktur unserer Mitgliedsunternehmen ist. Industrieunternehmen haben andere Probleme als beispielsweise Handel und Dienstleistungen, die Gesundheitswirtschaft oder der Bausektor. Eines gilt für alle: Hohe Bürokratielasten und die Kosten am Standort Deutschland.

Vor diesem Hintergrund ist auch der Arbeitgeberverband Oldenburg als starker Partner gefragt?

Dr. Tech: Ganz sicher! Der Verband als Sprachrohr der Wirtschaft im Nordwesten steht für eine kontinuierliche und verlässliche Unterstützung seiner Mitgliedsunter­nehmen sowohl im politischen Raum,
im Austausch untereinander und in der Beratung und Vertretung im Einzelfall.

Ein wichtiges Feld ist das Arbeitsrecht. Gibt es die richtigen Antworten für die Unternehmen oder sehen Sie Veränderungsbedarf?

Zentral gelegen und gut erreichbar: Die Geschäftsstelle des Arbeitgeberverbandes in der Bahnhofstraße in Oldenburg.

Dr. Tech: Auch im Arbeitsrecht sehen wir sowohl in der Gesetzgebung als auch in der Rechtsprechung des europäischen Gerichtshofes sowie der deutschen Arbeitsgerichte Veränderungsnotwen­digkeiten. Die vergangenen Jahrzehnte haben kontinuierlich neue Gesetze her­vor­gebracht, die von den Gerichten aus­gelegt und interpretiert worden. Viele Unter­nehmen sind durch die von ihnen
zu beachtende Regelungsdichte schlicht erdrückt und an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht.

Stichwort Bürokratie: Für die Unternehmen und die Wirtschaft im Allgemeinen ist die Regelungsdichte ein großes Ärgernis. Und sie nimmt zu statt ab?

Dr. Tech: Ich kann noch nicht erkennen, dass die Regelungsdichte nachhaltig abnimmt. Trotz eindeutiger Festlegungen im Koalitionsvertrag wurde das Lieferkettensorgfaltspflich­tengesetz nicht ab­geschafft. Stattdessen befindet sich ein Bundestariftreuegesetz im parlamenta­rischen Gesetzgebungsverfahren. Dieses ist überflüssig, zieht erhebliche bürokratische Lasten nach sich und ist Gift für kleine und mittelständische Unternehmen.

Der Landesgesetzgeber plant ebenfalls ein Tariftreuegesetz. Es gilt zu den Folgen dieses Gesetzes das oben Gesagte. Zudem hat der Landesgesetzgeber über den Bundesrat im Juni diesen Jahres einen Antrag zur Modernisierung des Betriebsverfassungsgesetzes eingebracht.

Der Verband wird die weitere Entwicklung auch nach den Beschlüssen der Bundes­regierung vom 5. November 2025 sehr ­kritisch begleiten und sich im Interesse seiner Mitgliedsunternehmen äußern
und einbringen.

Fachkräfte sind rar geworden, nicht in allen Branchen, aber viele Unternehmen müssen lange suchen, um Stellen besetzen zu können. Wie unterstützt hier der AGV seine Mitglieder?

Dr. Tech: Hier unterstützt der Verband durch zahlreiche Netzwerkveranstaltungen, zum Beispiel gemeinsam mit der Agentur für Arbeit. Die Unternehmen erhalten Unterstützung durch Vermittlung der rechtlichen Rahmenbedingungen, die beispielsweise bei Beschäftigten nicht-europäischer Herkunft zu berücksichtigen sind. Rechtliche und tatsächliche Fragestellungen bei Auswahlverfahren werden ebenso erörtert wie Herausforderungen bei der Bildung einer Arbeitgebermarke oder funktionaler Mitarbeiterbindung. Gute Beschäftigte zu verlieren zieht ja ebenfalls erhebliche Kosten bei der Neubesetzung nach sich.

Junge Menschen entscheiden sich oft gegen eine Ausbildung und für ein ­Stu­dium. Ist die duale Ausbildung ein ­Auslaufmodell?

Dr. Tech: Ich denke nein. Deutschland ist und bleibt ein Hochlohnstandort. Das konnten und können wir uns nur leisten, wenn wir besser sind als unsere Mitbewerber in der Welt.

