Ausbildung

Suche Azubi, biete Wohnung

Manche finden sich damit ab, andere lassen sich etwas einfallen. Wenn Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können, dann trennt sich bei den Firmen schnell die Spreu vom Weizen. Besonders kreativ zeigen sich Ute Sperveslage und Heinrich Kühling aus Friesoythe.

 

Ein Wohnheim für Auszubildende – mit dieser Idee gehen Ute Sperveslage und Heinrich Kühling, geschäftsführender Gesellschafter der Kühling Stahl- und Metallbau GmbH in Friesoythe, den Fachkräftemangel in der Region an. Ihr Gedanke: Man muss die Bedingungen für Azubis verbessern. Hält etwa der Wohnungsmarkt nichts Passendes und Bezahlbares bereit, muss man halt etwas bauen.

Das Projekt nahm Fahrt auf, als ein potenzieller Auszubildender seine Lehre bei Kühling nicht antreten konnte. Der Bus hätte den Jugendlichen statt um 7 erst um 11 Uhr nach Friesoythe bringen können. Dann aber ist auf dem Bau der halbe Arbeitstag bekanntlich schon vorbei. Anderen Anwärtern auf einen Ausbildungsplatz erging es ähnlich. Häufig musste man sich mit wenig befriedigenden Not- und Übergangslösungen behelfen.

Sperveslage und Kühling hielten Ausschau nach einem Gebäude, dass sich als Wohnheim eignen könnte. Schließlich fanden sie ein Haus, dass sie in den letzten Monaten sanieren, ausbauen und komplett möblieren ließen. Nach seiner Fertigstellung bietet es nun in neun Apartments (darunter einem behindertengerechten) und zwei Wohngemeinschaften Platz für insgesamt 15 Auszubildende. Einige haben bereits ihre Mietverträge unterschrieben, die ersten werden im Herbst 2018 einziehen.

Und das neue Wohnheim stehe nicht nur den eigenen Azubis offen, betont Ute Sperveslage. „Es gibt auch schon Anfragen von anderen Firmen." Bereits vor Baubeginn hatte sie sich bei weiteren Handwerksbetrieben nach dem Bedarf erkundigt und war dabei auf Interesse gestoßen. Das Problem ist schließlich nicht neu, zumal die Zahl der bereits vor Ort lebenden Bewerberinnen und Bewerber mehr und mehr zurückgeht. Viele Unternehmen suchen deshalb landes- oder sogar bundesweit nach Auszubildenden – jetzt mit noch etwas besseren Chancen.

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