Wiesenhof

Veganes Hähnchen im Anflug

Wiesenhof gilt als einer der weltweit größten Geflügelproduzenten. Doch der Konzern erschließt sich auch alternative Proteinquellen: Vegane Fleischimitate, Fisch aus Hülsenfrüchten oder Kunstfleisch aus der Zellkultur.

 

Mortadella ohne Fleisch, fischfreier Thunfisch, Pflanzenburger mit Kunstblut – der Markt für Fleischersatzprodukte boomt. Auf der veganen Welle reitet mit der PHW-Gruppe auch einer der weltweit größten Geflügelerzeuger. Das Familienunternehmen hat eigens einen Geschäftsbereich für alternative Proteinquellen samt Vorstandsposten etabliert. Dieser kümmert sich nicht nur um das Veggie-Sortiment der Marke Wiesenhof, die fleischfreie Alternativen zu Bratwurst, Nuggets oder Schnitzel anbietet. Die Lebensmittelfirma geht auch eifrig auf Einkaufstour in Übersee und investiert in Start-ups für sogenanntes In-Vitro-Fleisch, Insekteneiweiß, Pflanzenburger oder Fischimitat.

Einstieg bei Good Catch Foods

Zuletzt meldete der Konzern aus dem Kreis Vechta den Einstieg bei Good Catch Foods. Das US-Unternehmen bietet für Fisch und Schalentiere einen veganen Ersatz, der auf einer Mischung sechs verschiedener Hülsenfrüchte basiert. Aus Linsen, Erbsen und Bohnen entstehen etwa „fischfreier" Tuna und „krabbenfreie" Bratlinge. Dieser Fischersatz wird von der PHW-Gruppe künftig in Europa angeboten, wie Mitte 2018 verkündet wurde. Eine Vertriebskooperation gibt es auch mit dem veganen US-Marktführer Beyond Meat, dessen Produkte schon in rund 25.000 Supermärkten und Restaurants im Heimatmarkt erhältlich sind. In Deutschland werden die pflanzlichen Burger vom Konzern aus Rechterfeld zunächst in der Gastronomie auf den Markt gebracht. Hat das Erfolg, soll der Einzelhandel folgen.

Partnerschaft mit Super Meat

Alternative Eiweißquellen müssen nicht zwingend pflanzlich sein. Dazu zählen außerdem Insekten oder sogenanntes In-Vitro-Fleisch aus Zellkulturen. Auch in dieses biotechnologische Segment ist PHW eingestiegen. Anfang 2018 verkündete man eine strategische Partnerschaft mit dem israelischen Start-up Super Meat. Ziel ist die Herstellung von künstlich erzeugtem Geflügelfleisch. Bis die Produkte wirklich in den Regalen der Supermärkte liegen, dürfte es allerdings noch etwas dauern.

Das Interesse der Verbraucher an Fleischalternativen ist jedenfalls da. Ein aktueller Bericht der Marktforscher von Nielsen zeigt, dass die Nische weiter wächst. So ist der vegane Lebensmittelmarkt 2017 um rund ein Fünftel gewachsen ist und hatte einen Umfang von 3,3 Milliarden Dollar. Kein Wunder also, dass sich auch die großen Lebensmittelkonzerne für den veganen Trend interessieren.

Neue Produkte als Chance

Das fleischfreie Sortiment von PHW ist seit 2015 stetig gewachsen. Der Großteil der jährlichen Erlöse von zuletzt knapp 2,5 Milliarden Euro entfällt aber weiterhin auf Geflügelprodukte. „Wir sehen das Wachstum des pflanzenbasierten Lebensmittelsektors nicht als Bedrohung für unser bestehendes Kerngeschäftsfeld, sondern als Chance", erklärt Peter Wesjohann. Bei der Geflügelmast schlägt der PHW-Vorstandsvorsitzende allerdings den umgekehrten Weg ein und plant die Verwendung von Insektenprotein, um künftig weniger Soja aus Übersee im Futter einzusetzen. Der Konzern hat sich deshalb an der Enterra Feed Corporation beteiligt. Das kanadische Unternehmen produziert Futterzusätze, die aus Larven der Nahrungsabfälle fressenden schwarzen Soldatenfliege gewonnen werden.

Autor/in: Klaus Kasper
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