Ente gut, alles gut!

Wie aus der Liebe zum Oldtimer eine tragende Geschäftsidee wurde

Ein Unternehmen mit Ersatzteilen für französische Oldtimer – zu speziell? Keinesfalls! Der Unternehmer Ansgar Olberding hat gezeigt, wie man mit Mut, Weitsicht und Geduld eine Idee erfolgreich umsetzen kann. „Der Franzose" mit Niederlassung in Vechta führt ein Lager mit Waren, die mittlerweile den sechsstelligen Bereich überschritten haben und an Kunden in 90 Ländern vertrieben werden.

Ansgar Olberding hat seinen eigenen Kopf. Immer schon gehabt. Ist er von einer Sache überzeugt, lässt er sich nicht mehr von ihr abbringen. Nicht von der Familie, nicht von Freunden. Noch nicht einmal von seiner Bank. Die Hartnäckigkeit, mit der er an seiner Leidenschaft festgehalten hat und daran, sie zum Beruf zu machen, hat sich ausgezahlt. Seine Leidenschaft: Oldtimer französischer Hersteller. Sein Beruf: ihre Fahrtüchtigkeit zu erhalten.

Heute leitet der 51-Jährige ein erfolgreiches Unternehmen, das Kunden weltweit aus einem Lager mit einer Million Ersatzteile für historische Fahrzeuge der Marken Citroën, Peugeot, Renault, Panhard, Simca und Talbot beliefert. Bis die Zahl der Ersatzteile siebenstellig war, sind drei Jahrzehnte vergangen.
Angefangen hat alles wie bei so vielen großen Geschichten: mit Liebe. Eine heißt Stefanie und ist heute seine Frau. Die andere ist die französische Ente, der Citroën 2CV. Für Ansgar Olberding nicht nur ein Auto – für ihn war die Ente ein Statement. „Sie stand für das genaue Gegenteil des damaligen Konservatismus: wenig Arbeit und viel Lebensgenuss. So habe ich gegen die damalige Gesellschaft rebelliert", erklärt er rückblickend und lacht: „Während meiner Tätigkeit als Kfz-Mechaniker bei einem großen Autohersteller musste ich meinen Wagen immer ganz hinten auf dem Parkplatz abstellen."

Als die Liebe zu seiner Ente an einem Schaden zu zerbrechen drohte, wurde Ansgar Olberding aktiv. Er hörte sich um und traf „als Enthusiast einen Enthusiasten". Daraufhin wurde ihm klar: Es gibt eine Nachfrage nach Ersatzteilen für französische Oldtimer, denn: „Gute Sachen braucht man nicht neu zu erfinden, sondern nur zu verfeinern." 1988 folgte die Gründung von „Der Franzose", wie das Unternehmen fortan konsequenterweise heißen sollte. Fünf Jahre später setzte Ansgar Olberding alles auf eine Karte und widmete sich hauptberuflich seinem Handel.

Der Erfolg stellte sich nicht sofort ein, Ansgar Olberding hat viel investiert, um „seinen Franzosen" zu dem zu machen, was er heute ist. Viel Geld, viel Zeit und viele Nerven. Die ersten Jahre nach der Gründung sind nicht spurlos an ihm vorübergegangen. 15 Jahren lang hatte er bis zur Erschöpfung weitergemacht. Aufzugeben war jedoch nie eine Option. Vielmehr hat der Unternehmer weiter gearbeitet – dieses Mal aber an sich: Er besuchte Schulungen und stellte seine Arbeitsweise und die Unternehmensstrukturen um.

Ab 2005 warf das Unternehmen Gewinn ab. Einst gestartet in der Wohngemeinschaft auf einem Bauernhof hat „Der Franzose" heute seinen Firmensitz in einem repräsentativen Gebäude in einem Gewerbegebiet bei Vechta. Wichtigster Bereich: das hochmoderne Lager. Über drei Etagen hinweg und mit zwölf Metern Höhe bietet es rund 2.000 Quadratmeter Lagerfläche. „Liebhaber französischer Oldtimer würden hier bestimmt gerne Schatzsuche für Große betreiben", sagt Ansgar Olberding lachend. Er kauft weltweit und bei über 500 Lieferanten ein. Die Ersatzteile kommen bisweilen aus Argentinien und Vietnam. „Dort gibt es Fachleute, die die Ware zum Teil in Handarbeit herstellen können", erklärt der Experte. In einem sogenannten „chaotischen Lagersystem" werden die Produkte aufgenommen und Kunden in bis zu 90 Länder geschickt. Sämtliche Arbeitsvorgänge sind digitalisiert.

30 Mitarbeiter sind mittlerweile für „Der Franzose" tätig. Sie stammen aus diversen Nationen. Im Kundenservice sitzt etwa Neeroosha aus Mauritius neben Hugues, dem ehemaligen Fußballprofi aus dem Kongo. Was sie eint, ist, dass sie keinen „geraden" Lebenslauf vorweisen können, dafür aber umso mehr Lebenserfahrung. Sie dürfen bei Ansgar Olberding so sein, wie sie sind, das ist ihrem Chef wichtig zu betonen: „Ich treffe Personalentscheidungen nicht auf Basis von Zeugnissen, sondern nach Bauchgefühl."

Diese menschennahe, unprätentiöse Haltung hat sich der Unternehmer bei einem seiner früheren Chefs abgeschaut. Bevor er sich selbstständig machte, war er als Medizintechniker bei einem amerikanischen Unternehmen angestellt. Dessen Geschäftsführer kam grundsätzlich sehr leger gekleidet zu Terminen – wohlgemerkt auch zu den geschäftlichen. „Es geht darum, die richtigen Prioritäten zu setzen", betont Ansgar Olberding.

Dass dem Unternehmer genau das gelungen ist, zeigte sich nicht zuletzt bei einer hauseigenen Messe, die er vor fünf Jahren veranstaltete. Über 1.000 Enten kamen dazu angereist – aus der Region, aber auch weit darüber hinaus. Trotz des Erfolgs hat Ansgar Olberding nie über einen Standortwechsel nachgedacht. Zwar hat er 2010 eine Niederlassung in Paris eröffnet. Aber: „Es lebt sich einfach gut im Oldenburger Münsterland!", findet nicht nur er, sondern auch seine Mitarbeiterschaft. Dafür ist nicht zuletzt ein Beweis, dass sie dem Unternehmen bisweilen jahrzehntelang erhalten bleiben.

Ansgar Olberding hatte eine Idee und genügend Überzeugung, sie auch umzusetzen. Und daneben viel Mut, Weitsicht und Geduld. In der Zentrale hängt ein gerahmtes Plakat, das die unterschiedlichen Bauphasen des Eiffelturms zeigt. Vom leeren Baugrund bis hin zum fertigen Konstrukt. Man könnte es als Symbol für Ansgar Olberdings Unternehmen lesen: Das Vorhaben schien so unglaublich wie unmöglich. Aber letztlich hat die Idee getragen und ist der Eiffelturm untrennbar mit dem Pariser Stadtbild verbunden.

Autor/in: Mareike Lange