Guten Appetit!

Süße Früchte, blasse Stangen

Sie glänzen wunderbar rötlich, schmecken verführerisch und machen sofort Appetit auf mehr. Erdbeeren sind einfach richtig süße Früchtchen. Total lecker. Und natürlich gesund und kalorienarm. Rund 3,5 Kilogramm der kleinen Roten gönnt sich jeder Deutsche im Jahr. Ein Top-Wert.

 

Das Oldenburger Münsterland trägt einen erheblichen Teil zur Versorgung der Leckermäuler bei. Die Region gilt als größtes Anbaugebiet Niedersachsens. Nirgendwo zwischen Nordsee und Harz werden mehr Erdbeeren angebaut. Allein in der Region Langförden im Nordkreis Vechta umfasst die Fläche rund 2300 Hektar. Sogar eine Erdbeerkönigin wird hier Jahr für Jahr gekrönt.

Selbst pflücken ist angesagt

Am besten schmecken die Beeren, wenn sie selbst auf dem Feld gepflückt wurden. Rauf aufs Fahrrad, den Korb auf den Gepäckträger geklemmt und los geht's! Viele landwirtschaftliche Betriebe bieten die Möglichkeit zum Selbstpflücken an. Wer daran keinen Gefallen findet, geht trotzdem nicht leer aus. In vielen Hofläden gibt es die Vitaminbomben erntefrisch und in Schalen portioniert zu kaufen. Und dass in den Cafés der Region während der Saison im Juni und Juli am liebsten Erdbeertörtchen und -eisbecher serviert werden, versteht sich von selbst.

Der schmackhafteste Begleiter der Erdbeere ist eine blasse, dünne Stange. Denn auch Spargel, das einst von den Römern nach Europa gebrachte „königliche Gemüse", ist im Oldenburger Münsterland zuhause. Gestochen wird er von Ende April bis zum 24. Juni, dem Johannestag. Danach ist Schluss. In den folgenden Monaten muss er im Boden ruhen und Kraft für die bald anstehende Frostperiode sammeln.

Unterwegs auf der Spargelstraße

Und wie kommt der Spargel dann auf den Teller? Alles Geschmackssache. Die Rezeptbücher quellen über vor Vorschlägen. In der klassischen Version wird er von gerolltem Schinken, einer Sauce Hollandaise und jungen, in Butter geschwenkten Kartoffeln begleitet. Feinschmecker schwören aber ebenso auf die Stangen als Salat, Suppe oder etwa mit Spinat und pochiertem Ei. Viele Restaurants in den Landkreisen Cloppenburg und Vechta richten ihre Speisekarten im Frühsommer ganz auf die Wünsche der Liebhaber aus. Ein Highlight im kulinarischen Jahreskalender ist zudem das alljährliche Spargelessen, zu dem eine Vielzahl von Lokalen am Freitag vor Muttertag einlädt.

Nebenbei: Wer mag, kann die Spargelregion auf einer kleinen Radtour erkunden. Die Niedersächsische Spargelstraße, die eine Gesamtlänge von 750 Kilometern aufweist, führt in ihrem westlichen Teilabschnitt auch durch das Oldenburger Münsterland.

Deftiges zur Winterzeit

Erdbeeren und Spargel auf der einen Seite, Grünkohl und Wild auf der anderen. Die Küche im deutschen Nordwesten ist durchaus auch eine deftige. Besonders beliebt ist der Grünkohl, die sogenannte „Oldenburger Palme". Geerntet wird das im Süden der Republik weitgehend unbekannte Wintergemüse nach dem ersten Frost. Die Kälte sorgt dafür, dass die Bitterstoffe in den Kohlblättern in Zucker umgewandelt werden.

Das Grünkohlessen findet zumeist in gemütlicher Runde statt – oft vor, während oder nach einer gemeinsamen Kohlfahrt der Teilnehmer. Die Tradition gebietet es, den Grünkohl mit Pinkel, Kochwurst, Kasseler und Bratkartoffeln zu servieren. Und im Anschluss sorgt ein Kurzer aus der Schnapsflasche für das Anregen der Verdauung.

Noch vor der Kohlsaison startet die Wildzeit. Die Zutaten stammen aus heimischen Revieren. Reh und Wildschwein, Hase, Fasan oder Ente – dem kulinarischen Vorstellungsvermögen sind keine Grenzen gesetzt. Und falls jemand lernen möchte, wie frisches Wildbret zubereitet wird, ist auch das möglich. Mehrere Köche führen ihre Gäste gern in die Kunst des Wildkochens ein und machen sie so noch ein Stück mehr mit der gediegenen Landküche vertraut.

Ein Stuten zur Geburt

Noch mehr regionale Spezialitäten? Gerne doch. Typische Leckereien sind etwa der Buchweizenpfannkuchen mit Speck und Preiselbeermarmelade sowie der Kilmerstuten. Dabei handelt es sich um einen Rosinenstuten, der nach einem überlieferten Rezept gebacken und zum Besuch des Neugeborenen traditionell den Eltern überreicht wird. Brauchtum und Kulinarik gehen hier – wie so oft im Oldenburger Münsterland – einmal mehr Hand in Hand.

Autor/in: Claus Spitzer-Ewersmann