Sowohl Industrie und Handwerk wie auch Handel, Dienstleistung und alle anderen Bereiche unserer Wirtschaft sind auf hervorragend ausgebildete junge Menschen angewiesen. Diesen Standortvorteil gilt es zu bewahren.

Ein Blick in die Zukunft. Wo wird unser Wirtschaftsstandort Nordwest in zehn ­Jahren stehen?

Dr. Tech: Leider steht in meinem Büro ­keine verlässliche Glaskugel. Ich hoffe, dass Deutschland zeitnah zu alter Wett­bewerbsfähigkeit zurückfindet und seinen Platz unter den großen Wirtschaftsnationen ­halten und eventuell sogar ausbauen kann.

Der Nordwesten kann dabei eine große Rolle spielen. Er hat einiges zu bieten, unter anderem Energiewirtschaft, Ernährungswirtschaft, die maritime Wirtschaft, eine erfolgreiche Start-Up-Szene und zahlreiche Hidden Champions. Um erfolgreich zu sein bedarf es aber – und das dürfte inzwischen allgemein anerkannt sein – der Anstrengung aller. Der Arbeitgeberverband Oldenburg will und wird hierzu gerne seinen Beitrag leisten! 

Die ersten Ansätze des AGV Oldenburg gehen in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurück. Die ersten Industriebetriebe waren seit 1917 im Verband Oldenburger Industrieller organisiert.

1919 wurde der „Industrie- und Arbeitgeberverband für den Freistaat Oldenburg“ gegründet; 1933 kam der Umbruch. Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände wurden in die „Deutsche Arbeitsfront“ überführt. Es folgte eine jahrelange Unterbrechung der Tätigkeit des Verbandes.

Erst 1946 erlaubte die Britische Militärregierung in Niedersachsen die Bildung bezirklicher Arbeitgeberorganisationen. So wurde 1949 der heutige „Arbeit­geberverband Oldenburg e.V.“ mit Sitz an der Bahnhofstraße gegründet.

Arbeitgeberverband Gebäude alt © AGV Oldenburg

AGV Oldenburg:

Die Vertretung der regionalen Wirtschaft

Als größter Unternehmensverband im Nordwesten vertritt der Arbeitgeberverband Oldenburg e.V. (AGV) die Interessen seiner rund 600 Mitgliedsunternehmen. Eine besondere Stärke des AGV ist dessen heterogene Struktur.

Mitglieder des Verbandes sind sowohl Industriebetriebe unterschiedlicher Branchen als auch ­Handelsunternehmen und eine große Zahl von Dienstleistungsbetrieben.

Auch alle Unternehmensgrößen sind im Arbeitgeberverband Oldenburg vertreten. Diese Mitgliederstruktur ist die Voraussetzung für eine repräsentative Vertretung der regionalen Wirtschaft.

Darüber hinaus ist der AGV wesentlicher Teil eines Netzwerkes von Kooperationspartnern aus dem Verbändebereich, das Interessen und Kompetenzen bündelt und für die vertretenen Unternehmen und für die Wirtschaftsregion im Nordwesten einen großen Mehrwert bietet. Dieses Netzwerk schafft die Möglichkeit, wichtige Projekte und Entwicklungen gemeinsam zu planen, zu initiieren und (häufig auch finanziell) maßgeblich zu unterstützen.

Ein wichtiger Aufgabenbereich des Arbeitgeberverbandes Oldenburg e.V. ist die Beratung und Unterstützung der Mitgliedsunternehmen bei allen sozial- und personalpolitischen Themen. Von allgemeinen arbeits- bis zu tarifrechtlichen Fragestellungen steht das qualifizierte AGV-Team den Mitgliedern zur Beratung zur Verfügung und übernimmt im Bedarfsfall auch die arbeitsgerichtliche Vertretung.

Dabei ist hervorzuheben, dass der Arbeitgeberverband Oldenburg e.V. im Gegensatz zu branchenspezifisch organisierten Tarifträgerverbänden tariffrei ist. Dies bedeutet, dass die Mitgliedschat im AGV Oldenburg nicht zu einer Tarifbindung führt.

Auf ausdrücklichen Wunsch kann der AGV für seine Mitgliedsunternehmen Firmentarifverträge abschließen.