Kunststoff-Spezialist aus Mühlen

Mehr als eine Luftnummer

Tübingen, die Fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Rolf Hein produziert in seinem Unternehmen Waschmittel. Ein Nebenprodukt sind große, schillernde Seifenblasen. Sie faszinieren den Chemiker. Und er erkennt ihr Potenzial: Er verbringt sie in Aluminiumröhrchen, setzt einen Korken drauf und macht fortan viele Kinder mit einem neuen Spielzeug glücklich. Der Name? Pustefix.

Die Verpackung macht's

Richtig Fahrt nimmt das Geschäft aber erst auf, als Hein bei der Verpackung auf Kunststoff setzt. Denn die davor verwendeten Aluminiumröhrchen mit Drahtspirale reagieren mit der Flüssigkeit, das begrenzt die Haltbarkeit. Auch schließt der Verschluss aus Naturkork nicht wirklich dicht ab – ein kurzes Vergnügen. Hein sucht nach einer Verbesserung, will dabei die bekannte Optik erhalten. Das Know-how kommt schließlich aus Lohne. Franz Burwinkel, der junge Betriebsleiter des Kunststoffherstellers Warsawsky, erfindet die bis heute typische Kappe mit Blasring. Endlich ist die schillernde Flüssigkeit haltbar verpackt und wird zum großen Erfolg – für beide Unternehmen.

Mut zur Selbständigkeit

Franz Burwinkel wagt 1978 den Schritt in die Selbständigkeit. Mit Erfolg, seine Firma Burwinkel Kunststoffwerk GmbH wächst schnell. 2004 übernimmt er Warsawsky – und stößt erneut auf Pustefix. Der Kunde Hein bleibt gern und lässt seitdem ein buntes Spielzeugsortiment für die ganze Welt in Mühlen produzieren.

„Eine besondere Herausforderung war das Innengewinde", betont Martin Burwinkel, Sohn des Firmengründers und heutiger Chef. Aber die Sache lohnt sich. Auf Fachmessen ist Pustefix regelmäßig der Star. Wenn eine kleine Spritzgussmaschine auf dem Stand der Firma Burwinkel „Seifenblasen 2go"-Ringe produziert, kann niemand widerstehen. Und der gelbe Teddy auf der Pustefix-Dose lässt große wie kleine Herzen schneller hüpfen. Dabei hat das Unternehmen viel mehr zu bieten.

Spitzenanbieter der Kunststoffindustrie

Rund 80 Spritzgussmaschinen sind heute in Mühlen im Einsatz – nicht nur im Auftrag der Seitenblasen. Die vielfach ausgezeichnete Burwinkel Kunststoffwerk GmbH gehört zu den Spitzenanbietern der Kunststoffindustrie. „Wir sind der Nischenanbieter der Nischen", charakterisiert Martin Burwinkel das Unternehmenskonzept. „Als Spezialist für Kleinstserien produzieren wir für unsere Kunden auch einmal im Monat nur 100 Teile, wenn das gewünscht ist." Das können Gardinendekorhalter wie Zahnräder sein, Deckel oder Förderbänder. Oder eben Seifenblasenverpackungen. Und natürlich werden auch hohe Stückzahlen und Dauerläufer produziert, zum Beispiel Kunststoff-Schutzelemente oder technische Spritzgussartikel. Hauptsache aus Kunststoff und in Spritzgusstechnik herzustellen. Für jedes Teil wird zunächst ein eigenes Werkzeug hergestellt. „Das Werkzeuglager ist die Schatztruhe", heißt es deshalb im Unternehmen. Soll ein bestimmtes Teil hergestellt werden, wird die entsprechende Maschine darauf umgerüstet. Bei kleinen Stückzahlen kann das mehrmals am Tag passieren. Kein Vergleich zu Automobilzulieferern, bei denen jahrelang das Gleiche vom Band läuft. Und für die Kunden eine Chance – sie wissen, was sie an Burwinkel haben.

Geburtshelfer für Innovationen

Gründer Franz Burwinkel war Techniker und Tüftler. Mit seiner „verrückten Idee" ein Kunststoffflugzeug zu produzieren, scheiterte der leidenschaftliche Hobbypilot zwar, doch immerhin werden heute im Hause Burwinkel rutschfeste Steuerarmaturen gefertigt, die in die Lüfte steigen. Geblieben ist der Wille, neue Wege zu gehen. Burwinkel Kunststoffwerk GmbH deckt inzwischen den kompletten Entstehungsprozess der Kunststoffteileproduktion ab. „Zu uns können Unternehmer auch mit ihrer fixen Idee kommen, wir arbeiten dann gemeinsam daran, dass sie Realität wird", beschreibt Martin Burwinkel das Angebot. Entwicklung, Werkzeugkonstruktion, Produktion, Montage und Druck sind im Hause möglich. Gerade die regionalen Kunden aus dem erfinderreichen Oldenburger Münsterland schätzen den direkten Draht – Entwicklung zum Mitmachen und Anfassen. Immer mit den Ideen der kompletten Belegschaft. „Ohne unsere Mitarbeiter, wären wir nicht dort, wo wir heute stehen. Sie sind einfach die Spezialisten auf ihrem Gebiet und wir sind froh, dass alle an einem Strang ziehen."

Grenzen überschreiten und neue Wege gehen, das gehört für Martin Burwinkel zur Firmenphilosophie. In Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Forschung entstehen innovative Produkte und Methoden. Mit den sogenannten ECO-Products² sind nachhaltige Produkte im Sortiment, die aus recycelten Kunststoffen hergestellt werden. Partner liefern sortenrein vor, die Burwinkel Kunststoffwerk GmbH verhilft dem Material zu einem neuen Leben und hilft so Rohstoffe einzusparen.

Stets engagiert

Ähnlich vielseitig wie die Produktpalette ist traditionell auch das gesellschaftliche Engagement. Ein Team, das für karitative Zwecke die Balkan-Express-Rallye absolviert, wird genauso unterstützt, wie der Fußballsport vor Ort. Und wenn es die Möglichkeit gibt, statt Geschenken um Spenden zu bitten, gehört das ebenfalls zum guten Ton. Einer dieser Anlässe war das 40-jährige Firmenjubiläum im Jahr 2018. Wie es gefeiert wurde, zeigt vortrefflich, wie man bei Burwinkel tickt. Man könnte zu solch einem Anlass eine Betriebsfeier planen, dazu eine Doppelseite in der Zeitung buchen und über die Geschichte berichten. Was macht Burwinkel? Lädt Kunden und Lieferanten zur zweitägigen Hausmesse ein. Und deren Kunden gleich mit. Die „Konkurrenz" auf der eigenen Party – und alle finden es super. Das Jubiläum mit Abendprogramm wird zum Branchentreff, die 42 Aussteller und über 700 Fachbesucher sind begeistert. „Das Konzept ist hervorragend aufgegangen", freut sich Martin Burwinkel. „In ungezwungener Atmosphäre gab es viele wertvolle Gespräche zwischen Dienstleistern und Kunden, Entwicklern und Anwendern, Mitarbeitern und Chefs." Bestes Klima für innovative Ideen in Mühlen.